Frieden
Ziviler Friedensdienst
Seit 1999 arbeiten Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes mit Menschen in Konfliktregionen daran, Gewalt vorzubeugen und Konflikte ohne Gewalt zu bearbeiten
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zivile Friedensdienst ist ein deutsches Programm, das Fachkräfte für Gewaltprävention und zivile Konfliktbearbeitung in Krisen- und Konfliktregionen entsendet.
- Getragen wird er von neun Friedens- und Entwicklungsorganisationen, finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
- Derzeit arbeiten etwa 380 internationale Fachkräfte in rund 45 Ländern, gemeinsam mit rund 580 lokalen Partnerorganisationen.
- Wer Friedensfachkraft werden will, braucht eine abgeschlossene Ausbildung, mehrjährige Berufserfahrung und Kenntnisse in ziviler Konfliktbearbeitung.
- Ein Einsatz dauert in der Regel mindestens zwei Jahre und ist über das Entwicklungshelfergesetz sozial abgesichert.
In Zahlen
9
Trägerorganisationen
im Konsortium Ziviler Friedensdienst
380
Fachkräfte
derzeit in rund 45 Ländern
60 Mio.
Euro im Jahr
vom BMZ, Stand Juni 2025
- Afrikaetwa 120
- Lateinamerikarund 70
- Asienrund 70
- Naher Ostenrund 60
- Europaetwa 60
Akademie für Konflikttransformation
- Träger
- Pro Peace
- Format
- zweimonatiger Präsenzkurs auf Englisch oder berufsbegleitend über zehn Monate auf Deutsch
- Für wen
- Friedensfachkräfte und alle, die Konflikte bearbeiten wollen
KURVE Wustrow
- Träger
- Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion
- Format
- 16-monatige praxisorientierte Ausbildung, dazu ein dreiwöchiger Grundkurs
- Für wen
- angehende Fachkräfte im Zivilen Friedensdienst
AGIAMONDO und Brot für die Welt
- Träger
- die beiden kirchlichen Träger des ZFD
- Format
- jährliches Programm aus Vorbereitungsseminaren, Trainings und Workshops
- Für wen
- Fachkräfte, Fachleute anderer Organisationen und Rückkehrer
- Seit
- 22. November 1999
- Finanzierung
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
- Rechtsgrundlage
- Entwicklungshelfergesetz
- Einsatzdauer
- in der Regel mindestens zwei Jahre
Was ist der Zivile Friedensdienst?
Der Zivile Friedensdienst, kurz ZFD, ist ein Programm für Gewaltprävention, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung. Er entsendet ausgebildete Fachkräfte in Länder, die von Krisen und Konflikten geprägt sind, wo sie mehrere Jahre mit Partnerorganisationen vor Ort zusammenarbeiten.
Die ersten Fachkräfte reisten am 22. November 1999 aus, in das ehemalige Jugoslawien, nach Guatemala, Rumänien, Simbabwe und in die Palästinensischen Gebiete. Seitdem haben nach Angaben des Zivilen Friedensdienstes rund 2.100 internationale Fachkräfte in mehr als 60 Ländern gearbeitet.
Der Dienst gilt nach Darstellung des Ministeriums als Erfolgsmodell der Zusammenarbeit von staatlichen und nichtstaatlichen Trägern.
Wie ist der Dienst entstanden?
Die Idee kam aus der Zivilgesellschaft. Nach einem Beitrag im Dossier Kriege und Konflikte der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelten die Friedensbewegung und die Friedens- und Konfliktforschung in den 1990er Jahren alternative Konzepte zur staatlich gesteuerten Konfliktlösung, besonders nach dem Versagen westlicher Bemühungen in den Jugoslawien-Kriegen.
Daraus wurde ein Programm der deutschen Entwicklungspolitik, das die Bundeszentrale als zivilgesellschaftlich-staatliches Gemeinschaftswerk beschreibt: Die Bundesregierung finanziert, die Friedens- und Entwicklungsorganisationen führen die Projekte durch.
Von 1999 bis einschließlich 2026 hat das Entwicklungsministerium den Dienst nach dessen Angaben mit insgesamt rund 755 Millionen Euro gefördert. Seine Selbstbeschreibung ist dabei gleich geblieben: ein Programm für Gewaltprävention, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung.
Wer steht hinter dem Dienst?
Durchgeführt wird der Zivile Friedensdienst von neun deutschen Friedens- und Entwicklungsorganisationen, die sich zum Konsortium Ziviler Friedensdienst zusammengeschlossen haben. Finanziert wird er vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, derzeit mit rund 60 Millionen Euro im Jahr.
Zu den Trägern gehören die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, AGIAMONDO, Brot für die Welt, EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, KURVE Wustrow, peace brigades international, Pro Peace, früher forumZFD, und der Weltfriedensdienst.
Jede dieser Organisationen führt eigene Projekte und stellt eigene Fachkräfte ein. Gemeinsam stimmen sie im Konsortium die Grundsätze des Programms ab.
In welchen Ländern sind die Fachkräfte im Einsatz?
Derzeit sind etwa 380 internationale Fachkräfte in rund 45 Ländern tätig. Etwa 120 arbeiten in Afrika, rund 70 in Lateinamerika, rund 70 in Asien, rund 60 im Nahen Osten und etwa 60 in Europa. Dazu kommen rund 580 lokale Partnerorganisationen.
Die Projekte sind auf mehrere Jahre angelegt. Fachkräfte arbeiten nicht an Stelle der Menschen vor Ort, sondern mit ihnen: mit Initiativen, Kirchen, Menschenrechtsgruppen, Medien und Bildungseinrichtungen, die sich in ihrem eigenen Land für Frieden einsetzen.
Zivile Konfliktbearbeitung geschieht nach dem Verständnis des Dienstes in erster Linie an der Basis einer Gesellschaft. Dort analysieren Menschen Konflikte, bringen Beteiligte zusammen, entwickeln gewaltfreie Lösungen und beugen Gewalt vor.
Was macht eine Friedensfachkraft konkret?
Die Arbeit umfasst nach der Bundeszentrale für politische Bildung Dialogförderung, Friedenspädagogik, Traumaarbeit und Vergangenheitsaufarbeitung. Ziel ist es, lokale Akteure in Konfliktregionen in ihrem Engagement für Frieden und Menschenrechte zu unterstützen, um eine Eskalation von Gewalt zu verhindern oder zu stoppen.
Die Fachkräfte werden in Partnerorganisationen vermittelt oder arbeiten als Berater in staatlichen Strukturen. Die Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste beschreibt die Aufgabe so: verfeindete Gruppen in Kontakt bringen, Interessen ausbalancieren und so Versöhnung und friedliches Zusammenleben wieder möglich machen.
Was das im Alltag heißt, hängt vom Projekt und von der Partnerorganisation ab. Gemeinsam ist allen Einsätzen, dass sie über mehrere Jahre laufen und auf dem Engagement der Menschen vor Ort aufbauen.
Wer kann Friedensfachkraft werden?
Der Zivile Friedensdienst sucht Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung, Kenntnissen in ziviler Konfliktbearbeitung und einer Qualifikation in einem Arbeitsfeld, das für die Projekte gebraucht wird. Kenntnisse in ziviler Konfliktbearbeitung sind Voraussetzung, bevor man ausreist. Auf seiner Stellenseite nennt der Dienst außerdem eine abgeschlossene Ausbildung, mehrjährige Berufserfahrung in einem passenden Arbeitsfeld sowie Organisationsfähigkeit, Verhandlungsgeschick, soziale Kompetenz, Geduld und Belastbarkeit.
Wer diese Kenntnisse noch nicht hat, kann sie zum Beispiel an der Akademie für Konflikttransformation von Pro Peace erwerben. Sie bietet einen zweimonatigen Präsenzkurs auf Englisch und eine berufsbegleitende Weiterbildung über zehn Monate auf Deutsch an.
Rechtlich werden die Fachkräfte nach dem Entwicklungshelfergesetz entsandt. Es sieht soziale Absicherung, Unterhaltsleistungen und Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg nach der Rückkehr vor. Der Zivile Friedensdienst nennt einen Einsatz von mindestens zwei Jahren als Regel.
Wie bewirbst du dich?
Offene Stellen in Projekten des Zivilen Friedensdienstes werden regulär ausgeschrieben, gesammelt auf der Website des Dienstes. Beworben wird sich direkt bei der Organisation, die die Stelle ausschreibt.
Wer ausgewählt wird, durchläuft dort ein individuelles Vorbereitungsprogramm, das auf den mehrjährigen Einsatz im Ausland vorbereitet.
Praktika oder Freiwilligendienste bietet der Zivile Friedensdienst als Fachdienst selbst nicht an. Einzelne Träger haben aber solche Angebote; Anfragen gehen direkt an sie.
Ziviler Friedensdienst, Selbstbeschreibung
Der Zivile Friedensdienst ist ein Programm für Gewaltprävention, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung.
Quellen
- Ziviler Friedensdienst: Über uns
- Ziviler Friedensdienst: Geschichte
- Ziviler Friedensdienst: Zahlen und Fakten
- Ziviler Friedensdienst: Häufige Fragen
- Ziviler Friedensdienst: Konsortium
- BMZ: Ziviler Friedensdienst
- Entwicklungshelfergesetz (gesetze-im-internet.de)
- Ziviler Friedensdienst: Qualifizierung
- Ziviler Friedensdienst: Jobs
- BMZ-Lexikon: Ziviler Friedensdienst
- bpb: Der Zivile Friedensdienst als Beispiel ziviler Konfliktbearbeitung
- AGdD: Ziviler Friedensdienst
- Engagement Global: ZFD
- Pro Peace
Fachkräfte nach Regionen
- Afrikaetwa 120 Fachkräfte
- Lateinamerikarund 70 Fachkräfte
- Asienrund 70 Fachkräfte
- Naher Ostenrund 60 Fachkräfte
- Europaetwa 60 Fachkräfte
Häufige Fragen zum Zivilen Friedensdienst
Was verdient eine Friedensfachkraft im Zivilen Friedensdienst?
Ein festes Gehalt nennt der Zivile Friedensdienst auf seinen Übersichtsseiten nicht. Die Fachkräfte arbeiten nach dem Entwicklungshelfergesetz, das von einem Dienst ohne Erwerbsabsicht ausgeht.
Das Gesetz schreibt aber vor, was der Vertrag mindestens enthalten muss: Unterhaltsgeld und Sachleistungen zur Sicherung des Lebensbedarfs, eine angemessene Wiedereingliederungsbeihilfe nach dem Ende des Dienstes, die Erstattung notwendiger Reisekosten sowie Urlaub und Mutterschutz. Die genauen Beträge stehen in den Ausschreibungen der einzelnen Träger.
Kann man beim Zivilen Friedensdienst ein Praktikum machen?
Der Zivile Friedensdienst selbst ist ein Fachdienst für erfahrene Fachkräfte und vergibt keine Praktika. Einzelne Mitglieder des Konsortiums bieten nach eigenen Angaben aber Praktikums- oder Freiwilligendienstplätze an.
Anfragen gehen deshalb direkt an die Organisation, die solche Plätze anbietet. Eine Übersicht der neun Träger steht auf der Website des Konsortiums. Wer später als Fachkraft ausreisen möchte, braucht ohnehin zuerst Berufserfahrung in einem passenden Arbeitsfeld.
Was ist Pro Peace, früher forumZFD?
Pro Peace ist eine der neun Trägerorganisationen des Zivilen Friedensdienstes. Der Verein heißt mit vollem Namen Pro Peace, Forum Ziviler Friedensdienst e. V., hat seinen Sitz in Köln und ist nach eigenen Angaben seit 1996 in der Friedensarbeit tätig.
Nach eigenen Angaben ist Pro Peace in 13 Ländern aktiv und hat weltweit 174 Beschäftigte. Zur Organisation gehört die Akademie für Konflikttransformation. Sie bietet Weiterbildungen an, mit denen sich Menschen für die Arbeit als Friedensfachkraft qualifizieren können, und Grundlagenseminare für alle, die ohne Vorkenntnisse in die Friedensarbeit einsteigen wollen.
Wie wird der Zivile Friedensdienst finanziert?
Das Geld kommt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das Ministerium nennt eine Förderung von rund 60 Millionen Euro pro Jahr.
Der Zivile Friedensdienst selbst gibt für 2025 und 2026 ein Budget von jeweils rund 65 Millionen Euro an, dazu jeweils rund 21 Millionen Euro aus der Sonderinitiative Geflüchtete und Aufnahmeländer. Von 1999 bis einschließlich 2026 summiert sich die Förderung des Ministeriums nach diesen Angaben auf rund 755 Millionen Euro.
Wie lange dauert ein Einsatz als Friedensfachkraft?
Nach Angaben des Zivilen Friedensdienstes ist ein Einsatz von mindestens zwei Jahren die Regel. Das Entwicklungshelfergesetz selbst setzt voraus, dass sich eine Fachkraft für mindestens ein Jahr ununterbrochen vertraglich verpflichtet.
Vor der Ausreise durchlaufen ausgewählte Fachkräfte ein individuelles Vorbereitungsprogramm, das auf den mehrjährigen Einsatz im Ausland vorbereitet.
Welche Weiterbildungen bereiten auf die Arbeit vor?
Mehrere Träger bieten selbst Kurse an. Die Akademie für Konflikttransformation von Pro Peace bildet in einem zweimonatigen Präsenzkurs auf Englisch oder berufsbegleitend über zehn Monate auf Deutsch weiter, dazu kommen Online-Fachseminare und Orientierungsseminare für Menschen ohne Vorkenntnisse.
Die KURVE Wustrow bietet eine 16-monatige praxisorientierte Ausbildung und einen dreiwöchigen Grundkurs in gewaltfreier Konfliktbearbeitung an. AGIAMONDO und Brot für die Welt stellen jedes Jahr ein Programm aus Vorbereitungsseminaren, Trainings und Workshops zusammen, das sich auch an Fachleute anderer Organisationen richtet.
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