Friedenssymbole
Peace-Zeichen
Ein Kreis, ein senkrechter Strich und zwei schräge: 1958 für einen Marsch gegen Atomwaffen entworfen, heute das bekannteste Friedenszeichen der Welt
Das Wichtigste in Kürze
- Das Zeichen entwarf der britische Grafiker Gerald Holtom am 21. Februar 1958 für die Kampagne für nukleare Abrüstung.
- Es legt die Buchstaben N und D aus dem Winkeralphabet übereinander, für Nuclear Disarmament, nukleare Abrüstung.
- Holtom ließ es bewusst nicht schützen; jeder darf es frei verwenden.
- Die Deutung als „Todesrune“ stammt aus der NS-Zeit und hat mit dem Entwurf nichts zu tun.
- Die Geste mit zwei Fingern ist ein eigenes Zeichen aus dem Zweiten Weltkrieg.
In Zahlen
1958
entworfen
am 21. Februar, von Gerald Holtom
500
Schilder beim ersten Auftritt
Ostern 1958 in London
0
Schutzrechte
Holtom ließ es bewusst frei
Das Original
- Ein Kreis mit einem senkrechten Strich, der ganz durch die Mitte läuft.
- Zwei Striche, die von der Mitte schräg nach unten zeigen, wie die Arme beim N im Winkeralphabet.
- Keine Fassung mit Strichen nach oben: Die stammt nicht von Holtom.
- Im Zeichensatz Unicode steht es als U+262E PEACE SYMBOL.
- Die Hand mit zwei gespreizten Fingern ist ein eigenes Zeichen aus dem Jahr 1941, in Unicode U+270C.
- schwarz auf weiß, für Karfreitag und Samstag250
- weiß auf grün, für Ostersonntag und Ostermontag250
- Herkunft
- Großbritannien, Kampagne für nukleare Abrüstung (CND)
- Belegt seit
- 21. Februar 1958
- Urheber
- Gerald Holtom, Grafiker (1914 bis 1985)
- Steht heute für
- Frieden, Abrüstung, Protest gegen Krieg
- Autor
- Johannes Max Harms
Was bedeutet das Peace-Zeichen?
Das Peace-Zeichen besteht aus einem Kreis, einem senkrechten Strich und zwei Strichen, die von der Mitte schräg nach unten laufen. Entworfen wurde es nicht als allgemeines Friedenszeichen, sondern für einen bestimmten Zweck: die britische Kampagne für nukleare Abrüstung, Campaign for Nuclear Disarmament, kurz CND. In Großbritannien gilt es bis heute vor allem als deren Zeichen.
Im Rest der Welt wird es breiter verstanden, als Zeichen für Frieden überhaupt. So beschreibt es die CND selbst: In Großbritannien stehe es für nukleare Abrüstung, anderswo sei es schlicht als Friedenssymbol bekannt. Wer es heute auf ein Plakat malt, meint meist diese allgemeine Bedeutung.
Dass es sich so weit verbreiten konnte, hat einen einfachen Grund. Holtom verzichtete nach Angaben des Deutschen Patent- und Markenamts bewusst darauf, sein Design schützen zu lassen, damit es jeder frei nutzen kann. Das Zeichen gehört niemandem.
Wer hat das Zeichen entworfen?
Der britische Grafiker Gerald Holtom entwarf das Zeichen am 21. Februar 1958. Er hatte am Royal College of Art in London studiert und im Zweiten Weltkrieg den Dienst an der Waffe verweigert; stattdessen arbeitete er auf einem Bauernhof in Norfolk.
Den Anlass gab ein geplanter Protestmarsch von London nach Aldermaston, wo britische Atomwaffen entwickelt wurden. Holtom zeigte seine Skizzen einer kleinen Gruppe im Büro der Zeitung „Peace News“ und dem Komitee, das den Marsch vorbereitete. Dort wurde beschlossen, das Zeichen zu verwenden.
Zuerst hatte Holtom an ein christliches Kreuz im Kreis gedacht. Mehrere Geistliche, die er fragte, wollten das Kreuz aber nicht auf einem Protestmarsch sehen. Seine Skizzen bewahrt heute die Universität Bradford in der Commonweal Collection auf.
Wie entsteht das Zeichen aus N und D?
Holtom erklärte, das Zeichen verbinde zwei Buchstaben des Winkeralphabets, mit dem sich Seeleute über Flaggen verständigen. Beim N zeigen beide Arme schräg nach unten, beim D zeigt ein Arm nach oben und einer nach unten. Legt man beide Figuren übereinander und zieht einen Kreis darum, entsteht das Peace-Zeichen. N und D stehen für Nuclear Disarmament, nukleare Abrüstung.
In einem Brief an Hugh Brock, den Herausgeber von „Peace News“, gab Holtom später eine persönlichere Erklärung. Er habe sich selbst gezeichnet, verzweifelt, mit nach unten ausgestreckten Händen wie der Bauer vor dem Erschießungskommando in einem Bild von Goya, und daraus eine Linie mit einem Kreis gemacht. Beide Lesarten stammen von ihm.
Um das Zeichen kursieren auch erfundene Herkünfte. Das Deutsche Patent- und Markenamt hält fest, dass die Behauptung, es sei eine germanische „Todesrune“, auf eine Umdeutung aus der NS-Zeit zurückgeht und mit Holtoms Entwurf nichts zu tun hat.
Wie wurde das Zeichen weltweit bekannt?
Zum ersten Mal öffentlich zu sehen war es Ostern 1958 auf dem Marsch nach Aldermaston, auf 500 runden Pappschildern an Stielen. Die Hälfte war schwarz auf weiß, die andere Hälfte weiß auf grün. Die Farben sollten wechseln wie die Farben der Kirche zu Ostern, vom Winter zum Frühling, vom Tod zum Leben.
Die ersten Anstecker stellte Eric Austin aus Kensington aus weißem Ton her, das Zeichen schwarz aufgemalt. Auch das war bewusst gewählt: Gebrannter Ton, so die beigelegte Erklärung, gehöre zu den wenigen Dingen, die einen Atomkrieg überstehen würden.
Von Großbritannien aus wanderte das Zeichen in andere Bewegungen. Nach der Darstellung des Patent- und Markenamts griffen es die Bürgerrechtler um Martin Luther King auf, später die Studentenbewegung, und mit den Protesten gegen den Vietnamkrieg wurde es weltberühmt. Im Südafrika der Apartheid versuchte die Regierung, es zu verbieten.
Was bedeutet die Geste mit zwei Fingern?
Das Peace-Zeichen mit der Hand ist ein eigenes Zeichen mit eigener Geschichte. Zeige- und Mittelfinger formen ein V, die übrigen Finger sind eingeklappt. Mit dem Symbol im Kreis hat es nur gemeinsam, dass beide heute für Frieden stehen können.
Das V stammt aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Januar 1941 rief der belgische Politiker Victor de Laveleye die Menschen im besetzten Belgien über das Radio auf, ein V als Zeichen des Widerstands an Wände zu malen, für das französische victoire, Sieg, und das flämische vrijheid, Freiheit. Winston Churchill machte die Geste mit zwei Fingern bekannt.
Später wurde dieselbe Geste zum Gruß der Friedensbewegung. Was sie meint, hängt deshalb vom Zusammenhang ab: Frieden, Sieg, Zustimmung oder einfach ein freundlicher Gruß auf einem Foto.
Gerald Holtom in einem Brief an Hugh Brock, Herausgeber von „Peace News“, übersetzt
Ich war verzweifelt. Zutiefst verzweifelt. Ich zeichnete mich selbst: einen Menschen in Verzweiflung, die Handflächen nach außen und nach unten gestreckt, wie Goyas Bauer vor dem Erschießungskommando. Ich formte die Zeichnung zu einer Linie und setzte einen Kreis darum.
Quellen
Stationen des Zeichens
- 21. Feb. 1958Gerald Holtom entwirft das Zeichen für die britische Kampagne für nukleare Abrüstung.
- Ostern 1958Erster öffentlicher Auftritt auf 500 runden Pappschildern beim Marsch von London nach Aldermaston.
- kurz danachDie ersten Anstecker entstehen aus gebranntem weißem Ton, bemalt mit dem schwarzen Zeichen.
- danachDie Bürgerrechtsbewegung in den USA und die Studentenbewegung greifen das Zeichen auf.
- VietnamkriegMit den Protesten gegen den Vietnamkrieg wird es weltweit bekannt.
Weitere Friedenssymbole
- FriedenstaubeFrieden, Versöhnung, HoffnungEine weiße Taube, oft mit einem Zweig im Schnabel: ein Bild aus der Erzählung von der Sintflut, das Pablo Picasso 1949 zum Zeichen einer weltweiten Bewegung machte
- FriedensfahneFrieden, GewaltfreiheitSieben Streifen in den Farben des Regenbogens, Violett oben: 1961 für einen Friedensmarsch in Italien genäht, heute auf Balkonen und Demonstrationen in vielen Ländern
Häufige Fragen zu diesem Zeichen
Was bedeutet das umgedrehte Zeichen?
Holtoms Entwurf hat eine feste Ausrichtung: Der senkrechte Strich läuft durch den Kreis, die beiden schrägen Striche zeigen nach unten, wie die Arme beim N im Winkeralphabet. Eine Fassung mit den Strichen nach oben ist keine zweite Version von ihm, sondern schlicht ein gedrehtes Zeichen.
Wer ihm eine eigene Bedeutung gibt, beruft sich meist auf die angebliche „Todesrune“. Das Deutsche Patent- und Markenamt erklärt, dass diese Deutung aus der NS-Zeit stammt: Damals wurde die Algiz-Rune als „Lebensrune“ umgedeutet und galt gestürzt als „Todesrune“. Die Bedeutung hatten völkische Esoteriker erst Anfang des 20. Jahrhunderts erfunden; mit den historischen Runenalphabeten hat sie nichts zu tun.
Darf man das Zeichen frei verwenden?
Ja. Holtom verzichtete nach Angaben des Patent- und Markenamts bewusst darauf, sein Design schützen zu lassen, damit es für jeden frei nutzbar bleibt. Die Kampagne für nukleare Abrüstung schreibt dazu, das Zeichen sei nie urheberrechtlich geschützt worden; niemand müsse zahlen oder um Erlaubnis fragen.
Das hat eine Kehrseite. Das Zeichen taucht auch in Werbung und Mode auf und in Zusammenhängen, die der Kampagne nicht gefallen. Sie hat nach eigenen Worten nicht vor, das zu verhindern, und bittet gewerbliche Nutzer nur um eine freiwillige Unterstützung ihrer Bildungsarbeit.
Wie lässt sich das Zeichen am Computer eingeben?
Das Zeichen hat im internationalen Zeichensatz Unicode einen eigenen Platz: U+262E mit dem Namen PEACE SYMBOL. Darauf weist auch das Patent- und Markenamt hin. Weil es ein normales Schriftzeichen ist, lässt es sich überall einfügen, wo Unicode-Text möglich ist, etwa über die Zeichen- oder Emoji-Auswahl eines Geräts oder durch Kopieren.
Die Geste mit zwei Fingern ist ein anderes Zeichen mit eigener Nummer, U+270C VICTORY HAND. Wer in einer Nachricht ausdrücklich das Zeichen im Kreis meint, sollte deshalb nicht die Hand wählen.
Gibt es Abwandlungen des Zeichens?
Ja, viele, und einige stammen aus der Kampagne selbst. Nach ihrer Darstellung verlängerte die christliche Gruppe der Kampagne den senkrechten Strich nach oben, sodass ein Kreuz entstand. Die walisische Gruppe setzte eine Narzisse hinein, die schottische eine Distel, und für einen Sponsorenlauf bekam das Zeichen kleine Beine.
Holtom selbst hatte zuerst an ein christliches Kreuz im Kreis gedacht, verwarf die Idee aber, weil Geistliche das Kreuz nicht auf einem Protestmarsch sehen wollten. Ob ihm die leichteren Abwandlungen gefallen hätten, bezweifelt die Kampagne selbst.
Wo ist das Zeichen heute zu sehen?
Die Kampagne nennt es eine Kurzschrift für Frieden und Hoffnung. Zu sehen war es nach ihren Angaben zuletzt in Flüchtlingslagern, auf Protesten gegen den Klimawandel und auf ihren eigenen Demonstrationen gegen Atomwaffen, 2022 sogar ganz oben auf der Pyramid Stage des Glastonbury Festivals.
Die Kampagne stellt bis heute Anstecker mit dem Zeichen her. Die ersten hatte Eric Austin aus Kensington 1958 aus weißem Ton gebrannt, weil gebrannter Ton zu den wenigen Dingen gehöre, die einen Atomkrieg überstehen würden.
Was hat das Zeichen mit den Ostermärschen zu tun?
Der Marsch, für den Holtom das Zeichen entwarf, fand über Ostern 1958 statt. Nach Angaben des Patent- und Markenamts war das Zeichen am Karfreitag am Trafalgar Square in London zum ersten Mal öffentlich zu sehen, und die Kampagne begründete mit diesem Marsch die Tradition der Ostermärsche.
Auch die Farben folgten dem Fest. Nach der Darstellung der Kampagne wurde Schwarz auf Weiß am Karfreitag und am Samstag gezeigt, Weiß auf Grün am Ostersonntag und am Ostermontag, so wie die Farben der Kirche zu Ostern wechseln.
Vom Zeichen zur eigenen Mission
Ein Symbol sagt, wofür jemand steht. Was daraus wird, entscheidet sich dort, wo Menschen gemeinsam etwas anfangen: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein. Auf W3ltfrieden findest du Missionen, in denen genau das passiert.
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