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Streit lösen

Giraffensprache: Wolf und Giraffe in der Gewaltfreien Kommunikation

Woher die beiden Tiere kommen, woran du Wolfssprache erkennst und wie Kinder und Erwachsene das Übersetzen in Giraffensprache üben

Das Wichtigste in Kürze

  • Giraffensprache ist ein anderer Name für die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, verbreitet vor allem in Kita, Grundschule und Familie.
  • Wolfssprache urteilt, droht und lässt keine Wahl. Giraffensprache sagt, was du beobachtest, fühlst und brauchst, und schließt mit einer Bitte.
  • Wolfssprache kann auch still sein: Schweigen, Augenrollen oder ein spitzer Kommentar gehören dazu.
  • Geübt wird durch Übersetzen: einen Wolfssatz nehmen und daraus einen Giraffensatz machen, ohne den Ärger dahinter zu verschweigen.

In Zahlen

10

Satzpaare

jeweils als Wolfssatz und als Giraffensatz

4

Lebensbereiche

Kita, Familie, Schule und Arbeit

4

Schritte

Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte

Wolfssprache und Giraffensprache im VergleichMerkmale nach dem Präventionsmaterial des bayerischen Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung, Beispiel aus den Satzpaaren auf dieser Seite

Wolfssprache

Haltung
verletzt, urteilt, sucht Streit
Typischer Anfang
„Du bist …“, „Du immer …“, „Wegen dir …“
Gefühl
versteckt hinter einem Urteil
Wunsch
lässt dem anderen keine Wahl
Beispiel
„Du räumst nie auf, immer muss ich das machen!“

Giraffensprache

Haltung
sagt, was stört, ohne zu beleidigen
Typischer Anfang
„Ich sehe …“, „Ich bin …“, „Mir ist wichtig …“
Gefühl
wird ausgesprochen
Wunsch
wird zur Bitte, auf die ein Nein möglich ist
Beispiel
„Die Bauklötze liegen noch auf dem Teppich. Ich bin müde und wünsche mir, dass wir gemeinsam aufräumen. Legst du die roten in die Kiste?“
Woran du einen Giraffensatz erkennstMerkmale nach dem bayerischen Präventionsmaterial und dieser Seite

Ein Giraffensatz

  • beschreibt, was passiert ist, ohne zu bewerten
  • sagt, wie es dir geht, auch wenn du wütend bist
  • nennt, was dir wichtig ist
  • endet mit einer Bitte, auf die auch ein Nein möglich ist
  • spricht über einen Satz, nicht über einen Menschen: „Das war ein Wolfssatz“ statt „Du bist ein Wolf“
  • kommt aus Interesse am anderen und ist keine Maske für eine Forderung
Die zehn Satzpaare nach LebensbereichGezählt aus den Beispielen auf dieser Seite
  • Kita3
  • Familie3
  • Schule2
  • Arbeit2

Was ist Giraffensprache?

Giraffensprache ist ein anderer Name für die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, verbreitet vor allem in Kita, Grundschule und Familie. Wer in Giraffensprache spricht, sagt, was er beobachtet, wie es ihm damit geht, was er braucht und worum er bittet, ohne den anderen zu bewerten. Das Gegenstück heißt Wolfssprache: Vorwürfe, Urteile und Drohungen, die den anderen in die Verteidigung drängen.

Das Bild ist für Kinder gedacht, hilft aber auch Erwachsenen: War das gerade ein Wolfssatz oder ein Giraffensatz? Unterrichtsmaterial des bayerischen Staatsinstituts für Schulqualität fasst die Giraffensprache in vier Merkmalen zusammen: sagen, was stört, ohne zu beleidigen; sagen, was man fühlt; deutlich sagen, was man sich wünscht; eine Bitte formulieren.

Wichtig ist, was die Giraffensprache nicht ist: keine Methode, um andere zum Nachgeben zu bringen, und kein Verbot von Ärger. Auch eine Giraffe darf wütend sein. Sie sagt es nur so, dass der andere erfährt, worum es ihr geht, statt sich gegen einen Angriff wehren zu müssen.

Warum Giraffe und Wolf: die Bilder hinter der Gewaltfreien Kommunikation

Rosenberg hat die Gewaltfreie Kommunikation mit zwei Tierbildern anschaulich gemacht. Für die Sprache, die verletzt und urteilt, steht ein knurrender, zähnefletschender Wolf. Für die einfühlsame Sprache steht die Giraffe, und die Begründung ist körperlich: Die Giraffe ist das Landtier mit dem größten Herzen. Die Gewaltfreie Kommunikation wird deshalb auch Sprache des Herzens genannt.

Schulmaterialien bauen das Bild weiter aus. Die Giraffe hat einen langen Hals, sieht die Welt von oben und behält den Überblick. Sie frisst dort, wo kein anderes Tier hinkommt, und nimmt deshalb niemandem etwas weg. Der Wolf steht dagegen für ein Wesen ohne diesen Überblick, das zuschnappt, wenn es wütend ist, und seine Gefühle versteckt, wenn es Angst hat.

Im deutschen Sprachraum begegnen Giraffensprache und Wolfssprache besonders oft in Kita- und Schulmaterial. Eine Fußnote im bayerischen Präventionsprogramm verweist auf Grundschulmaterial der damaligen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2002, in dem beide Sprachen in Anlehnung an die Gewaltfreie Kommunikation und den personenzentrierten Ansatz von Carl Rogers entwickelt wurden.

Wolfssprache: woran du sie erkennst

Wolfssprache ist die Sprache, die fast alle aus dem Streit kennen. Das bayerische Präventionsmaterial nennt vier Merkmale: Ich tue anderen mit Worten weh, ich sage etwas Schlechtes über andere, ich lasse anderen mit meinen Worten keine Wahl, und ich rede voller Wut und suche Streit. Typische Wolfssätze beginnen mit „Du bist …“, „Du immer …“ oder „Wegen dir …“.

Nicht jede Wolfssprache ist laut. Das Material beschreibt auch den stillen Wolf: Wer Angst hat, versteckt seine Gefühle und sagt nicht, wie es ihm wirklich geht. Schweigen, Augenrollen oder ein spitzer Kommentar können genauso Wolfssprache sein wie Schreien.

Hinter Wolfssprache steckt meist ein Gefühl wie Sorge, Wut, Enttäuschung oder Angst. Ein Urteil wie „Du bist so gemein“ verrät aber nicht, was eigentlich fehlt. Beim Üben geht es deshalb nicht darum, Wölfe zu bestrafen, sondern den Wolfssatz in einen Giraffensatz zu übersetzen.

Wolfssprache und Giraffensprache: zehn Beispiele

Die Beispiele kommen aus vier Lebensbereichen: Kita, Familie, Schule und Arbeit. Oben steht jeweils der Satz, der im Ärger zuerst kommt, darunter eine Übersetzung in Giraffensprache mit Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte.

Die Giraffensätze sind länger, und das ist Absicht. Sie enthalten die Information, die im Wolfssatz fehlt: was genau passiert ist und warum es stört. Im echten Gespräch sagst du sie kürzer und in eigenen Worten.

Achte auf den letzten Satz jeder Übersetzung. Er ist eine Bitte und lässt eine Antwort zu, auch ein Nein. Wer nur eine Forderung in freundliche Worte kleidet, spricht noch nicht Giraffisch.

  1. Kita: Aufräumen

    Wolfssprache

    Du räumst nie auf, immer muss ich das machen!

    Giraffensprache

    Die Bauklötze liegen noch auf dem Teppich. Ich bin müde und wünsche mir, dass wir gemeinsam aufräumen. Legst du die roten in die Kiste?

  2. Kita: Spielzeug weggenommen

    Wolfssprache

    Hör sofort auf, du bist so gemein zu Lea!

    Giraffensprache

    Du hast Lea den Bagger aus der Hand genommen, und jetzt weint sie. Mir ist wichtig, dass hier alle in Ruhe spielen können. Gibst du ihn ihr zurück und fragst, ob ihr tauschen wollt?

  3. Kita: Mittagessen

    Wolfssprache

    Iss jetzt, sonst gibt es keinen Nachtisch!

    Giraffensprache

    Dein Teller ist noch voll. Ich mache mir Sorgen, dass du nachher Hunger bekommst. Probierst du drei Löffel und sagst mir dann, wie es dir schmeckt?

  4. Familie: Morgens vor der Tür

    Wolfssprache

    Jetzt trödel nicht, wegen dir kommen wir zu spät!

    Giraffensprache

    Es ist gleich acht, und deine Schuhe sind noch nicht an. Ich bin unruhig, weil ich pünktlich bei der Arbeit sein möchte. Ziehst du den linken an, während ich den rechten halte?

  5. Familie: Handy am Tisch

    Wolfssprache

    Leg endlich das Handy weg, du bist echt unmöglich!

    Giraffensprache

    Du schaust beim Essen auf dein Handy. Ich bin traurig, weil mir die gemeinsame Zeit am Tisch wichtig ist. Magst du es bis nach dem Essen in die Küche legen?

  6. Familie: Geschwisterstreit

    Wolfssprache

    Ihr nervt, hört sofort auf zu streiten!

    Giraffensprache

    Ihr schreit euch seit ein paar Minuten an. Mir ist es gerade zu laut, und ich brauche Ruhe. Erzählt ihr mir nacheinander, worum es geht?

  7. Schule: Hineinrufen

    Wolfssprache

    Du störst ständig den Unterricht!

    Giraffensprache

    Du hast jetzt dreimal hineingerufen. Ich bin angespannt, weil ich möchte, dass alle zu Wort kommen. Meldest du dich bitte, dann nehme ich dich dran.

  8. Schule: Gruppenarbeit

    Wolfssprache

    Du machst nie etwas, wir erledigen alles allein!

    Giraffensprache

    Auf dem Plakat steht noch nichts von dir. Ich ärgere mich, weil mir eine faire Aufteilung wichtig ist. Übernimmst du die Überschrift und die Quellen?

  9. Arbeit: Unterbrochen werden

    Wolfssprache

    Lass mich doch mal ausreden, du bist so respektlos!

    Giraffensprache

    Du hast mich eben zweimal unterbrochen. Ich bin frustriert, weil ich meinen Gedanken zu Ende bringen möchte. Darf ich den Satz beenden, bevor du antwortest?

  10. Arbeit: Verpasste Frist

    Wolfssprache

    Auf dich kann man sich einfach nicht verlassen.

    Giraffensprache

    Der Bericht war für Montag abgemacht und ist noch nicht da. Ich bin besorgt, weil ich ihn am Mittwoch vorstellen muss. Sagst du mir bis morgen Mittag, wann er fertig wird?

Giraffensprache mit Kindern üben

In Kita und Grundschule wird die Giraffensprache oft mit zwei Handpuppen eingeführt, einem Wolf und einer Giraffe. Eine Unterrichtseinheit des Religionspädagogischen Instituts der evangelischen Kirchen von Kurhessen-Waldeck und in Hessen und Nassau lässt die Puppen Lumpi und Kira miteinander sprechen und ist für den Einsatz ab Klasse 3 gedacht. Auch das bayerische Präventionsprogramm empfiehlt Rollenspiele zwischen Wolf und Giraffe und merkt an, dass Trainer dafür gern Handpuppen verwenden.

Ein einfaches Spiel kommt fast ohne Material aus. Jemand spricht einen Satz, die anderen zeigen, ob er nach Wolf oder nach Giraffe klang: mit grauen Wolfskarten und gelben Giraffenkarten oder nur mit der Hand. Für den Wolf formt die Hand eine bissige Schnauze, für die Giraffe zeigen Zeige- und Mittelfinger die Hörnchen. Danach übersetzt die Gruppe den Wolfssatz.

Mit kleineren Kindern hilft Vorleben mehr als Erklären. Ein Beispiel im Klett-Kita-Portal zeigt eine Fachkraft, die einen Fünfjährigen nicht mit einer Drohung zur Jacke bringt, sondern beschreibt, was sie sieht, nachfragt und mit ihm gemeinsam eine Lösung sucht. Dass das jedes Mal klappt, verspricht niemand; es zeigt dem Kind aber, wie ein Konflikt ohne Machtkampf aussehen kann.

Grenzen der Bildsprache

Die Tiere sind ein Bild für Sprechweisen, nicht für Menschen. Sobald ein Kind hört „Du bist ein Wolf“, ist aus dem Hilfsmittel ein neues Etikett geworden, und genau das will die Gewaltfreie Kommunikation vermeiden. Besser ist „Das war ein Wolfssatz“ oder die Frage, wie der Satz als Giraffe klingen würde.

Das Bild kann auch zu einfach werden. Das bayerische Material betont, die Gewaltfreie Kommunikation sei keine Gesprächstechnik, sondern eine innere Haltung, die das Gegenüber anerkennt und seine Würde achtet. Wer nur die richtigen Wörter einsetzt, ohne sich für den anderen zu interessieren, bleibt ein Wolf mit Giraffenmaske.

Und die Giraffenhaltung fällt schwer, wenn die eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen. Das Klett-Kita-Portal nennt als Beispiel eine Fachkraft, die wegen Personalmangels keine Pause hatte und hungrig und müde ist. Dann beginnt Giraffensprache bei einem selbst, mit einer Pause oder einem Satz an die Kollegin. Wo Gewalt droht, hat Schutz Vorrang vor jeder Gesprächsform.

Klett Kita Portal, Der Giraffenweg

Wir brauchen ein bildlich sehr großes Herz, wenn wir einfühlsam zu uns selbst und zu anderen sein wollen.
Zur Methode: Gewaltfreie Kommunikation

Häufige Fragen

Was bedeutet Giraffensprache?

Giraffensprache ist ein anschaulicher Name für die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Sie beschreibt eine Art zu sprechen, bei der du sagst, was du beobachtest, fühlst und brauchst, und um etwas bittest, statt den anderen zu bewerten.

Was ist der Unterschied zwischen Wolfssprache und Giraffensprache?

Wolfssprache verletzt, urteilt und lässt dem anderen keine Wahl, etwa mit „Du bist so gemein!“. Giraffensprache beschreibt dagegen, was passiert ist, nennt das eigene Gefühl und Bedürfnis und endet mit einer Bitte, die auch ein Nein zulässt.

Warum steht die Giraffe für die Giraffensprache?

Die Giraffe ist das Landtier mit dem größten Herzen und steht deshalb für einfühlsames Sprechen. Mit ihrem langen Hals behält sie außerdem den Überblick.

Ab welchem Alter können Kinder die Giraffensprache lernen?

Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Das Klett-Kita-Portal zeigt ein Beispiel mit einem fünfjährigen Kind, eine Unterrichtseinheit des Religionspädagogischen Instituts ist für den Einsatz ab Klasse 3 gedacht.

Wie übersetze ich einen Satz aus der Wolfssprache in Giraffensprache?

Frag dich, was genau passiert ist, wie es dir damit geht und was dir dabei wichtig ist. Aus „Du störst ständig!“ wird dann etwa: „Du hast dreimal hineingerufen. Ich bin angespannt, weil alle zu Wort kommen sollen. Meldest du dich bitte?“

Was sind die vier Schritte der Giraffensprache?

Die vier Schritte sind dieselben wie in der Gewaltfreien Kommunikation: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Das bayerische Unterrichtsmaterial übersetzt sie für Kinder so: sagen, was stört, ohne zu beleidigen; sagen, was man fühlt; deutlich sagen, was man sich wünscht; eine Bitte formulieren.

Ein Beispiel aus der Kita: „Die Bauklötze liegen noch auf dem Teppich“ ist die Beobachtung, „Ich bin müde“ das Gefühl, „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam aufräumen“ das Bedürfnis, „Legst du die roten in die Kiste?“ die Bitte. Nicht jeder Satz braucht alle vier Teile; beim Üben hilft die feste Reihenfolge aber.

Wird die Giraffensprache in Schulen unterrichtet?

Ja, zum Beispiel in Bayern. Das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung nutzt Wolfs- und Giraffensprache in seinem Präventionsprogramm in einer Unterrichtseinheit zum Thema Streiten. Die Schülerinnen und Schüler lernen dort die Merkmale beider Sprachen kennen und üben in Dreierteams, Sätze aus der einen in die andere zu übersetzen.

Die Arbeitsblätter gehen nach Angaben des Instituts auf Materialien zur Förderung des Sozialverhaltens in der Grundschule aus dem Jahr 2002 zurück, die die heutige BIÖG (früher Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) herausgegeben hat. Dort wurden Giraffen- und Wolfssprache in Anlehnung an die Gewaltfreie Kommunikation und den personenzentrierten Ansatz von Carl Rogers entwickelt.

Wie übe ich Giraffensprache als Erwachsener?

Fang mit einem einzigen Satz am Tag an. Schreib abends einen Wolfssatz auf, den du gesagt oder gedacht hast, und übersetze ihn in Ruhe in die vier Schritte. Was hast du beobachtet, ohne zu bewerten? Was hast du gefühlt? Was war dir wichtig? Worum hättest du bitten können?

Übe auch das Zuhören in Giraffensprache. Wenn dir jemand einen Wolfssatz an den Kopf wirft, frag dich still, welches Gefühl und welches Bedürfnis dahinterstecken könnten. Oft reicht es, eine Vermutung als Frage zurückzugeben: „Bist du gerade enttäuscht, weil dir das wichtig war?“

Vom Verfahren zur eigenen Mission

Jede dieser Methoden ist von Menschen entwickelt worden, die einen Streit vor sich hatten und ihn anders führen wollten. Dieselbe Haltung braucht es im Kleinen: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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