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Frieden

Was ist Frieden?

Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Was das Wort bedeutet, woher es kommt und wie Recht und Forschung es heute fassen

Das Wichtigste in Kürze

  • Frieden ist nach der Bundeszentrale für politische Bildung eine dauerhafte Rechtsordnung und Lebensform, in der Wohl und Wohlstand der Menschen die obersten Ziele sind.
  • Im engen Sinn bedeutet Frieden die Abwesenheit von Krieg und Gewalt, im weiten Sinn auch die Abwesenheit von Ungerechtigkeit, die Menschen schadet.
  • Das Wort stammt vom althochdeutschen fridu und meinte Schonung, Schutz und einen geschützten Raum.
  • Grundgesetz, UN-Charta und das Nachhaltigkeitsziel 16 machen Frieden zu einer Aufgabe von Staaten und Gesellschaften.
  • Frieden zeigt sich auch im Alltag: darin, wie Menschen Konflikte austragen, ohne einander zu verletzen.

In Zahlen

8. Jh.

althochdeutsch fridu

Schonung, Wohlwollen, geschütztes Gebiet

1945

UN-Charta

am 26. Juni unterzeichnet, Weltfrieden als erstes Ziel

16

Nachhaltigkeitsziel

friedliche und inklusive Gesellschaften

Frieden in drei GrundtextenQuelle: Charta der Vereinten Nationen, Grundgesetz, Agenda 2030 der Vereinten Nationen

UN-Charta

Datum
unterzeichnet am 26. Juni 1945
Ebene
Staatengemeinschaft
Kernaussage
Weltfrieden und internationale Sicherheit wahren
Wer verpflichtet ist
Mitglieder legen Streit mit friedlichen Mitteln bei

Grundgesetz

Datum
ausgefertigt am 23. Mai 1949
Ebene
Bundesrepublik Deutschland
Kernaussage
dem Frieden der Welt dienen, Angriffskrieg vorbereiten ist verfassungswidrig
Wer verpflichtet ist
der Staat, friedensstörende Handlungen sind unter Strafe zu stellen

Nachhaltigkeitsziel 16

Datum
beschlossen am 25. September 2015
Ebene
alle Länder, als Teil der Agenda 2030
Kernaussage
friedliche und inklusive Gesellschaften fördern
Wer verpflichtet ist
alle Länder und alle Beteiligten
Wortherkunft
althochdeutsch fridu, mittelhochdeutsch vride
Im Grundgesetz
Präambel und Artikel 26
Zwei Begriffe
negativer und positiver Frieden nach Johan Galtung
Verwandt
zufrieden, aus zu Frieden

Was bedeutet Frieden?

Frieden bezeichnet nach dem Politiklexikon der Bundeszentrale für politische Bildung eine umfassende und dauerhafte Rechtsordnung und Lebensform, in der Wohl und Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger die obersten Ziele sind. Im Alltag denken die meisten zuerst an die Abwesenheit von Krieg. Das ist richtig, aber nur ein Teil.

Frieden kann zwischen Staaten herrschen, innerhalb einer Gesellschaft, in einer Familie und in einem Menschen selbst. Auf allen Ebenen geht es um dieselbe Frage: Können Menschen ihre Unterschiede austragen, ohne einander zu verletzen, und haben sie die Sicherheit, ohne Angst zu leben?

Die Friedensforschung unterscheidet deshalb einen engen und einen weiten Friedensbegriff. Der enge meint die Abwesenheit von Gewalt und Krieg. Der weite schließt auch Ungerechtigkeit ein, die Menschen schadet, ohne dass jemand zuschlägt.

Woher kommt das Wort Frieden?

Das Wort geht auf das althochdeutsche fridu zurück, belegt seit dem 8. Jahrhundert, im Mittelhochdeutschen vride. Seine Grundbedeutung war ein Zustand der Schonung und des Wohlwollens. Älter ist auch die Bedeutung eines geschützten, umzäunten Gebiets.

Das verwandte mittelhochdeutsche Verb vriden bedeutete unter anderem Frieden bringen, schützen, erhalten und einen Zaun machen. Darin steckt eine Vorstellung, die bis heute trägt: Frieden ist ein Raum, in dem man geschützt ist.

Auch das Wort zufrieden stammt aus dieser Familie. Es ist aus der Fügung zu Frieden zusammengezogen und beschreibt bis heute einen Zustand, in dem nichts mehr fehlt.

Ist Frieden mehr als kein Krieg?

Für die Friedensforschung ja. Der norwegische Forscher Johan Galtung unterschied 1969 zwischen negativem und positivem Frieden. Negativer Frieden ist die Abwesenheit direkter Gewalt, positiver Frieden auch die Abwesenheit von struktureller Gewalt, also von Verhältnissen, die Menschen daran hindern, ihre Möglichkeiten zu entfalten.

Diese Unterscheidung hat die Friedensforschung und die Friedenspädagogik stark geprägt. Galtung versteht Frieden als Prozess, auf internationaler, gesellschaftlicher und persönlicher Ebene, nicht als einmal erreichten Zustand.

Der weite Begriff ist allerdings umstritten. Kritiker wenden ein, dass er so viel umfasst, dass er kaum noch zu erreichen ist, und manche Forschende plädieren dafür, sich wieder auf den engen Begriff zu konzentrieren. Beide Sichtweisen stehen auf der Seite über positiven und negativen Frieden ausführlicher.

Was sagen Grundgesetz und UN-Charta?

Das Grundgesetz nennt den Frieden schon in seinem ersten Satz. In der Präambel heißt es, das Deutsche Volk habe sich das Grundgesetz von dem Willen beseelt gegeben, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen.

Artikel 26 wird konkret: Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Vorbereitung eines Angriffskrieges, sind verfassungswidrig und unter Strafe zu stellen.

Auf internationaler Ebene steht der Frieden an erster Stelle der Charta der Vereinten Nationen. Ihr erstes Ziel ist es, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren. Seit 2015 kommt das Nachhaltigkeitsziel 16 hinzu: friedliche und inklusive Gesellschaften fördern, allen Zugang zur Justiz ermöglichen und verlässliche Institutionen aufbauen.

Was heißt Frieden im Alltag?

Im Alltag zeigt sich Frieden selten als großes Ereignis. Er zeigt sich darin, wie Nachbarn einen Streit klären, wie in einer Schulklasse mit Ausgrenzung umgegangen wird, ob in einer Familie Konflikte ausgesprochen werden können, ohne dass jemand Angst haben muss.

Dafür gibt es erlernbare Methoden, von der Gewaltfreien Kommunikation bis zur Mediation, und es gibt Menschen, die sich beruflich oder ehrenamtlich dafür einsetzen. Frieden ist in diesem Sinn etwas, das gemacht wird, nicht nur etwas, das herrscht.

Genau hier setzt W3ltfrieden an: Die Plattform verbindet Menschen, die sich für Frieden einsetzen wollen, mit Friedensmissionen in ihrer Umgebung. Die Seiten unten vertiefen, wie Frieden entsteht, wer daran arbeitet und wie er gelernt werden kann.

Wie fassen andere Sprachen den Frieden?

Das lateinische Wort für Frieden heißt pax, im Genitiv pacis. Nach dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache gehört es zur selben Wortgruppe wie pactum, der Vertrag, und wie ein altes Verb für ein Übereinkommen treffen. Im römischen Verständnis bezeichnete pax nach dem Wissenschaftlichen Bibellexikon in erster Linie den Zustand, der das Kriegsgeschehen unterbricht und aussetzt. Auch der Pazifik trägt diese Wurzel im Namen: Der Seefahrer Magellan nannte ihn 1520 das friedliche Meer, weil er ihn für relativ frei von heftigen Stürmen hielt.

Im Griechischen heißt Frieden eirene. Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutete das Wort vor allem Gewaltverzicht. Eirene war zugleich eine Göttin, die Tochter des Zeus und der Themis. Eine um 375 vor Christus auf der Agora in Athen aufgestellte Statue zeigte sie mit dem Knaben Plutos auf dem Arm, der für den Reichtum steht. Als die hebräische Bibel ins Griechische übertragen wurde, gab die Septuaginta das hebräische schalom meist mit eirene wieder. So gelangte die weite Bedeutung von schalom auch ins Neue Testament.

Schalom selbst ist in der hebräischen Bibel 237-mal belegt und geht auf die semitische Wurzel šlm zurück. Dieselbe Wurzel lebt im arabischen salām weiter, dessen Grundbedeutung das Institut für den Nahen und Mittleren Osten der LMU München mit Unversehrtheit, Wohlergehen, Heil, Friede und Sicherheit angibt. Sie steckt im Gruß as-salāmu ʿalaykum, wörtlich „Friede über euch“ oder „Friede sei mit euch“. Wer so grüßt, wünscht dem Gegenüber, dass ihm nichts Schädliches widerfährt.

Allen diesen Wörtern ist gemeinsam, dass sie mehr meinen als eine Pause zwischen zwei Kriegen. Sie verbinden Frieden mit Vereinbarung, Unversehrtheit und Wohlergehen. Auch das deutsche Wort fügt sich in dieses Bild: Frieden hängt etymologisch mit Freund zusammen.

Wie versteht die Bibel den Frieden?

Die Bibel versteht Frieden umfassender als die Abwesenheit von Krieg. Das hebräische Wort schalom bedeutet nach der Evangelischen Kirche in Deutschland so viel wie heil sein oder ganz sein. Gemeint ist eine gute Beziehung zu anderen Menschen, zu sich selbst und zu Gott, also ein Zustand, in dem es den Menschen in jeder Hinsicht gut geht.

Im Alten Testament betrifft der Frieden alle Bereiche des Lebens: die Familie, die Gemeinschaft, das Verhältnis zwischen Völkern und zur Natur. Eine bekannte Stelle steht beim Propheten Jesaja. Dort heißt es, die Menschen würden „ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln“ und hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Eng verbunden ist der Frieden in der Bibel mit der Gerechtigkeit. In einem Psalm ist die Hoffnung ausgedrückt, dass „Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“. Im Neuen Testament richtet Jesus in der Bergpredigt den Appell an die Menschen, ihre Feinde zu lieben. Diese Feindesliebe gilt in der evangelischen Kirche als eine wichtige Grundlage des christlichen Nachdenkens über Frieden.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Präambel

Dem Frieden der Welt zu dienen.

Frieden in Recht und Forschung

  1. 8. JahrhundertDas althochdeutsche fridu ist belegt, im Sinne von Schonung und Schutz.
  2. 1945Die Charta der Vereinten Nationen nennt die Wahrung des Weltfriedens als erstes Ziel.
  3. 1949Das Grundgesetz verpflichtet in seiner Präambel, dem Frieden der Welt zu dienen, und verbietet in Artikel 26 den Angriffskrieg.
  4. 1969Johan Galtung unterscheidet negativen und positiven Frieden.
  5. 1981Die Vereinten Nationen rufen den Internationalen Tag des Friedens aus.
  6. 2015Das Nachhaltigkeitsziel 16 verbindet Frieden mit Gerechtigkeit und starken Institutionen.

Häufige Fragen kurz beantwortet

Wie lässt sich Frieden einfach erklären?

Frieden heißt zuerst: Niemand muss Angst haben, verletzt oder getötet zu werden. Streit gibt es trotzdem, aber er wird mit Worten, Regeln und Kompromissen gelöst, nicht mit Gewalt.

Für Kinder hilft oft ein Beispiel aus der eigenen Welt: Frieden in der Klasse bedeutet, dass alle mitmachen dürfen und niemand ausgegrenzt wird. Im Großen gilt dasselbe für Staaten und Gesellschaften. Wer so beginnt, versteht schnell, dass Frieden etwas mit Fairness zu tun hat.

Wann entsteht Frieden?

Frieden entsteht selten auf einen Schlag. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg beschreibt ihn als komplexen und langfristigen Prozess, der auf mehreren Ebenen verläuft. In diesem Prozess lassen sich Teilschritte erkennen: Die Gewalt nimmt ab, die Gerechtigkeit nimmt zu.

Daraus folgt, dass Frieden nicht allein Sache der Diplomatie ist. Er ist eine Aufgabe für Menschen auf allen Ebenen der Gesellschaft, von der Regierung bis zur Nachbarschaft.

Ab wann spricht man von Krieg?

Die Forschung braucht dafür klare Schwellen. Das Uppsala Conflict Data Program der Universität Uppsala zählt einen bewaffneten Konflikt, wenn in einem Kalenderjahr mindestens 25 Menschen bei Kampfhandlungen sterben und mindestens eine Konfliktpartei die Regierung eines Staates ist. Ab 1.000 solcher Toten in einem Jahr spricht es von Krieg.

Frieden ist damit mehr als das Unterschreiten dieser Zahlen. Auch ohne Kampfhandlungen kann es Gewalt geben, die Menschen schadet.

Wie haben Philosophen früher über Frieden gedacht?

Schon im Mittelalter unterschied Thomas von Aquin zwischen wahrem und schlechtem Frieden. Schlechter Frieden war für ihn Ausdruck einer gewaltsam herbeigeführten Ordnung, erstrebenswert sei nur der wahre Frieden.

Thomas Hobbes betrachtete im 17. Jahrhundert die Einhaltung des Friedens als erstes und wichtigstes Naturgesetz, ohne das kein Staat bestehen kann. Frieden hieß für ihn vor allem Sicherheit vor Krieg und Gewalt, also das, was die Forschung heute negativen Frieden nennt.

Frieden genauer betrachtet

Vom Begriff zur eigenen Mission

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