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Friedenssymbole

Friedenstaube

Eine weiße Taube, oft mit einem Zweig im Schnabel: ein Bild aus der Erzählung von der Sintflut, das Pablo Picasso 1949 zum Zeichen einer weltweiten Bewegung machte

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Taube als Zeichen des Friedens stammt aus der Erzählung von der Sintflut: Sie bringt Noah ein frisches Ölblatt.
  • Im Neuen Testament steht die Taube außerdem für den Geist Gottes.
  • Pablo Picasso schuf 1949 die Taube für den Weltfriedenskongress in Paris; seitdem ist sie ein weltweites politisches Bild.
  • In der DDR war sie eines der häufigsten politischen Symbole, besungen im Lied von der „Kleinen weißen Friedenstaube“.
  • Die Taube hat keinen Urheber und keinen Eigentümer; was sie meint, hängt davon ab, wer sie zeigt.

In Zahlen

1949

Picassos Taube

Plakat für den Friedenskongress in Paris

3

Flüge aus der Arche

beim zweiten mit einem Ölblatt

1987

Taube im Nikolaiviertel

Hauswand in Berlin

Drei Schichten einer BedeutungQuellen: Lutherbibel 2017, Victoria and Albert Museum, DDR Museum

Sintflut

Wo es steht
1. Mose 8
Was die Taube tut
kehrt mit einem frischen Ölblatt zurück
Bedeutung
Ende der Flut, Versöhnung

Taufe Jesu

Wo es steht
Matthäus 3
Was die Taube tut
kommt als Geist Gottes herab
Bedeutung
Heiliger Geist

Picasso 1949

Wo es steht
Plakat des Weltfriedenskongresses in Paris
Was die Taube tut
steht für eine Bewegung
Bedeutung
Frieden als politisches Ziel
Die Flüge aus der ArcheQuelle: Lutherbibel 2017, 1. Mose 8,6 bis 13
  1. Zuerst ein Rabe

    Nach vierzig Tagen öffnet Noah das Fenster der Arche und lässt einen Raben fliegen. Er fliegt hin und her, bis die Wasser vertrocknet sind.

  2. Die Taube kehrt zurück

    Danach lässt Noah eine Taube fliegen. Sie findet nichts, wo ihr Fuß ruhen kann, und kommt in die Arche zurück.

  3. Das frische Ölblatt

    Sieben Tage später fliegt sie wieder und kommt am Abend mit einem frischen Ölblatt im Schnabel. Daran merkt Noah, dass das Wasser zurückgeht.

  4. Sie bleibt fort

    Nach weiteren sieben Tagen fliegt die Taube noch einmal und kommt nicht wieder. Kurz darauf sind die Wasser auf der Erde vertrocknet.

Herkunft
Bibel, Erzählung von Noah und der Sintflut
Belegt seit
Antike, als politisches Zeichen seit 1949
Urheber
kein einzelner; moderne Form von Pablo Picasso
Steht heute für
Frieden, Versöhnung, Hoffnung
Gezeichnete weiße Taube im Flug nach links, mit gelbem Schnabel und einem grünen Ölzweig im Schnabel
Die Taube mit dem Ölzweig, wie sie seit der Erzählung von der Sintflut gezeigt wird.Grafik: W3ltfrieden

Wofür steht die Friedenstaube?

Die Friedenstaube steht für Frieden, Versöhnung und Hoffnung. Meist wird sie weiß gezeigt, im Flug und mit einem Ölzweig im Schnabel. In dieser Form ist sie eines der ältesten Friedenszeichen überhaupt und zugleich eines der bekanntesten der Gegenwart.

Anders als das Peace-Zeichen hat sie keinen einzelnen Urheber. Ihre Bedeutung ist über Jahrhunderte aus mehreren Schichten gewachsen: aus der Erzählung von der Sintflut, aus der christlichen Bildsprache und aus der Politik des 20. Jahrhunderts.

Deshalb wird sie sehr unterschiedlich verwendet, im Gottesdienst ebenso wie auf Plakaten von Bewegungen, die mit Religion nichts zu tun haben. Was eine Taube im Einzelfall meint, hängt davon ab, wer sie zeigt und wo.

Woher kommt die Taube als Zeichen des Friedens?

Den Ursprung bildet die Erzählung von Noah im ersten Buch Mose. Nach der Sintflut lässt Noah dreimal eine Taube aus der Arche fliegen. Beim ersten Mal findet sie keinen Platz und kehrt zurück, beim zweiten Mal bringt sie am Abend ein frisches Ölblatt mit, beim dritten Mal kommt sie nicht wieder.

Das Ölblatt zeigt Noah, dass das Wasser zurückgeht und das Land wieder grünt. Das DDR Museum in Berlin fasst die Deutung so zusammen: Die Taube wurde zum Symbol der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen.

Im Neuen Testament kommt eine zweite Bedeutung hinzu. Bei der Taufe Jesu im Jordan sieht er nach dem Matthäusevangelium den Geist Gottes „wie eine Taube“ herabkommen. Seitdem ist die Taube in der christlichen Kunst auch das Bild des Heiligen Geistes.

Warum hat die Taube einen Zweig im Schnabel?

Der Zweig im Schnabel stammt direkt aus der Erzählung von der Sintflut: Es ist das frische Ölblatt, mit dem die Taube zu Noah zurückkehrt. Es zeigt, dass die Gefahr vorbei ist und das Leben weitergeht. Aus dem Blatt ist in der Bildsprache ein ganzer Zweig geworden.

Damit verbinden sich zwei Friedenszeichen in einem Bild. Der Ölzweig ist auch für sich allein ein Zeichen des Friedens, etwa im Emblem der Vereinten Nationen, das die Weltkarte in einen Kranz aus Olivenzweigen setzt.

Eine Taube ohne Zweig kann dasselbe meinen, wird aber offener gelesen. Erst der Zweig macht eindeutig, dass nicht Liebe, Reinheit oder ein Bote gemeint ist, sondern das Ende eines Unheils und ein neuer Anfang.

Welche Rolle spielte Picasso?

Pablo Picasso schuf 1949 eine Lithografie einer Taube. Nach der Darstellung des Victoria and Albert Museum in London entwarf er sie für den Weltfriedenskongress, den Congrès mondial des partisans de la paix, im selben Jahr in Paris. Picassos Taube und ihre Anspielung auf das Ende der Sintflut wurden zum Friedenssymbol der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ausgewählt hat das Motiv nach der Darstellung des DDR Museums der Schriftsteller Louis Aragon, einer der Organisatoren des Kongresses. Er sah die Zeichnung im Atelier seines Freundes und schlug vor, sie zum Bild des Kongresses zu machen.

Die Taube wurde schnell politisch umkämpft. Die Weltfriedensbewegung stand der Sowjetunion nahe, und die französische Gruppe Paix et Liberté nahm das Motiv Anfang der fünfziger Jahre in eigenen Plakaten auf, um vor dem Kommunismus zu warnen. Picasso hat die Taube nicht erfunden, aber ihre moderne Form geprägt.

Wo taucht die Taube heute auf?

Die Taube steht auf Plakaten, Fahnen und Ansteckern, in Kirchenfenstern und auf Liedblättern, in Schulen und bei Gedenkfeiern. Weil sie ohne Worte verstanden wird, eignet sie sich für Anlässe, bei denen Menschen verschiedener Sprachen zusammenkommen.

In der DDR war sie eines der häufigsten politischen Bilder. Ein Plakat mit der Taube regte die Kindergärtnerin Erika Schirmer aus Nordhausen an, das Lied von der „Kleinen weißen Friedenstaube“ zu schreiben, das Generationen von Kindern sangen. 1987 wurde am Berliner Nikolaiviertel eine Taube mit der Inschrift „Berlin – Stadt des Friedens“ angebracht.

Gerade dieses Beispiel zeigt, dass ein Zeichen allein nichts verbürgt. Das DDR Museum weist auf den Widerspruch zwischen der Friedensrhetorik und der Mauer hin; die unabhängige Friedensbewegung der DDR wählte deshalb ein eigenes Zeichen, „Schwerter zu Pflugscharen“.

Seit wann gibt es das Wort im Deutschen?

Das Wort ist deutlich älter als Picassos Plakat. Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm führt es in seinem vierten Band, dessen erste Lieferung 1863 erschien, und belegt es mit Versen: „süsze liebe friedenstaube, / die du schnell den ölzweig bringst“.

Schon damals gehörten Taube und Ölzweig also im Deutschen fest zusammen. Picasso und die Weltfriedensbewegung haben das Bild 1949 nicht erfunden, sondern einem alten Wort eine neue politische Bühne gegeben.

1. Mose 8,11, Lutherbibel 2017

Sie kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, sie hatte ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hatten auf Erden.
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Stationen des Zeichens

  1. AntikeDie Erzählung von der Sintflut lässt eine Taube mit einem frischen Ölblatt zur Arche zurückkehren.
  2. Neues TestamentBei der Taufe Jesu kommt der Geist Gottes „wie eine Taube“ herab.
  3. 1949Pablo Picassos Lithografie einer Taube wird zum Plakat des Weltfriedenskongresses in Paris.
  4. frühe 1950erDie französische Gruppe Paix et Liberté nimmt die Taube in Plakaten gegen den Kommunismus auf.
  5. 1987In Berlin wird eine Taube mit der Inschrift „Berlin – Stadt des Friedens“ am Nikolaiviertel angebracht.

Häufige Fragen zur Taube

Wer schrieb das Lied von der kleinen weißen Taube?

Das Lied „Kleine weiße Friedenstaube“ dichtete und komponierte die Kindergärtnerin Erika Schirmer aus Nordhausen. Den Anstoß gab nach der Darstellung des DDR Museums ein Plakat mit der Taube.

Die einfache Melodie und der schlichte Text machten das Lied für eine ganze Generation zum Ohrwurm; in der DDR wurde kaum ein anderes Lied so oft gesungen. Das DDR Museum weist zugleich auf den Widerspruch hin, dass in einem hoch gerüsteten Staat ständig vom Frieden gesungen wurde.

Hat Picasso mehr als eine Taube gezeichnet?

Ja. Die bekannteste ist die Lithografie von 1949 für den Weltfriedenskongress in Paris. Nach der Darstellung der Zeitschrift Sapereambiente zeichnete Picasso für das Plakat des Kongresses 1952 in Wien erneut eine Taube, diesmal über einem Regenbogen.

Auch andere griffen das Motiv auf. Die französische Gruppe Paix et Liberté nahm die Taube Anfang der fünfziger Jahre in eigene Plakate gegen den Kommunismus auf, wie das Victoria and Albert Museum an einem Beispiel zeigt. Picassos Bild war also von Anfang an umkämpft.

Ist die Taube ein christliches Zeichen?

Ihre Wurzeln liegen in der Bibel, in der Erzählung von der Sintflut und in der Taufe Jesu. Verwendet wird sie aber weit über Kirchen hinaus. Das DDR Museum beschreibt, wie ausgerechnet der kirchenfeindliche Staat die Taube zu einem seiner häufigsten Symbole machte.

Der Grund war politisch. Die von der Sowjetunion gelenkte Weltfriedensbewegung wollte Überparteilichkeit zeigen, und ein Bild, das viele Menschen aus der Bibel kannten, passte dazu. Heute verwenden Gruppen ganz unterschiedlicher Herkunft die Taube, religiöse wie nicht religiöse.

Wie zeichnet man eine einfache Taube?

Am leichtesten gelingt sie im Profil: ein ovaler Körper, ein kleiner runder Kopf vorne oben, ein spitzer Schnabel und ein fächerförmiger Schwanz hinten. Die Flügel setzt du oben am Körper an, einen nach oben geschwungen, den anderen leicht dahinter, damit die Taube fliegt.

Für das Friedensmotiv kommt ein kurzer Zweig mit einigen schmalen Blättern in den Schnabel. Picassos Tauben zeigen, dass wenige klare Linien reichen; Schattierungen braucht das Bild nicht. Unsere eigene Zeichnung oben auf dieser Seite folgt demselben Aufbau.

Gibt es die Taube als Emoji?

Ja. Im internationalen Zeichensatz Unicode hat sie einen eigenen Platz mit dem Namen DOVE OF PEACE und der Nummer U+1F54A. Der Name zeigt, wie fest die Verbindung von Taube und Frieden ist: Unicode nennt sie nicht einfach Taube, sondern Friedenstaube.

Wie die Taube auf dem Bildschirm aussieht, hängt vom Gerät und der Schrift ab. Gemeint ist überall dasselbe Zeichen.

Was bedeutet die Taube als Tattoo?

Wie bei jedem Tattoo legt die Person, die es trägt, die Bedeutung selbst fest. Die Taube gehört aber zu den Motiven mit einer klaren Bildsprache: Frieden, Versöhnung und Hoffnung, besonders wenn sie fliegt und einen Zweig im Schnabel trägt.

Ohne Zweig wird sie offener gelesen, etwa als Zeichen für Freiheit, Liebe oder den Glauben, weil die Taube in der christlichen Kunst auch für den Heiligen Geist steht. Wer eine eindeutige Friedensbedeutung möchte, wählt am besten die Taube mit dem Zweig.

Vom Zeichen zur eigenen Mission

Ein Symbol sagt, wofür jemand steht. Was daraus wird, entscheidet sich dort, wo Menschen gemeinsam etwas anfangen: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein. Auf W3ltfrieden findest du Missionen, in denen genau das passiert.

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