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Friedenssymbole

Friedenspfeife

Ein heiliger Gegenstand indigener Völker Nordamerikas, der Bündnisse besiegelte und Gebete trug, und den Europa vereinfacht zur Friedenspfeife machte

Das Wichtigste in Kürze

  • Was im Deutschen Friedenspfeife heißt, ist das Calumet, ein heiliger Gegenstand vieler indigener Völker Nordamerikas.
  • Es besiegelte Bündnisse und Verträge; es gab aber auch Pfeifen für den Handel und für den Krieg.
  • Der Tabakrauch galt als Opfer, das Rauchen als Gebet.
  • Viele Pfeifenköpfe sind aus Pfeifenstein; der Steinbruch in Pipestone ist mit 23 indigenen Nationen verbunden.
  • Die deutsche Redewendung meint Versöhnung; als Beschreibung indigener Kulturen greift sie zu kurz.

In Zahlen

4

Himmelsrichtungen

denen die Pfeife dargeboten wird

23

Nationen

mit dem Steinbruch in Pipestone verbunden

2

Bedeutungen

Pfeife für den Frieden und für den Krieg

Respektvoll über die Pfeife sprechenQuellen: The Canadian Encyclopedia, National Park Service

Genau sein

  • Vom Calumet oder von der zeremoniellen Pfeife sprechen.
  • Die Völker beim Namen nennen, wo es möglich ist.
  • Sagen, dass dieselben Pfeifen auch bei Handel, Bündnissen und vor einem Krieg geraucht wurden.
  • Die Redewendung, mit jemandem die Friedenspfeife zu rauchen, als Redewendung gebrauchen.

Vermeiden

  • Die Pfeife als Kostümteil, Dekoration oder Witz verwenden.
  • Das europäische Bild als Wissen über indigene Kulturen ausgeben.
  • Die Pfeife als reines Friedenszeichen beschreiben.
Woran du ein Calumet erkennstQuelle: The Canadian Encyclopedia

Das Calumet

  • Gemeint ist die ganze Pfeife, Kopf und Rohr.
  • Das Rohr ist oft lang, aus leichtem Holz und in verschiedenen Farben bemalt.
  • Geschmückt ist es mit Federkielen, Perlen, Fell und Federn.
  • Der Kopf ist meist aus Stein oder aus Catlinit geschnitzt, einem roten Tonstein.
  • Viele Köpfe tragen geometrische Gravuren oder Einlagen aus Knochen und Stein.
Herkunft
Indigene Völker Nordamerikas
Belegt seit
lange vor der Ankunft der Europäer
Urheber
kein einzelner
Steht heute für
Bündnis, Gebet, Gemeinschaft
Gezeichnete lange Pfeife mit hellbraunem Stiel, dunkelrotem Pfeifenkopf und drei herabhängenden Federn
Eine schematische Zeichnung. Echte Pfeifen sind Zeremonialgegenstände und sehen je nach Volk verschieden aus.Grafik: W3ltfrieden

Was ist die Friedenspfeife?

Was im Deutschen Friedenspfeife heißt, nennen Fachleute Calumet, nach dem normannisch-französischen Wort für Pfeife oder Pfeifenrohr, das in frühen Berichten aus Nordamerika auftaucht. Gemeint ist eine Pfeife mit langem Rohr, die bei vielen indigenen Völkern Nordamerikas ein heiliger Gegenstand war und ist.

Nach der Canadian Encyclopedia war das Calumet bei den Völkern der Plains Teil des Medizinbündels und ein Gegenstand religiöser Symbolik. Es stand für den Zusammenhalt und die Kraft einer Gemeinschaft.

Mit Tabak als Genussmittel hat das wenig zu tun. Der Rauch galt als Opfer, das Rauchen als Gebet. Außer im Norden und Nordwesten Nordamerikas, wo Tabak und Rauchen erst durch europäische Händler kamen, gehörte die Pfeife bei den meisten Völkern zum religiösen Leben.

Wofür wurde die Pfeife verwendet?

Die Pfeife besiegelte Bündnisse, begleitete Verhandlungen und stand für die Ehre und die Heiligkeit allen Lebens. Wer gemeinsam rauchte, band sich an das, was vereinbart war.

Bei der Pfeifenzeremonie der Plains wurde die Pfeife den vier Himmelsrichtungen dargeboten, die für Grundkräfte des Lebens stehen. Die Zeremonie hatte feste Abläufe und wurde nicht beiläufig vollzogen.

Es gab auch Pfeifen für Handel und Tausch. Und die Canadian Encyclopedia hält fest, dass dieselben Pfeifen als Friedens- wie als Kriegspfeifen geraucht wurden. Die Pfeife war also kein reines Friedenszeichen, sondern ein Gegenstand, mit dem wichtige gemeinsame Entscheidungen bekräftigt wurden.

Woraus wurden die Pfeifen gemacht?

Viele Pfeifenköpfe sind aus Pfeifenstein geschnitzt. Eine der bekanntesten Fundstellen liegt in Pipestone im heutigen Minnesota, wo der Stein seit sehr langer Zeit abgebaut wird.

Das Gelände ist heute als Pipestone National Monument geschützt. Nach Angaben der amerikanischen Nationalparkverwaltung ist es offiziell mit 23 indigenen Nationen verbunden, und Angehörige indigener Völker bauen den Stein dort bis heute nach alten Traditionen ab.

Das zeigt, dass die Pfeife kein Gegenstand der Vergangenheit ist. Für viele Gemeinschaften ist sie bis heute Teil ihres religiösen Lebens.

Wie entstand das europäische Bild der Pfeife?

Europäische Reisende, Händler und Missionare erlebten die Pfeife vor allem bei Verhandlungen und Begrüßungen. So setzte sich in Europa die Vorstellung fest, sie sei ein Zeichen des Friedens, und das Wort Friedenspfeife entstand.

Dieses Bild vereinfacht stark. Es übersieht die religiöse Bedeutung, die Unterschiede zwischen den Völkern und die Tatsache, dass dieselben Pfeifen auch vor einem Krieg geraucht wurden.

Im Deutschen lebt das Bild in der Redewendung weiter, mit jemandem die Friedenspfeife zu rauchen, also sich nach einem Streit zu versöhnen. Als Redewendung ist das harmlos; als Beschreibung indigener Kulturen trifft es nicht zu.

Wie spricht man respektvoll über die Pfeife?

Für viele indigene Gemeinschaften ist die Pfeife ein heiliger Gegenstand. Sie als Kostümteil, Dekoration oder Witz zu verwenden, verletzt diese Bedeutung, auch wenn es freundlich gemeint ist.

Respekt heißt vor allem, genau zu sein: vom Calumet oder von der zeremoniellen Pfeife zu sprechen, die Völker beim Namen zu nennen, wo es möglich ist, und das Klischee nicht als Wissen auszugeben.

Als Friedenssymbol taugt die Pfeife deshalb nur mit Vorsicht. Die Redewendung darf bleiben; wer aber über Frieden zwischen Völkern spricht, ist mit der Taube, dem Ölzweig oder der Fahne besser bedient, Zeichen, die für alle gedacht sind.

Wie sieht ein Calumet aus?

Mit Calumet ist die ganze Pfeife gemeint, Kopf und Rohr, nicht nur das Rohr. Die Rohre sind oft lang, aus leichtem Holz, in verschiedenen Farben bemalt und mit Federkielen, Perlen, Fell und Federn geschmückt.

Die Köpfe sind meist aus Stein oder aus Catlinit geschnitzt, einem roten Tonstein, und mit geometrischen Mustern graviert, mit Knochen und Stein eingelegt oder einfach poliert. Ein Pfeifenrohr, das mit der Haut eines Adlers überzogen ist, erhielt Paul Kane 1846 von einem Häuptling der Cree.

Seit wann ist der Steinbruch in Pipestone geschützt?

Nach der Darstellung der amerikanischen Nationalparkverwaltung machte der Maler George Catlin die Steinbrüche in den 1830er Jahren unter Euroamerikanern bekannt. In den 1850er Jahren erklärte die Regierung der Vereinigten Staaten sie zu einem Reservat, und 1937 unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt das Gesetz, das sie zum National Monument machte.

Bis heute brechen und schnitzen Angehörige indigener Völker dort Pfeifenstein. Die Nationalparkverwaltung nennt Pipestone deshalb eine der wenigen Stätten ihres Systems, die eine lebendige Tradition bewahren.

The Canadian Encyclopedia, Stichwort Calumet, übersetzt

Es gab Calumets für Handel und Tausch, und sie wurden als Friedens- wie als Kriegspfeifen geraucht.
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Stationen des Zeichens

  1. vor der KolonialzeitBei vielen Völkern Nordamerikas ist das Rauchen der Pfeife zentraler Teil religiösen Lebens.
  2. KolonialzeitFrühe französische Berichte nennen die Pfeife calumet, nach dem normannisch-französischen Wort für Pfeife oder Pfeifenrohr.
  3. heuteAm Steinbruch in Pipestone, Minnesota, bauen Angehörige indigener Völker weiter Pfeifenstein nach alter Tradition ab.

Häufige Fragen zur Pfeife

Was wurde in der Pfeife geraucht?

Nach der Canadian Encyclopedia diente die Pfeife bei vielen Gruppen der östlichen Waldgebiete dazu, Tabak als Opfergabe zu verbrennen. Der Rauch war nicht Genuss, sondern ein Teil des Gebets.

Im Norden und Nordwesten Nordamerikas kamen Tabak und Rauchen erst mit europäischen Händlern. Bei den meisten anderen Völkern war das Rauchen der Pfeife dagegen ein zentraler Teil des religiösen Denkens und Handelns.

Wie heißt die Pfeife auf Englisch und bei Fachleuten?

Fachleute sprechen vom Calumet. Das Wort stammt aus dem Normannisch-Französischen und bedeutet Pfeife oder Pfeifenrohr; es taucht in frühen Berichten aus Nordamerika auf.

Im Englischen heißt die Pfeife meist peace pipe, wörtlich Friedenspfeife. Die Canadian Encyclopedia verwendet diesen Ausdruck ebenfalls, beschreibt aber ausführlich, dass das Calumet weit mehr war als ein Zeichen des Friedens.

Wird die Pfeife heute noch verwendet?

Ja. Nach der Canadian Encyclopedia ist das gemeinsame Rauchen der Pfeife, begleitet von Gebet, bis heute der traditionelle Weg, Gespräche zwischen Gruppen oder Nationen zu beginnen und Freundschaften zu besiegeln.

Auch der Stein wird weiter gebrochen. Am Pipestone National Monument in Minnesota halten Angehörige indigener Völker nach Angaben der amerikanischen Nationalparkverwaltung die alten Traditionen des Abbaus lebendig.

Für viele Gemeinschaften ist das Calumet deshalb kein Ausstellungsstück, sondern ein Gegenstand des Gebets. Wer zu einer Zeremonie eingeladen wird, folgt den Regeln der Gastgeber.

Wie alt sind die Spuren?

Am Steinbruch in Pipestone haben Archäologen nach Angaben der Nationalparkverwaltung Spuren menschlicher Tätigkeit aus mehr als 3.000 Jahren gefunden. Zahlreiche Völker verbinden den Ort in mündlichen Überlieferungen mit ihrer Geschichte; europäische Besucher schreiben seit dem 17. Jahrhundert darüber.

Auch einzelne Pfeifen lassen sich datieren. Die Canadian Encyclopedia zeigt eine verzierte Tonpfeife der Irokesen, gefunden in Montréal, deren Alter mit der Radiokarbonmethode auf die Jahre 1475 bis 1525 bestimmt wurde. Pfeifen wurden im Nordosten Nordamerikas also schon im 15. Jahrhundert kunstvoll gestaltet.

Wie erklärt das Wörterbuch das deutsche Wort?

Das Wörterbuch DWDS nennt zwei Bedeutungen. Die erste, oft historisch, beschreibt ein Rauchutensil in einigen außereuropäischen Kulturen, mit dessen gemeinsamer Benutzung ein Friedensschluss zwischen verfeindeten Parteien besiegelt wurde.

Die zweite ist umgangssprachlich und oft scherzhaft: ein Gegenstand oder eine Handlung als Zeichen des guten Willens und des Wunsches, einen Konflikt beizulegen. Beide Bedeutungen zeigen den europäischen Blick; die religiöse Seite des Calumet kommt darin nicht vor.

Wofür wurde mit der Pfeife außerdem gebetet?

Die Canadian Encyclopedia beschreibt das Calumet als mit dem Donner verbunden und als Zeichen für die Ehre und die Heiligkeit allen Lebens. Es wurde verwendet, um Bündnisse zu besiegeln, um nötigen Regen zu erbitten und um Verträge zu bezeugen.

Damit war die Pfeife ein Gegenstand für viele Lagen im Leben einer Gemeinschaft, für das Wetter ebenso wie für die Beziehungen zu anderen Gruppen. Das Bild von der reinen Friedenspfeife erfasst davon nur einen kleinen Teil.

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