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Menschen

Nelson Mandela

Ein Anwalt aus dem Ostkap, der nach 27 Jahren Haft ohne Rache regierte und Südafrika den Weg aus der Apartheid in die Demokratie verhandelte

In Zahlen

27

Jahre in Haft

von 1962 bis 1990, davon 18 Jahre auf Robben Island

1993

Friedensnobelpreis

gemeinsam mit dem letzten Apartheid-Präsidenten de Klerk

1994

erster frei gewählter Präsident

nach den ersten Wahlen, bei denen alle wählen durften

Lebensdaten
18. Juli 1918 bis 5. Dezember 2013
Herkunft
Mvezo, Südafrika
Rolle
Anwalt, Anführer des ANC und erster demokratisch gewählter Präsident Südafrikas
Auszeichnung
Friedensnobelpreis 1993, gemeinsam mit Frederik Willem de Klerk
Farbporträt von Nelson Mandela mit grauem Haar, dunklem Anzug und karierter Krawatte
Nelson Mandela am 4. Oktober 1994 in Washington, wenige Monate nach seiner Wahl zum Präsidenten.Fotografie von Kingkongphoto und www.celebrity-photos.com, 1994, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Wer war Nelson Mandela?

Nelson Mandela war ein südafrikanischer Anwalt und Politiker, der den Widerstand gegen die Apartheid anführte und 1994 der erste demokratisch gewählte Präsident Südafrikas wurde. Er wurde am 18. Juli 1918 als Rolihlahla Mandela im Dorf Mvezo im Ostkap geboren. Sein Vater war Berater des amtierenden Königs der Thembu. Den Namen Nelson gab ihm eine Lehrerin in der Grundschule, nach dem damaligen Brauch, allen Schulkindern einen christlichen Namen zu geben.

Sein Studium an der Universität Fort Hare musste er abbrechen, weil er an einem Studentenprotest teilgenommen hatte. Im Jahr 1941 ging er nach Johannesburg, arbeitete zunächst als Wachmann in einem Bergwerk und machte dann eine Ausbildung in einer Anwaltskanzlei. Im Jahr 1952 gründete er mit Oliver Tambo die erste Anwaltskanzlei Südafrikas, die Schwarzen gehörte. Seinen Abschluss in Rechtswissenschaft erwarb er erst 1989, in den letzten Monaten seiner Haft, im Fernstudium.

Politisch wurde er ab 1942 aktiv. Im Jahr 1944 trat er dem African National Congress bei und gründete dessen Jugendliga mit, die den ANC zu einer entschlosseneren Massenpolitik drängte. Ab 1948 setzte die regierende National Party die Rassentrennung als Apartheid durch, und er schloss sich dem Widerstand dagegen an. Von 1956 bis 1961 stand er im sogenannten Hochverratsprozess vor Gericht und wurde am Ende freigesprochen.

Nach seiner Verurteilung im Rivonia-Prozess verbrachte er insgesamt 27 Jahre im Gefängnis, den größten Teil davon auf Robben Island vor Kapstadt. Nach seiner Freilassung 1990 verhandelte er das Ende der Apartheid und regierte von 1994 bis 1999 als Präsident. Danach widmete er sich seinen Stiftungen, darunter der Nelson Mandela Foundation. Er starb am 5. Dezember 2013 in Johannesburg im Alter von 95 Jahren.

Wofür setzte sich Nelson Mandela ein?

Er setzte sich für ein demokratisches Südafrika ein, in dem Menschen aller Hautfarben dieselben Rechte haben. Die Apartheid schrieb vor, wo Menschen wohnen, arbeiten und lernen durften, und schloss die schwarze Mehrheit von Wahlen aus. Gegen dieses System richtete sich sein ganzes politisches Leben. Sein Ziel war dabei nicht die Umkehr der Machtverhältnisse, sondern eine Gesellschaft ohne Vorherrschaft einer Gruppe über die andere.

Am Anfang stand der gewaltfreie Widerstand. Das Nobelkomitee schrieb 1993, er habe sich anfangs an den gewaltfreien Methoden Mahatma Gandhis orientiert. Gandhi hatte Jahrzehnte zuvor selbst in Südafrika gelebt und dort seinen Weg des gewaltfreien Widerstands entwickelt. Die Defiance Campaign von 1952, die Mandela als oberster Freiwilliger leitete, war ein gemeinsames Vorhaben des ANC und des South African Indian Congress und setzte auf bewussten, friedlichen Gesetzesbruch.

Nach dem Massaker von Sharpeville am 21. März 1960, bei dem die Polizei 69 unbewaffnete Menschen tötete, und dem Verbot des ANC änderte er seinen Kurs. Er warb für einen bewaffneten Arm und half 1961, Umkhonto weSizwe aufzubauen. Nach der Darstellung des Nobelkomitees hatte sich das politische Klima so verhärtet, dass friedliche Wege versperrt schienen. Dieser Schritt ist bis heute der umstrittenste Teil seines Lebens.

Nach seiner Freilassung stand die Versöhnung im Mittelpunkt. Er verhandelte mit der Regierung, die ihn eingesperrt hatte, und setzte auf einen Übergang, der niemanden ausschloss. Die Nelson Mandela Foundation hebt hervor, dass er Rassismus nie mit Rassismus beantwortet habe. Auch nach seiner Präsidentschaft blieben Bildung, Gleichheit und Demokratie seine Themen.

Aus seiner Rede von der Anklagebank im Rivonia-Prozess am 20. April 1964, eigene Übersetzung.

Ich habe gegen weiße Vorherrschaft gekämpft, und ich habe gegen schwarze Vorherrschaft gekämpft. Ich habe das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft gehegt, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Chancen zusammenleben.
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Was erreichte Nelson Mandela für den Frieden?

Er führte Südafrika gemeinsam mit Frederik Willem de Klerk aus der Apartheid in eine Demokratie, ohne dass das Land in einen offenen Bürgerkrieg fiel. Schon ab 1985, noch in Haft, suchte er Gespräche mit der Regierung. Mindestens drei Angebote einer Freilassung unter Bedingungen lehnte er ab. Nach seiner Entlassung am 11. Februar 1990 ging er nach den Worten des Nobelkomitees direkt vom Gefängnis an den Verhandlungstisch.

Im Jahr 1991 wurde er Präsident des ANC. In den folgenden Jahren wurden die Gesetze der Apartheid abgeschafft, eine Übergangsverfassung beschlossen und ein Termin für freie Wahlen festgelegt. Das Nobelkomitee verlieh ihm und de Klerk 1993 den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit an einem friedlichen Ende des Apartheid-Regimes. Es schrieb, beide hätten die Versöhnung gewählt statt eines immer bittereren und blutigeren Konflikts.

Am 27. April 1994 durfte er zum ersten Mal in seinem Leben wählen, am 10. Mai 1994 wurde er als erster demokratisch gewählter Präsident vereidigt. Wie angekündigt, trat er 1999 nach einer Amtszeit ab. Damit setzte er ein Zeichen für die friedliche Übergabe von Macht. Für ein Land, das zuvor keine freien Wahlen für alle gekannt hatte, war das ein wichtiger Schritt.

In seiner Nobelvorlesung stellte er sich ausdrücklich in eine Reihe mit früheren Preisträgern: Albert Lutuli und Desmond Tutu aus Südafrika sowie Martin Luther King aus den Vereinigten Staaten. King, schrieb er, habe mit denselben Fragen gerungen, von Krieg und Frieden, Gewalt und Gewaltlosigkeit, Rassismus und Menschenwürde. Die Vereinten Nationen erinnern seit 2010 jedes Jahr an seinem Geburtstag, dem 18. Juli, mit dem Nelson Mandela International Day an ihn.

Welche Kritik gibt es an Nelson Mandela?

Die meiste Kritik richtet sich auf den bewaffneten Kampf, den er ab 1961 mit aufgebaut hat. Nach der Biografie der Nobelstiftung schlug er nach dem Verbot des ANC einen militärischen Arm vor. Im Juni 1961 beschloss die ANC-Führung, Mitglieder, die sich daran beteiligen wollten, nicht daran zu hindern. Umkhonto weSizwe begann am 16. Dezember 1961 mit einer Serie von Sprengstoffanschlägen, und Mandela ließ sich in Marokko und Äthiopien militärisch ausbilden.

Im Rivonia-Prozess wurde er 1964 wegen Sabotage verurteilt, die Anklage lautete auf Planung eines gewaltsamen Umsturzes. Die Apartheid-Regierung stufte den ANC als terroristische Organisation ein. Diese Einordnung wirkte lange nach: Nach einem Bericht der BBC stand Mandela noch bis 2008 auf einer Beobachtungsliste der Vereinigten Staaten zu Terrorismus. Erst ein Gesetz, das Präsident George W. Bush im Juli 2008 unterzeichnete, hob diese Einstufung auf.

Auch der Friedensnobelpreis von 1993 war nicht unumstritten. Er ging gemeinsam an Mandela und an de Klerk, also an Vertreter der Unterdrückten und der früheren Regierung. Der Vorsitzende des Nobelkomitees fragte in seiner Rede selbst, ob man nicht hätte warten sollen, bis die Versöhnung endgültig gelungen ist, und räumte ein, dass manche das so sähen. Während der Verhandlungen wurden nach seinen Worten Zehntausende Menschen getötet.

Das Nobelkomitee erklärte den Wechsel zum bewaffneten Kampf mit einem Klima, das sich nach Sharpeville unaufhaltsam verhärtet hatte. Wer ihn verteidigt, verweist auf die versperrten friedlichen Wege; wer ihn kritisiert, auf die Gewalt als Mittel. Beide Sichtweisen gehören zu seiner Geschichte. Die Nobelstiftung hält zudem fest, dass er in der Haft jedes Angebot ablehnte, für die eigene Freiheit von seiner politischen Haltung abzurücken.

Aus seiner Nobelvorlesung im Rathaus von Oslo am 10. Dezember 1993, eigene Übersetzung.

Möge niemals von künftigen Generationen gesagt werden, dass Gleichgültigkeit, Zynismus oder Selbstsucht uns daran gehindert haben, den Idealen des Humanismus gerecht zu werden, für die der Friedensnobelpreis steht.
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Was bleibt von Nelson Mandela?

Von ihm bleibt vor allem das Beispiel eines Übergangs, bei dem Gegner von gestern gemeinsam eine neue Ordnung aushandeln. Das Nobelkomitee nannte die Versöhnungspolitik von Mandela und de Klerk ein Beispiel dafür, dass es Wege aus dem Teufelskreis von Gewalt und Verbitterung gibt. Dass er nach 27 Jahren Haft ohne erkennbare Bitterkeit auftrat, beschäftigte viele Beobachter. Er selbst sagte laut dem Komitee, er hätte vielleicht bittere Gedanken gehegt, wenn er keine Aufgabe gehabt hätte.

Die Nelson Mandela Foundation, der Nelson Mandela Children’s Fund und die Mandela Rhodes Foundation führen seine Arbeit fort. Die Foundation beschreibt, dass er sich zeitlebens der Demokratie, der Gleichheit und dem Lernen verpflichtet sah. Der internationale Mandela-Tag der Vereinten Nationen am 18. Juli ruft jedes Jahr dazu auf, sich für andere einzusetzen. Damit ist sein Name mit einem Tag des eigenen Engagements verbunden.

In der Geschichte der Gewaltfreiheit nimmt er einen besonderen Platz ein. Er begann mit den Methoden, die Gandhi in Südafrika entwickelt hatte, wandte sich unter dem Druck der Verhältnisse davon ab und kehrte als Verhandler zu einer friedlichen Lösung zurück. Martin Luther King war für ihn ein Bezugspunkt, den er in Oslo ausdrücklich nannte. So verbindet ihn eine gemeinsame Frage mit beiden: wie sich Unrecht beenden lässt, ohne neues zu schaffen.

Für die Friedensarbeit heute bleibt die Einsicht, dass Frieden nach einem langen Konflikt verhandelt werden muss und dass dafür auch mit dem Gegner gesprochen werden muss. Sein Weg zeigt zugleich die Grenzen: Die Apartheid endete, doch das Nobelkomitee schrieb schon 1993, der Kreislauf aus Gewalt und Verbitterung sei noch nicht endgültig durchbrochen. Der Vorsitzende des Komitees fügte hinzu, dass die Arbeit für Frieden und Versöhnung unablässige Anstrengung verlange. Sein Leben ist ein Beispiel dafür.

Ebenfalls aus der Nobelvorlesung vom 10. Dezember 1993, eigene Übersetzung.

Mögen die Bemühungen von uns allen beweisen, dass Martin Luther King Jr. recht hatte, als er sagte, dass die Menschheit nicht länger tragisch an die sternenlose Mitternacht von Rassismus und Krieg gebunden sein kann.
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Häufige Fragen

Wann und wo lebte Nelson Mandela?
Nelson Mandela wurde in Mvezo, Südafrika, geboren und lebte vom 18. Juli 1918 bis 5. Dezember 2013.
Wofür erhielt Nelson Mandela den Friedensnobelpreis?
Nelson Mandela erhielt den Friedensnobelpreis 1993 gemeinsam mit Frederik Willem de Klerk. Das Nobelkomitee ehrte beide für ihre Arbeit an einem friedlichen Ende des Apartheid-Regimes.
Welche Rolle hatte Nelson Mandela?
Nelson Mandela war Anwalt, Anführer des ANC und erster demokratisch gewählter Präsident Südafrikas.
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Lebensweg

  1. 1944Er tritt dem African National Congress bei und gründet dessen Jugendliga mit.
  2. 1952Er leitet die Defiance Campaign, einen zivilen Ungehorsam gegen sechs ungerechte Gesetze, gemeinsam mit dem South African Indian Congress.
  3. 1961Nach dem Massaker von Sharpeville und dem Verbot des ANC gründet er den bewaffneten Arm Umkhonto weSizwe mit.
  4. 1964Im Rivonia-Prozess hält er seine Rede von der Anklagebank. Am 12. Juni wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.
  5. 1990Am 11. Februar wird er aus dem Gefängnis Victor Verster entlassen, neun Tage nach der Aufhebung des ANC-Verbots.
  6. 1993Gemeinsam mit Präsident Frederik Willem de Klerk erhält er in Oslo den Friedensnobelpreis.
  7. 1994Am 27. April wählt er zum ersten Mal in seinem Leben. Am 10. Mai wird er als Präsident vereidigt.

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Keine dieser Personen hat allein gehandelt. Was sie verbindet, ist der Schritt vom Anliegen zur Tat. Dieser Schritt ist auch im Kleinen möglich: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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