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Frieden

Ostermarsch

1960 zogen in Norddeutschland zum ersten Mal Menschen über Ostern gegen Atomwaffen los. Woher die Idee kam und wie sich die Märsche seitdem verändert haben

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Ostermarsch ist eine Protestform, bei der Menschen über die Ostertage für Frieden und Abrüstung marschieren und demonstrieren.
  • Er begann Ostern 1958 in Großbritannien mit einem Marsch gegen Atomwaffen zwischen London und dem Atomwaffenzentrum Aldermaston.
  • In Deutschland zogen 1960 rund 1.000 Menschen nach Bergen-Hohne. 1968 nahmen nach Angaben des NDR 300.000 Menschen an Kundgebungen teil.
  • Nach einer Pause in den siebziger Jahren gibt es die Märsche seit 1980 wieder, 2026 in mehr als 70 Städten.
  • Koordiniert werden sie vom Netzwerk Friedenskooperative in Bonn, getragen von regionalen Friedensgruppen.

In Zahlen

1958

erster Marsch

rund 10.000 Menschen in Großbritannien

1.000

Menschen 1960

beim ersten Marsch in Deutschland, laut bpb

150.000

Menschen 1967

laut bpb

Teilnehmende in DeutschlandAngaben der Quellen, keine eigene Zählung. Quellen: bpb (1960 bis 1967), NDR (1968 und 1983)
  • 1960rund 1.000
  • 1964100.000
  • 1965130.000
  • 1967rund 150.000
  • 1968300.000
  • 1983rund 700.000
Die Märsche damals und heuteQuellen: bpb, Netzwerk Friedenskooperative, NDR, tagesschau.de

1960 bis 1969

Anlass
Atombewaffnung in Ost und West
Form
mehrtägige Sternmärsche über Ostern
Umfang
Höhepunkt 1968 mit 300.000 Menschen
Organisation
Kampagne für Abrüstung, später für Demokratie und Abrüstung

seit 1980

Anlass
zunächst der NATO-Doppelbeschluss von 1979, später weitere Anliegen
Form
Märsche, Kundgebungen und Fahrradtouren an vielen Orten
Umfang
2026 Märsche in mehr als 70 Städten, rund 100 bis Ostermontag
Organisation
regionale Gruppen, koordiniert vom Netzwerk Friedenskooperative
Ursprung
Großbritannien, Ostern 1958
Erster Marsch in Deutschland
1960, Sternmarsch nach Bergen-Hohne
Initiatoren
Konrad und Helga Tempel
Wieder aufgenommen
ab 1980

Was ist der Ostermarsch?

Der Ostermarsch ist eine Form des Protests, bei der Menschen über die Ostertage gemeinsam marschieren und demonstrieren. Entstanden ist er als Protest gegen Atomwaffen, später kamen weitere Themen hinzu.

In Deutschland fand der erste Ostermarsch 1960 in Norddeutschland statt. Nach einer Unterbrechung in den siebziger Jahren wurde ab 1980 wieder an die Tradition angeknüpft, die bis heute fortgesetzt wird.

Nach der Bundeszentrale für politische Bildung gilt die Ostermarsch-Bewegung als Wurzel der Außerparlamentarischen Opposition, kurz APO. Sie gehört damit zur Geschichte des Protests außerhalb der Parlamente in der Bundesrepublik.

Woher kommt die Idee?

Den Anfang machten an Ostern 1958 rund 10.000 Menschen in Großbritannien. Sie demonstrierten mit einem Viertagesmarsch gegen den Einsatz von Atomwaffen.

Nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative wurde dort seit 1958 unter dem Namen Campaign for Nuclear Disarmament jährlich von Karfreitag bis Ostermontag marschiert. Die Strecke führte vom britischen Atomwaffenzentrum Aldermaston in das 80 Kilometer entfernte London.

Der Marsch fiel auf die Ostertage und dauerte mehrere Tage. Zwei Jahre später griffen Gruppen in Norddeutschland diese Form auf.

Welches Zeichen trugen die ersten Märsche?

Auf dem Marsch über das Osterwochenende 1958 tauchte zum ersten Mal ein Zeichen auf, das heute weltweit bekannt ist. Entworfen hatte es nach Angaben der Campaign for Nuclear Disarmament der britische Designer und Künstler Gerald Holtom, ein Kriegsdienstverweigerer.

Holtom erklärte, das Zeichen verbinde die Winkeralphabet-Buchstaben N und D, für Nuclear Disarmament, also atomare Abrüstung. Für den Marsch wurden 500 Schilder aus Pappe hergestellt.

Organisiert hatte den ersten Marsch das Direct Action Committee, unterstützt von der Campaign for Nuclear Disarmament. Mehr über die Geschichte des Zeichens steht auf der Seite über das Peace-Zeichen.

Wer waren Konrad und Helga Tempel?

Konrad Tempel war Pazifist und Quäker aus Hamburg. Nach dem Netzwerk Friedenskooperative hatte er am ersten Ostermarsch in England teilgenommen und anschließend begeistert vor Gruppen von Kriegsdienstverweigerern in Norddeutschland berichtet.

Gemeinsam mit Helga Tempel initiierte er nach der Bundeszentrale für politische Bildung maßgeblich die deutsche Ostermarschbewegung, christlich-pazifistisch motiviert. Die beiden hatten sich schon länger für Kriegsdienstgegner und für ein Zivildienstgesetz eingesetzt.

Über den Kontakt zur britischen Friedensbewegung übernahmen sie die Idee eines Ostermarsches gegen die Atombewaffnung in Ost und West. Beide arbeiteten als Lehrer in Hamburg.

Wie verlief der erste Marsch in Deutschland?

Pazifistinnen und Pazifisten sowie Gruppen von Kriegsdienstverweigerern in Hamburg, Bremen, Hannover und Braunschweig beschlossen, in einem Sternmarsch drei bis vier Tage über Ostern nach Bergen-Hohne zu marschieren. Maßgeblich initiiert hatten die Bewegung Konrad und Helga Tempel.

Ziel war der Truppenübungsplatz Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide, auf dem Atomwaffenträger erprobt wurden. Die Quellen beschreiben den Ort unterschiedlich, als britischen Atomwaffenstützpunkt oder als Platz, auf dem die US-Armee Raketen als Träger für Atomwaffen erprobte.

Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung beteiligten sich 1960 rund 1.000 Menschen an Märschen und Kundgebungen. Ein Jahr später wurde der Sternmarsch bereits an vielen anderen Orten des Landes nachgeahmt.

Wie entwickelte sich die Bewegung in den sechziger Jahren?

Die Bewegung wuchs schnell. Seit September 1963 nannte sie sich Kampagne für Abrüstung, Ostermarsch der Atomwaffengegner. 1964 folgten ihren Osterdemonstrationen 100.000 Menschen, 1965 waren es 130.000.

1967 beteiligten sich rund 150.000 Menschen, die nun ein erheblich breiteres Spektrum von Protestthemen vertraten. 1968 änderte die Bewegung ihren Namen ein letztes Mal, in Kampagne für Demokratie und Abrüstung.

Mit den neuen Themen und dem neuen Namen reichte der Protest über die Atomwaffen hinaus. In den siebziger Jahren folgte eine Unterbrechung der Märsche.

Warum endete die erste Phase der Bewegung?

1968 erreichte die westdeutsche Ostermarsch-Bewegung nach Angaben des NDR ihren Höhepunkt, 300.000 Menschen nahmen an Kundgebungen teil. Zugleich zersplitterte sie: Themen wie der Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze führten dazu, dass sich die verschiedenen Gruppen polarisierten.

Das Netzwerk Friedenskooperative nennt als weiteren Grund den Einmarsch der Staaten des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei 1968, der die Zusammenarbeit der verschiedenen Teile der Kampagne außerordentlich belastete. 1969 fand schließlich der letzte gemeinsame Ostermarsch statt.

Die Bewegung hatte trotzdem Folgen. Weil sie sich außerhalb von Parteien, Kirchen und Gewerkschaften organisierte, gilt sie nach dem NDR als eine der Wurzeln der Außerparlamentarischen Opposition.

Gibt es die Märsche heute noch?

Ja. Der NATO-Doppelbeschluss von 1979 brachte das Thema Aufrüstung nach Angaben der Bundeszentrale zurück auf die Agenda und sorgte für großen Zulauf bei den Demonstrationen. Ab 1980 wurde wieder an die Ostermarsch-Tradition angeknüpft, sie wird bis heute fortgesetzt. 1983 gingen nach Angaben des NDR rund 700.000 Menschen bundesweit auf die Straße.

Das 1989 gegründete Netzwerk Friedenskooperative mit Sitz in Bonn leistet Informations- und Pressearbeit zu den jährlich stattfindenden Ostermärschen und hilft bei der Koordination von Kampagnen. Die Bundeszentrale nennt das Netzwerk als einen der Akteure, die in der Friedensbewegung Vernetzungsarbeit leisten.

Wenn du dich über einen Marsch hinaus für Frieden einsetzen willst, findest du auf W3ltfrieden Friedensmissionen in deiner Umgebung. Du kannst eine bestehende Mission unterstützen oder selbst eine starten.

Netzwerk Friedenskooperative, Geschichte des Ostermarsches in Deutschland

Nach einer Unterbrechung in den Siebzigerjahren wurde ab 1980 wieder an diese Ostermarsch-Tradition angeknüpft, die bis heute fortgesetzt wird.
Was ist Frieden?

Stationen

  1. 1958rund 10.000 Menschen marschieren zu Ostern in Großbritannien gegen Atomwaffen
  2. 1960erster Sternmarsch in Deutschland nach Bergen-Hohne, rund 1.000 Menschen
  3. 1961der Sternmarsch wird an vielen anderen Orten nachgeahmt
  4. 1963neuer Name: Kampagne für Abrüstung, Ostermarsch der Atomwaffengegner
  5. 1964100.000 Menschen bei den Osterdemonstrationen
  6. 1965130.000 Menschen
  7. 1967rund 150.000 Menschen, breiteres Spektrum von Themen
  8. 1968letzte Umbenennung: Kampagne für Demokratie und Abrüstung
  9. 1979NATO-Doppelbeschluss bringt das Thema Aufrüstung zurück
  10. 1980die Ostermarsch-Tradition wird wieder aufgenommen
  11. 1989Gründung des Netzwerks Friedenskooperative

Häufige Fragen zum Ostermarsch

Wann findet der Ostermarsch statt?

Die Märsche finden über die Ostertage statt, traditionell von Karfreitag bis Ostermontag. Hauptaktionstag ist nach tagesschau.de in jedem Jahr der Karsamstag, erste Kundgebungen gibt es teils schon am Gründonnerstag.

Am Ostersonntag finden nur vereinzelte Veranstaltungen statt. Am Ostermontag enden mehrere Märsche, 2026 waren es nach tagesschau.de noch einmal rund 30.

Wo finde ich einen Ostermarsch in meiner Nähe?

Das Netzwerk Friedenskooperative führt auf seiner Website einen Terminkalender mit bundesweiten, regionalen und lokalen Aktivitäten der Friedensbewegung, darunter die Ostermärsche.

Organisiert werden die Märsche vor Ort von regionalen Gruppen, etwa der Infostelle Ostermarsch in Frankfurt am Main oder dem Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung. Das Netzwerk selbst hat seinen Sitz in Bonn und ist seit 1989 aktiv.

Wie viele Menschen nehmen heute teil?

Nach dem NDR sind die Ostermärsche seit dem Ende des Kalten Krieges eher eine Randerscheinung, mit größerem Zulauf in Krisenjahren wie 1991 oder 2003. Am Karsamstag 2026 kamen nach Polizeiangaben in Stuttgart rund 3.000 Menschen zusammen, in Berlin etwa 1.600. Der NDR meldete für Hamburg rund 2.000 und für Hannover 750 Teilnehmende.

2025 demonstrierten am Karsamstag nach tagesschau.de Tausende Menschen bei rund 70 Ostermärschen, bis Ostermontag waren mehr als 110 Demonstrationen, Kundgebungen und Fahrradtouren geplant.

Warum heißt er Ostermarsch?

Weil er über die Ostertage stattfindet. Schon der britische Vorläufer zog nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative jährlich von Karfreitag bis Ostermontag vom Atomwaffenzentrum Aldermaston nach London.

Beim ersten Marsch 1958 spielte Ostern auch in der Gestaltung eine Rolle: Die Schilder waren an Karfreitag und Samstag schwarz-weiß, an Ostersonntag und Ostermontag grün-weiß.

Welchen Weg nahm der erste Marsch 1958?

Der erste Marsch führte von London zum britischen Atomwaffenzentrum Aldermaston, rund 80 Kilometer entfernt. Nach dem Deutschlandfunk versammelten sich am Karfreitag 1958 Tausende auf dem Trafalgar Square, am 7. April 1958 kamen die Marschierenden in Aldermaston an.

Die Ankunft dort beschrieb ein Teilnehmer im Deutschlandfunk als enttäuschend. Im Jahr darauf kehrten die Organisatoren die Richtung um und endeten auf dem Trafalgar Square, wo sie viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit fanden. Seitdem führte der Marsch von Aldermaston nach London.

Gab es Ostermärsche auch in der DDR?

Die Lieder der Bewegung erreichten auch die DDR. Nach der Bundeszentrale für politische Bildung stießen sie auch in der DDR auf Anklang, wurden von der DDR-Führung aber für eigene Zwecke vereinnahmt.

Der NDR beschreibt, wie Mitglieder der jungen DDR-Singebewegung die Melodien 1966 verbreiteten. Die Staatsführung passte die Lieder ihrem Weltbild an, und sie erklangen wenig später bei Ost-Berliner Maidemonstrationen.

Vom Begriff zur eigenen Mission

Frieden entsteht dort, wo Menschen ihn gestalten: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein. Auf W3ltfrieden findest du Friedensmissionen, die du starten oder unterstützen kannst.

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