Frieden
Friedensarbeit
Friedensarbeit ist ein Beruf und ein Ehrenamt zugleich. Manche verbringen Jahre in Konfliktregionen, andere vermitteln in ihrer eigenen Stadt
Das Wichtigste in Kürze
- Friedensarbeit umfasst alles, was Gewalt verhindert, Konflikte ohne Gewalt bearbeitet und nach Gewalt Vertrauen wieder aufbaut, im Ehrenamt ebenso wie im Beruf.
- Junge Menschen steigen oft über Freiwilligendienste ein, etwa weltwärts, den Internationalen Jugendfreiwilligendienst oder das Europäische Solidaritätskorps.
- Projekte in Konfliktregionen arbeiten mit Friedenskomitees, Theater und Radiosendungen, die beide Seiten eines Konflikts zu Wort kommen lassen.
- In Deutschland tragen lokale Gruppen, Fachdienste und die Kirchen die Arbeit, etwa die Evangelische Friedensarbeit und die katholische Kommission Justitia et Pax.
In Zahlen
1999
erste Friedensfachkräfte
reisten am 22. November aus
1.800
Fachkräfte seit 1999
in über 60 Ländern, laut BMZ
380
Fachkräfte derzeit
in rund 45 Ländern
weltwärts
- Finanziert von
- Bundesentwicklungsministerium
- Alter
- 18 bis 27 Jahre
- Dauer
- 6 bis 24 Monate, meist 12
- Einsatzort
- Länder des Globalen Südens
Internationaler Jugendfreiwilligendienst
- Finanziert von
- Bundesfamilienministerium
- Alter
- 16 bis 26 Jahre
- Dauer
- 6 bis 18 Monate, meist 12
- Einsatzort
- weltweit
Europäisches Solidaritätskorps
- Finanziert von
- Europäische Union
- Alter
- 18 bis 30 Jahre
- Dauer
- 2 bis 12 Monate
- Einsatzort
- europaweit
Ehrenamt
- Voraussetzung
- keine Ausbildung nötig
- Dauer
- frei wählbar, neben Schule oder Beruf
- Beispiel
- Streitschlichtung an einer Schule
Freiwilligendienst
- Voraussetzung
- je nach Programm Alter und Schulabschluss
- Dauer
- meist ein Jahr
- Beispiel
- Begleitung von Überlebenden der Shoah
Beruf
- Voraussetzung
- Ausbildung, mehrjährige Berufserfahrung, Kenntnisse in Konfliktbearbeitung
- Dauer
- im Ausland mindestens zwei Jahre
- Beispiel
- Dialogprojekt mit einer Partnerorganisation im Ausland
- Programm
- Ziviler Friedensdienst, seit 1999
- Finanzierung
- rund 60 Millionen Euro im Jahr vom BMZ
- Einsatzdauer
- mindestens zwei Jahre nach dem Entwicklungshelfergesetz
- Stand der Zahlen
- BMZ, Juni 2025
Was ist Friedensarbeit?
Friedensarbeit umfasst alles, was dazu beiträgt, Gewalt zu verhindern, Konflikte ohne Gewalt zu bearbeiten und nach Gewalt wieder Vertrauen aufzubauen. Sie findet auf vielen Ebenen statt: in Konfliktregionen weit entfernt, aber auch in Schulen, Nachbarschaften und Vereinen hierzulande.
Ein großer Teil der Friedensarbeit ist ehrenamtlich. Menschen schlichten Streit in ihrer Schule, begleiten Geflüchtete, organisieren Begegnungen zwischen Gruppen, die wenig miteinander zu tun haben. Daneben gibt es die professionelle Friedensarbeit, für die man ausgebildet wird und für die man bezahlt wird.
Beides hängt zusammen. Viele, die heute als Friedensfachkraft arbeiten, haben über ein Ehrenamt angefangen, und viele Ehrenamtliche nutzen Methoden, die in der professionellen Friedensarbeit entwickelt wurden.
Wie arbeiten Friedensfachkräfte im Ausland?
Ein wichtiger Weg in die professionelle Friedensarbeit im Ausland ist der Zivile Friedensdienst. Er beschreibt sich selbst als Programm für Gewaltprävention, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung. Durchgeführt wird er von neun Organisationen, finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Am 22. November 1999 reisten die ersten Fachkräfte aus, in das ehemalige Jugoslawien, nach Guatemala, Rumänien, Simbabwe und in die Palästinensischen Gebiete. Seitdem waren nach Angaben des Ministeriums rund 1.800 Fachkräfte in über 60 Ländern tätig. Derzeit sind es etwa 380 Fachkräfte in rund 45 Ländern, die meisten davon in Afrika.
Das Konzept hatte eine längere Vorgeschichte. Ab 1993 erarbeitete ein Diskussionsforum aus Einzelnen und Gruppen die Idee einer professionellen Friedensarbeit, 1997 unterstützten zahlreiche Persönlichkeiten sie mit der Berliner Erklärung für einen Zivilen Friedensdienst.
Woran arbeiten Friedensfachkräfte?
Friedensfachkräfte arbeiten immer mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen, nicht an ihrer Stelle. Typische Aufgaben sind der Aufbau von Dialog zwischen Gruppen, die Begleitung von Menschen, die sich für Menschenrechte einsetzen, die Arbeit mit Jugendlichen und die Aufarbeitung vergangener Gewalt.
Dazu kommen Bildungsarbeit, Unterstützung von Medien, die ohne Hetze berichten wollen, und die Stärkung lokaler Schlichtungsstellen. Die Projekte sind auf mehrere Jahre angelegt, weil Vertrauen zwischen Menschen, die einander lange als Gegner gesehen haben, Zeit braucht.
Auch in Deutschland gibt es Friedensarbeit als Beruf, etwa in der Friedensbildung an Schulen, in der Mediation, in der Arbeit mit Geflüchteten und in den Forschungs- und Bildungseinrichtungen, die auf der Seite über Friedensorganisationen beschrieben sind.
Wie wird man Friedensfachkraft?
Der Zivile Friedensdienst sucht Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung, Kenntnissen in ziviler Konfliktbearbeitung und einer Qualifikation in einem passenden Arbeitsfeld. Kenntnisse in ziviler Konfliktbearbeitung sind Voraussetzung, bevor man ausreist; die Träger bereiten ihre Fachkräfte zusätzlich individuell auf ihren Einsatz vor.
Eine Möglichkeit, diese Kenntnisse zu erwerben, bietet die Akademie für Konflikttransformation von Pro Peace. Sie bildet in einem zweimonatigen Präsenzkurs auf Englisch oder berufsbegleitend über zehn Monate auf Deutsch weiter.
Rechtlich werden die Fachkräfte nach dem Entwicklungshelfergesetz entsandt. Es sieht einen Einsatz von mindestens zwei Jahren vor, dazu soziale Absicherung, Unterhaltsleistungen und Unterstützung beim Wiedereinstieg in den Beruf nach der Rückkehr.
Wie kannst du dich ehrenamtlich engagieren?
Für ein Ehrenamt in der Friedensarbeit brauchst du keine Ausbildung. Viele Organisationen, von Kirchengemeinden bis zu Friedensinitiativen in deiner Stadt, suchen Menschen, die Zeit und Erfahrung mitbringen. Schulen suchen Mentorinnen und Mentoren für Streitschlichtung, Initiativen suchen Menschen für Begegnungsprojekte.
Ein guter Einstieg ist eine Weiterbildung in einer Methode der Konfliktbearbeitung, etwa in Gewaltfreier Kommunikation oder Mediation. Sie hilft im Alltag und ist die Grundlage für fast jede Form von Friedensarbeit.
Auf W3ltfrieden kannst du Friedensmissionen in deiner Umgebung finden oder selbst eine starten. Der Friedensmissions Bot fragt dich dafür nach deiner Zeit, deinen Fähigkeiten, deinem Anliegen, deinem Ort und deinem Netzwerk.
Welche Freiwilligendienste führen ins Ausland?
Für junge Menschen ist ein Freiwilligendienst oft der erste Schritt. Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden nennt drei staatlich geförderte Programme. Das erste ist weltwärts: Es wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert, richtet sich an junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren und führt in Länder des Globalen Südens. Der Dienst dauert zwischen 6 und 24 Monaten, in der Regel ein Jahr.
Der Internationale Jugendfreiwilligendienst wird vom Bundesfamilienministerium finanziert. Er steht jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren offen, kann weltweit geleistet werden und dauert 6 bis 18 Monate. Das Europäische Solidaritätskorps der Europäischen Union richtet sich an 18- bis 30-Jährige, die sich zwischen 2 und 12 Monaten in gemeinnützigen Projekten in Europa engagieren.
Seit dem Start von weltwärts im Jahr 2008 haben nach Angaben des Programms über 58.000 junge Menschen teilgenommen. Viele Träger der Friedensarbeit bieten außerdem eigene Dienste an, auch ohne staatliche Förderung. Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zum Beispiel vermittelt einjährige Freiwilligendienste im Ausland, in denen junge Menschen unter anderem Überlebende der Shoah begleiten und die Arbeit in Gedenkstätten unterstützen.
Mit welchen Werkzeugen arbeiten Projekte vor Ort?
In Konfliktregionen setzen Organisationen auf Formen, die zu den Menschen vor Ort passen. Der Weltfriedensdienst beschreibt zum Beispiel Friedenskomitees. Darin sitzen Menschen unterschiedlicher sozialer, ethnischer und religiöser Herkunft aus einer Gemeinde, fast immer gemeinsam mit Verwaltung, religiösen Führern sowie Jugend- und Frauenorganisationen. Sie bearbeiten Konflikte im Dialog und beugen neuen vor. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich, was ihnen Glaubwürdigkeit gibt.
Ein zweites Werkzeug ist das Theater der Unterdrückten, eine theaterpädagogische Methode. Das Publikum bestimmt die Themen, wird in die Handlung einbezogen und bringt Vorschläge zur Lösung eines Konflikts ein, über die am Ende abgestimmt wird. Wer sich im Spiel aus einer vorgegebenen Rolle löst, kann im Alltag in ähnlichen Situationen leichter anders handeln.
In Ländern, in denen viele Menschen weder lesen noch schreiben können, sind Radiosendungen wichtig. Sie werden oft in mehreren lokalen Sprachen ausgestrahlt, informieren sachlich über aktuelle Konfliktthemen und lassen beide Seiten zu Wort kommen. Allen drei Werkzeugen ist gemeinsam, dass sie die Beteiligten selbst ins Gespräch bringen, statt ihnen eine Lösung von außen vorzugeben.
Wie sieht die Arbeit hierzulande vor Ort aus?
Auch in Deutschland gibt es viele lokale Gruppen. In der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden haben sie einen eigenen Fachbereich für lokale und regionale Arbeit. Er ist ein Forum für alle Mitglieder, deren Schwerpunkt im friedenspolitischen Engagement sowie in der Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit vor Ort liegt.
Die Aktivitäten reichen nach Angaben der AGDF von Friedensbildung über interreligiösen Dialog bis zum Einsatz für Menschenrechte, Vielfalt und Diversität. Zu den Orten dieser Arbeit gehören etwa die Friedensbibliothek und das Antikriegsmuseum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg oder das Antikriegshaus in Sievershausen.
Vor Ort sind nach den Worten des Fachbereichs alle Menschen willkommen, die sich für Frieden und Versöhnung einsetzen möchten. Wer eine Gruppe in der Nähe sucht, findet über die Dachverbände erste Kontakte. Auf W3ltfrieden kannst du außerdem nachsehen, welche Friedensmissionen es in deiner Umgebung gibt, oder selbst eine vorschlagen.
Ziviler Friedensdienst, Qualifizierung
Kenntnisse in ziviler Konfliktbearbeitung sind jedoch Voraussetzung für die Mitarbeit im Zivilen Friedensdienst.
Quellen
- Ziviler Friedensdienst: Über uns
- Ziviler Friedensdienst: Geschichte
- Ziviler Friedensdienst: Häufige Fragen
- Ziviler Friedensdienst: Qualifizierung
- BMZ: Ziviler Friedensdienst
- Entwicklungshelfergesetz (gesetze-im-internet.de)
- AGDF: Längerfristige Freiwilligendienste
- AGDF: Lokale und regionale Friedensarbeit
- weltwärts: Der Freiwilligendienst im Ausland
- Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
- Weltfriedensdienst: Wie geht Friedensarbeit?
- Evangelische Friedensarbeit
- Evangelische Friedensarbeit: Über uns
- Deutsche Kommission Justitia et Pax
- Ziviler Friedensdienst: Stellenangebote
Der Weg zum Zivilen Friedensdienst
- ab 1993Ein Diskussionsforum erarbeitet das Konzept einer professionellen Friedensarbeit.
- 1996Der Verein Forum Ziviler Friedensdienst wird gegründet, heute Pro Peace.
- 1997Die Berliner Erklärung für einen Zivilen Friedensdienst findet breite Unterstützung.
- 22.11.1999Die ersten Fachkräfte reisen aus, unter anderem nach Guatemala und in das ehemalige Jugoslawien.
- heuteNeun Träger, rund 380 Fachkräfte in etwa 45 Ländern, finanziert vom BMZ.
Häufige Fragen kurz beantwortet
Wie kann man Frieden unterstützen?
Es gibt viele Wege, und nicht jeder braucht viel Zeit. Du kannst eine Organisation mit Geld oder Sachmitteln unterstützen, dich ein paar Stunden im Monat engagieren, eine Methode der Konfliktbearbeitung lernen und weitergeben oder in deinem Umfeld zuhören, wenn Streit eskaliert.
Wer sich längerfristig einbringen will, findet bei lokalen Friedensgruppen, Kirchengemeinden und Freiwilligendiensten einen Einstieg. Auf W3ltfrieden kannst du eine Friedensmission unterstützen, die zu deiner Zeit und deinen Fähigkeiten passt.
Was ist evangelische Friedensarbeit?
Evangelische Friedensarbeit ist die Dachmarke mehrerer Organisationen und Institutionen, die im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema Frieden arbeiten. Ihre gemeinsame Geschäftsstelle wird vom Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD getragen. Hinter ihm stehen die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden und der Friedensbeauftragte des Rates der EKD.
Finanziert wird die Arbeit im Wesentlichen von der EKD. Auf ihrer Seite heißt es: „Friedensarbeit gehört zu den Kernaufgaben der Kirche.“
Was tut die katholische Kirche für den Frieden?
In der katholischen Kirche in Deutschland bündelt die Deutsche Kommission Justitia et Pax, lateinisch für Gerechtigkeit und Frieden, die internationale Arbeit. Sie wurde 1967 gegründet und versteht sich als Forum der katholischen Einrichtungen und Organisationen, die im Bereich der internationalen Verantwortung der Kirche tätig sind.
Die Kommission erarbeitet kirchliche Beiträge zur Entwicklungs-, Friedens- und Menschenrechtspolitik Deutschlands. Daneben gibt es katholische Friedensverbände wie pax christi, die auf der Seite über Friedensorganisationen stehen.
Wo findet man Stellen in der Friedensarbeit?
Viele Fachdienste veröffentlichen ihre Stellen selbst. Der Zivile Friedensdienst etwa sammelt auf seiner Seite wochenaktuell alle freien Stellen seiner Träger. Verlangt werden dort in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung, mehrjährige Berufserfahrung in einem passenden Arbeitsfeld, Verhandlungsgeschick und Belastbarkeit.
Für den Einstieg ohne Berufserfahrung sind Freiwilligendienste, Praktika bei Friedensorganisationen oder ein Ehrenamt der übliche Weg. Auch Stellen in Friedensbildung, Erinnerungsarbeit und Arbeit mit Geflüchteten gehören zur Friedensarbeit im weiteren Sinn.
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- FriedensorganisationenHinter dem Wort Friedensorganisation stehen sehr verschiedene Einrichtungen: Institute, die forschen, Dienste, die Fachleute entsenden, und Verbände, die Menschen zusammenbringen
- Frieden schaffenFrieden entsteht nicht von selbst. Er wird verhandelt, vermittelt und Tag für Tag gepflegt, von Regierungen ebenso wie von Menschen in ihrer Nachbarschaft
Vom Begriff zur eigenen Mission
Frieden entsteht dort, wo Menschen ihn gestalten: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein. Auf W3ltfrieden findest du Friedensmissionen, die du starten oder unterstützen kannst.
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