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Frieden

Friedensorganisationen

Hinter dem Wort Friedensorganisation stehen sehr verschiedene Einrichtungen: Institute, die forschen, Dienste, die Fachleute entsenden, und Verbände, die Menschen zusammenbringen

Das Wichtigste in Kürze

  • Friedensorganisationen sind Forschungsinstitute, Fachdienste, Verbände und Netzwerke, dazu kommen zwischenstaatliche Organisationen wie UN, OSZE und Europarat.
  • Die älteste deutsche Friedensorganisation ist die Deutsche Friedensgesellschaft, 1892 in Berlin von Bertha von Suttner und Alfred Hermann Fried gegründet.
  • Bekannte Forschungsinstitute sind SIPRI in Stockholm, PRIO in Oslo und in Deutschland PRIF, IFSH, bicc und die Berghof Foundation.
  • Institute werden häufig öffentlich gefördert, Verbände und Bewegungen stützen sich stärker auf ihre Mitglieder.

In Zahlen

1892

Deutsche Friedensgesellschaft

älteste deutsche Friedensorganisation

9

Träger

führen gemeinsam den Zivilen Friedensdienst durch

1966

SIPRI

per Beschluss des schwedischen Parlaments gegründet

Mitgliedstaaten zwischenstaatlicher OrganisationenQuelle: Vereinte Nationen, OSZE, Auswärtiges Amt, abgerufen am 6. Oktober 2026
  • Vereinte Nationen193
  • OSZE57
  • Europarat46
Vier Arten von Organisationen im VergleichQuelle: Selbstbeschreibungen der genannten Organisationen, eigene Zusammenstellung

Zwischenstaatlich

Beispiele
UN, OSZE, Europarat
Mitglieder
Staaten
Arbeitsweise
Dialog, Verhandlung, gemeinsame Regeln
Geld
Beiträge der Mitgliedstaaten

Forschungsinstitut

Beispiele
SIPRI, PRIO, PRIF
Mitglieder
Eigenständige Einrichtungen
Arbeitsweise
Daten, Analysen, Empfehlungen
Geld
Öffentliche Förderung, Drittmittel

Fachdienst

Beispiele
Ziviler Friedensdienst, Pro Peace
Mitglieder
Trägerorganisationen
Arbeitsweise
Fachkräfte in Konfliktregionen
Geld
Öffentliche Programme, etwa des BMZ

Verband

Beispiele
DFG-VK, pax christi, IPPNW
Mitglieder
Einzelpersonen
Arbeitsweise
Kampagnen, Beratung, Versöhnungsarbeit
Geld
Mitgliedsbeiträge, private Unterstützung
Forschung
SIPRI, PRIO, PRIF, IFSH, bicc, Berghof Foundation
Fachdienste
Ziviler Friedensdienst, Pro Peace, AGDF
Verbände
pax christi, Versöhnungsbund, DFG-VK, IPPNW
Förderung
Deutsche Stiftung Friedensforschung, Osnabrück

Welche Friedensorganisationen gibt es?

Friedensorganisationen lassen sich grob in vier Gruppen teilen. Forschungsinstitute untersuchen, wie Konflikte entstehen und wie sie enden. Fachdienste entsenden ausgebildete Fachkräfte in Konfliktregionen. Verbände und Bewegungen bringen Menschen zusammen, die sich für Frieden einsetzen. Netzwerke und Stiftungen verbinden und fördern die übrigen.

In Deutschland gibt es Organisationen aus allen vier Gruppen. Einige sind weit über hundert Jahre alt, andere entstanden erst in den neunziger Jahren, als zivile Konfliktbearbeitung zu einem eigenen Arbeitsfeld wurde. Die Übersicht auf dieser Seite nennt die bekanntesten, jeweils mit dem Gründungsjahr und dem Schwerpunkt, den sie selbst angeben.

Die Auswahl ist eine Orientierung, keine Rangliste und keine Empfehlung. W3ltfrieden ist mit keiner der genannten Organisationen verbunden.

Welche Institute erforschen Frieden?

Zu den bekanntesten Instituten weltweit gehört SIPRI in Stockholm, 1966 auf Beschluss des schwedischen Parlaments gegründet. SIPRI forscht zu Konflikten, Rüstung, Rüstungskontrolle und Abrüstung. Noch etwas älter ist PRIO in Oslo, gegründet 1959, das die Bedingungen friedlicher Beziehungen zwischen Staaten, Gruppen und Einzelnen untersucht.

In Deutschland arbeiten mehrere Institute auf diesem Feld. Das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt wurde 1970 als Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung gegründet und trägt seit 2023 das Kürzel PRIF. Das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg entstand 1971, sein erster Direktor war Wolf Graf von Baudissin. Das bicc in Bonn wurde 1994 mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet.

Die Berghof Foundation, 1971 von Georg Zundel gegründet und heute in Berlin, verbindet Forschung mit praktischer Arbeit in der Konflikttransformation. Gefördert wird die Friedensforschung in Deutschland unter anderem von der Deutschen Stiftung Friedensforschung, die der Bund im Oktober 2000 gegründet hat und die ihren Sitz in Osnabrück hat.

Wer arbeitet direkt in Konfliktregionen?

Der Zivile Friedensdienst ist ein Programm für Gewaltprävention, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung. Er wird von neun deutschen Friedens- und Entwicklungsorganisationen durchgeführt und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Zu den Trägern gehören unter anderem die AGDF, Brot für die Welt, EIRENE, die GIZ, KURVE Wustrow und peace brigades international.

Einer der bekanntesten Träger ist Pro Peace, bis vor kurzem unter dem Namen forumZFD bekannt. Der Verein wurde im Februar 1996 als Forum Ziviler Friedensdienst gegründet, sitzt in Köln und betreibt eine Akademie für Konflikttransformation, die Fachleute für die Friedensarbeit weiterbildet.

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, kurz AGDF, wurde 1968 von zunächst neun Organisationen gegründet. Sie ist ein Dachverband mit Sitz in Bonn, bündelt die Interessen ihrer Mitglieder und vernetzt sie untereinander.

Welche Verbände und Bewegungen gibt es?

Die älteste deutsche Friedensorganisation ist die Deutsche Friedensgesellschaft. Bertha von Suttner und Alfred Hermann Fried gründeten sie am 9. November 1892 in Berlin, beide erhielten später den Friedensnobelpreis. Seit 1989 trägt sie den Namen Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, kurz DFG-VK.

Der Internationale Versöhnungsbund wurde 1914 auf einer Konferenz in Konstanz gegründet, als Christinnen und Christen aus mehreren Ländern versuchten, den drohenden Krieg abzuwenden. Die katholische Bewegung pax christi entstand Ende 1944 in Frankreich, die deutsche Sektion wurde 1948 gegründet. Sie geht auf die Versöhnung zwischen französischen und deutschen Christinnen und Christen nach dem Zweiten Weltkrieg zurück.

Die Ärzteorganisation IPPNW wurde im Dezember 1980 von Medizinern aus den USA und der Sowjetunion gegründet und erhielt 1985 den Friedensnobelpreis für ihr Engagement gegen Atomwaffen. Der Bund für Soziale Verteidigung entstand 1989 nach einer Tagung in Minden, an der rund tausend Menschen teilnahmen.

Wie arbeiten Friedensorganisationen zusammen?

Viele Organisationen sind in Netzwerken verbunden. Das wichtigste im deutschsprachigen Raum ist die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung. Sie wurde 1998 gegründet, vernetzt seitdem die zivilgesellschaftliche Friedensarbeit und hat ihre Charta 2025 überarbeitet.

Auch international gibt es Verbünde: pax christi Deutschland ist Mitglied von Pax Christi International, der Zivile Friedensdienst ist ein Zusammenschluss von neun Trägern im Konsortium Ziviler Friedensdienst. Solche Verbünde teilen Wissen, stimmen ihre Arbeit ab und vertreten gemeinsame Anliegen.

Für Einzelne heißt das: Wer sich für Frieden einsetzen will, findet über diese Netzwerke oft schneller eine passende Organisation als über eine einzelne Website.

Welche Rolle spielen UN, OSZE und Europarat?

Neben Vereinen, Instituten und Diensten gibt es Organisationen, in denen Staaten selbst Mitglied sind. Die größte sind die Vereinten Nationen, gegründet 1945. Damals hatten sie 51 Mitgliedstaaten, heute sind es 193. Ihre Arbeit folgt den Zielen und Grundsätzen ihrer Charta. Die Kosten tragen nach Artikel 17 der Charta die Mitglieder, die Generalversammlung verteilt sie grob nach der Zahlungsfähigkeit der einzelnen Staaten.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, kurz OSZE, geht auf die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zurück. Sie wurde am 3. Juli 1973 in Helsinki mit 35 Staaten eröffnet, als Forum für Dialog und Verhandlung zwischen Ost und West. Grundlage der Arbeit sind bis heute die Prinzipien der Schlussakte von Helsinki aus dem Jahr 1975. Mit 57 Teilnehmerstaaten ist die OSZE nach eigener Angabe die größte regionale Sicherheitsorganisation der Welt. Sicherheit versteht sie umfassend: politisch und militärisch, wirtschaftlich und ökologisch und in einer menschlichen Dimension.

Der Europarat wurde am 5. Mai 1949 als erste der großen europäischen Nachkriegsorganisationen gegründet und hat seinen Sitz in Straßburg. Nach Angaben des Auswärtigen Amts fördert er Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit für rund 700 Millionen Menschen und hat heute 46 Mitglieder. Mit dem Europäischen Rat der Europäischen Union ist er nicht zu verwechseln.

Der Unterschied zu den übrigen Organisationen auf dieser Seite liegt in der Mitgliedschaft. In UN, OSZE und Europarat verhandeln Regierungen miteinander. Institute, Fachdienste und Verbände arbeiten unabhängig von Staaten, auch wenn manche von ihnen öffentliche Mittel erhalten.

Wie finanzieren sich Institute, Dienste und Verbände?

Die Finanzierung hängt stark von der Art der Organisation ab. SIPRI in Stockholm erhält einen wesentlichen Teil seiner Mittel als jährlichen Zuschuss der schwedischen Regierung. Für einzelne Forschungsvorhaben wirbt das Institut zusätzlich Geld von anderen Organisationen ein.

Das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft vom Bund und vom Land Hessen gefördert, nach eigener Angabe zu 54% aus Bundes- und zu 46% aus Landesmitteln. Die Stadt Frankfurt gibt jährlich einen festen Zuschuss dazu, und die Forschenden werben Drittmittel für einzelne Projekte ein. Die Forschungsthemen bestimmt das Institut selbst, seine Verfassung garantiert ihm wissenschaftliche Freiheit.

Auch die Deutsche Stiftung Friedensforschung geht auf den Staat zurück. Die Bundesrepublik gründete sie im Oktober 2000, vertreten durch das Bundesforschungsministerium. Zu ihrem Zweck gehört laut Satzung, zur politischen und finanziellen Unabhängigkeit der Friedens- und Konfliktforschung beizutragen. In ihrem Stiftungsrat sitzen fünf Mitglieder aus der Wissenschaft, vier aus der Bundesregierung und drei aus dem Bundestag.

Verbände und Bewegungen sind meist eingetragene Vereine, bei denen Mitgliedsbeiträge eine wichtige Rolle spielen. Wer eine Organisation unterstützen möchte, findet Angaben zu Finanzierung, Satzung und Gremien in der Regel auf ihrer Website, oft unter Über uns oder Transparenz.

Ziviler Friedensdienst, Selbstbeschreibung

Der Zivile Friedensdienst ist ein Programm für Gewaltprävention, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung.
Was ist Frieden?

Gründungsjahre im Überblick

  1. 1892Deutsche Friedensgesellschaft, Berlin, gegründet von Bertha von Suttner und Alfred Hermann Fried
  2. 1914Internationaler Versöhnungsbund, gegründet auf einer Konferenz in Konstanz
  3. 1948Deutsche Sektion von pax christi, heute mit Sitz in Berlin
  4. 1959PRIO, Peace Research Institute Oslo
  5. 1966SIPRI, Stockholm International Peace Research Institute
  6. 1968Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, Bonn
  7. 1970Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, heute PRIF in Frankfurt
  8. 1971Berghof Foundation und Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg
  9. 1980IPPNW, Ärztinnen und Ärzte gegen Atomwaffen, Friedensnobelpreis 1985
  10. 1996Forum Ziviler Friedensdienst, heute Pro Peace, Köln
  11. 1998Plattform Zivile Konfliktbearbeitung
  12. 2000Deutsche Stiftung Friedensforschung, Osnabrück

Kurz gefragt, kurz erklärt

Welche Organisationen setzen sich weltweit für Frieden ein?

Neben den Vereinten Nationen und regionalen Organisationen wie der OSZE gibt es internationale Verbünde der Zivilgesellschaft. Eines der ältesten ist das Internationale Friedensbüro, kurz IPB. Es entstand 1891 und 1892 aus den Weltfriedenskongressen, auf denen sich die nationalen Friedensgesellschaften trafen.

1910 erhielt das Büro den Friedensnobelpreis, weil es als Bindeglied zwischen den Friedensgesellschaften der einzelnen Länder wirkte. Heute ist es ein gemeinnütziger Verein nach Schweizer Recht und arbeitet mit seinen Mitgliedsorganisationen zusammen.

Was macht die Deutsche Friedensgesellschaft heute?

Die DFG-VK beschreibt sich selbst als Bewegung gegen Krieg und Militär. Sie hat Landesverbände und Ortsgruppen und führt Kampagnen, unter anderem zu Rüstungsexporten, Atomwaffen und autonomen Waffensystemen. Dazu kommt eine eigene Jugendarbeit. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg zählte die Gesellschaft nach der Chronik des Verbands rund 10.000 Mitglieder.

Die Beschreibung folgt der Selbstdarstellung des Verbands, der seit 1892 besteht und damit die älteste deutsche Friedensorganisation ist.

Berät die DFG-VK zur Kriegsdienstverweigerung?

Ja. Nach Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes darf niemand „gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“. Die DFG-VK bietet nach eigener Angabe seit vielen Jahrzehnten eine kostenlose Beratung für Menschen an, die verweigern wollen oder sich darüber informieren möchten.

Ansprechpartner gibt es in den Landesverbänden, dazu betreibt der Verband eine eigene Website, die den Ablauf erklärt.

Welche Friedensorganisationen haben ihren Sitz in Berlin?

In Berlin sitzen unter anderem die Berghof Foundation mit ihrem Hauptsitz in der Lindenstraße und die deutsche Sektion von pax christi in der Feldstraße. Das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung aus Frankfurt unterhält ein Berliner Büro.

Über dieses Büro richtet das Institut, oft gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Friedensforschung, Parlamentarische Abende aus und unterstützt die jährliche Vorstellung des Friedensgutachtens in Berlin.

Vom Begriff zur eigenen Mission

Frieden entsteht dort, wo Menschen ihn gestalten: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein. Auf W3ltfrieden findest du Friedensmissionen, die du starten oder unterstützen kannst.

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