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Menschen

Martin Luther King

Ein Pastor aus Atlanta, der zeigte, dass sich Rassentrennung mit Boykotten, Märschen und Reden überwinden lässt, ohne selbst zu Gewalt zu greifen

In Zahlen

1964

Friedensnobelpreis

mit 35 Jahren der bis dahin jüngste Preisträger

382

Tage Busboykott

in Montgomery, bis Busse ohne Rassentrennung fuhren

250.000

Menschen in Washington

beim Marsch 1963 mit der Rede „I Have a Dream“

Lebensdaten
15. Januar 1929 bis 4. April 1968
Herkunft
Atlanta, Vereinigte Staaten
Rolle
Baptistenpastor und Anführer der Bürgerrechtsbewegung
Auszeichnung
Friedensnobelpreis 1964
Schwarz-Weiß-Porträt von Martin Luther King im Anzug mit gemusterter Krawatte
Martin Luther King im Jahr 1964, dem Jahr seines Friedensnobelpreises.Fotografie von Bernie Faingold, 1964, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Wer war Martin Luther King?

Martin Luther King war ein amerikanischer Baptistenpastor und die bekannteste Stimme der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten. Er wurde am 15. Januar 1929 in Atlanta geboren und hieß zunächst Michael Luther King, erst später wurde sein Vorname in Martin geändert. Schon sein Großvater und sein Vater waren Pastoren der Ebenezer Baptist Church in Atlanta, an der er ab 1960 selbst als Mitpastor wirkte. Er wuchs in einem Süden auf, in dem Schulen, Busse und Restaurants nach Hautfarbe getrennt waren.

Seine Ausbildung verlief schnell. Mit fünfzehn Jahren schloss er die Schule ab, 1948 erwarb er einen Abschluss am Morehouse College in Atlanta, danach studierte er Theologie am Crozer Theological Seminary in Pennsylvania. An der Boston University promovierte er 1955. In Boston lernte er Coretta Scott kennen, die er heiratete und mit der er vier Kinder hatte.

Im Jahr 1954 wurde er Pastor der Dexter Avenue Baptist Church in Montgomery, Alabama. Dort übernahm er Ende 1955 die Führung des Busboykotts, der ihn landesweit bekannt machte. Zwei Jahre später wurde er Präsident der Southern Christian Leadership Conference, einer Vereinigung, die der wachsenden Bürgerrechtsbewegung eine neue Führung geben sollte. Nach der Biografie der Nobelstiftung reiste er zwischen 1957 und 1968 mehr als sechs Millionen Meilen und hielt über 2.500 Reden.

Er wurde über zwanzig Mal verhaftet und mindestens viermal tätlich angegriffen, sein Haus in Montgomery wurde mit einer Bombe beschädigt. Am 4. April 1968 wurde er auf dem Balkon seines Motels in Memphis, Tennessee, erschossen. Er war dorthin gereist, um einen Protestmarsch für streikende Müllarbeiter anzuführen. Er wurde 39 Jahre alt.

Wofür setzte sich Martin Luther King ein?

Er setzte sich für gleiche Bürgerrechte der afroamerikanischen Bevölkerung ein und dafür, dieses Ziel ausschließlich mit gewaltfreien Mitteln zu erreichen. Das Nobelkomitee begründete seinen Preis mit seinem gewaltfreien Kampf für die Bürgerrechte. Er wollte die Rassentrennung in Schulen, Verkehrsmitteln und Geschäften beenden und das Wahlrecht für alle durchsetzen. Dahinter stand die Überzeugung, dass Menschen nach ihrem Charakter beurteilt werden sollen und nicht nach ihrer Hautfarbe.

Seine Grundlagen fand er an zwei Orten. Für die Southern Christian Leadership Conference nahm er die Ideale aus dem Christentum und die Methoden des Widerstands von Mahatma Gandhi, wie es in der Biografie der Nobelstiftung heißt. Schon während des Studiums hatte er sich mit Gandhi beschäftigt; das King Institute der Stanford University zitiert ihn mit dem Satz, Christus habe den Weg gezeigt und Gandhi habe in Indien bewiesen, dass er funktioniere. Gewaltfreiheit war für ihn keine Taktik für einen Moment, sondern eine Haltung, die auch den Gegner als Menschen achtet.

Praktisch hieß das Boykott, Marsch, Sitzstreik und ziviler Ungehorsam. Wer an diesen Aktionen teilnahm, sollte Gewalt ertragen, aber nicht erwidern. In seiner Nobelvorlesung beschrieb er, dass die Bewegung Leid auf sich genommen habe, statt es anderen zuzufügen. Die Fernsehbilder von Polizeihunden und Wasserwerfern gegen junge Demonstrierende in Birmingham 1963 lösten landesweite Empörung aus und erhöhten den Druck für neue Bürgerrechtsgesetze.

In seinen letzten Jahren weitete er seinen Blick. Nach der Darstellung des King Center rückten ab 1965 wirtschaftliche Gerechtigkeit und internationaler Frieden stärker in den Mittelpunkt. Er führte Kampagnen in Chicago, sprach sich gegen den Vietnamkrieg aus und plante die „Poor People’s Campaign“, ein Bündnis armer Menschen unterschiedlicher Herkunft. Armut und Krieg sah er als Teile desselben Problems wie den Rassismus.

Aus seiner Dankesrede zum Friedensnobelpreis in der Universität Oslo am 10. Dezember 1964, eigene Übersetzung.

Ich glaube, dass die unbewaffnete Wahrheit und die bedingungslose Liebe in der Wirklichkeit das letzte Wort haben werden.
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Was erreichte Martin Luther King für den Frieden?

Er trug entscheidend dazu bei, dass die gesetzliche Rassentrennung in den Vereinigten Staaten ohne Bürgerkrieg und ohne bewaffneten Aufstand endete. Der Busboykott von Montgomery dauerte 382 Tage und endete im Dezember 1956, nachdem der Oberste Gerichtshof die Trennung in Bussen für verfassungswidrig erklärt hatte. Tausende Menschen gingen in dieser Zeit täglich zu Fuß zur Arbeit. Der Boykott wurde zum Vorbild für viele weitere gewaltfreie Aktionen.

Im Jahr 1963 folgten die Proteste in Birmingham und der Marsch auf Washington, an dem rund 250.000 Menschen teilnahmen. Nach Einschätzung des King Center trug der Marsch dazu bei, dass der Kongress 1964 den Civil Rights Act verabschiedete. Das Gesetz verbot Diskriminierung bei der Arbeit, in öffentlichen Einrichtungen, in Schulen und im Verkehr. Ein Jahr später folgte der Voting Rights Act, der die verbliebenen Hürden beim Wahlrecht beseitigte.

Mit 35 Jahren erhielt er 1964 den Friedensnobelpreis, damals als jüngster Preisträger. Das Preisgeld von 54.123 Dollar gab er nach Angaben der Nobelstiftung an die Bürgerrechtsbewegung weiter. In seiner Nobelvorlesung schlug er vor, die Philosophie der Gewaltfreiheit in jedem Feld menschlicher Konflikte zu erproben, ausdrücklich auch zwischen Staaten. Damit weitete er den Gedanken von der amerikanischen Rassenfrage auf die Frage von Krieg und Frieden aus.

Seine Wirkung reichte über die Vereinigten Staaten hinaus. Nelson Mandela nannte ihn 1993 in seiner eigenen Nobelvorlesung ausdrücklich unter seinen Vorgängern und schrieb, auch King habe mit den großen Fragen von Krieg und Frieden, Gewalt und Gewaltlosigkeit gerungen. Der Weg, den er von Gandhi übernommen hatte, wurde so an andere Bewegungen weitergegeben. Sein Beispiel zeigte, dass gewaltfreier Druck politische Veränderungen erzwingen kann, die zuvor als unmöglich galten.

Welche Kritik gibt es an Martin Luther King?

Kritik kam zu seinen Lebzeiten aus sehr unterschiedlichen Richtungen: von Teilen der Bürgerrechtsbewegung, von großen Zeitungen und vom Staat selbst. Innerhalb der Bewegung hielten manche seinen gewaltfreien Kurs für zu langsam. Ab 1966 wandten sich Organisationen wie das Student Nonviolent Coordinating Committee unter dem Schlagwort „Black Power“ von der Gewaltfreiheit ab. Er selbst lehnte den Begriff ab, weil er darin Anklänge an Gewalt und Abgrenzung sah, versuchte aber, die Enttäuschung dahinter zu verstehen.

Seine Rede gegen den Vietnamkrieg vom 4. April 1967 stieß auf breite Ablehnung. Nach der Darstellung des King Institute der Stanford University kritisierten die Washington Post und die New York Times die Rede in Leitartikeln. Auch die Bürgerrechtsorganisation NAACP und der Diplomat Ralph Bunche warfen ihm vor, zwei getrennte Themen zu vermischen. Er hielt dennoch an seiner Position fest und begründete sie moralisch und wirtschaftlich.

Das FBI beobachtete ihn seit dem Busboykott 1955 und ging in den 1960er Jahren verdeckt gegen ihn vor. Direktor J. Edgar Hoover vermutete kommunistischen Einfluss, fand dafür aber keinen Beleg. Die Überwachung brachte Hinweise auf außereheliche Beziehungen hervor, die das FBI nutzte, um ihn bei Unterstützern und Medien zu diskreditieren. Ein Untersuchungsausschuss des US-Senats kam in den 1970er Jahren zu dem Schluss, dass diese Kampagne der Bewegung geschadet hat.

Auch seine eigene Bilanz blieb offen. Die Gesetze von 1964 und 1965 beendeten die rechtliche Trennung, aber nicht die Armut, die er in seinen letzten Jahren in den Mittelpunkt stellte. Die „Poor People’s Campaign“ sollte nach der Darstellung des King Center der Abschluss seiner Arbeit in diesen Jahren sein. Ihr Ergebnis erlebte er nicht mehr, und die Frage, wie sich Armut ohne Gewalt überwinden lässt, blieb nach seinem Tod unbeantwortet.

Aus seiner Nobelvorlesung in Oslo am 11. Dezember 1964, eigene Übersetzung.

Wir wählen das Mittel der Gewaltlosigkeit, weil unser Ziel eine Gemeinschaft ist, die mit sich selbst in Frieden lebt.
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Was bleibt von Martin Luther King?

Es bleibt vor allem der Nachweis, dass eine unterdrückte Minderheit ihre Rechte ohne Waffen durchsetzen kann. Seine Rede „I Have a Dream“, seine Nobelvorlesung und der „Letter from Birmingham Jail“ gehören nach Angabe des King Center zu den bekanntesten Texten in englischer Sprache. Sie werden in Schulen gelesen und an Universitäten weltweit studiert. Der Brief aus Birmingham gilt als die klarste Begründung seines Wegs.

Die Vereinigten Staaten ehren ihn mit einem nationalen Feiertag, als einzigen Menschen, der kein Präsident war. In Washington steht ein Denkmal für ihn auf der National Mall. Seine Witwe Coretta Scott King gründete noch 1968 in Atlanta das Martin Luther King Jr. Center for Nonviolent Social Change. Es soll sein Werk fortführen und die Methode der Gewaltfreiheit weitergeben.

Seine Gedanken wirkten auf andere Bewegungen zurück. Er selbst hatte von Gandhi gelernt, und Nelson Mandela berief sich 1993 in Oslo auf ihn. So entstand eine Linie, die von Indien über die Vereinigten Staaten bis nach Südafrika reicht. Keiner der drei ging denselben Weg, aber alle rangen mit der Frage, wie sich Unrecht überwinden lässt, ohne neues Unrecht zu schaffen.

Für die Friedensarbeit heute bleibt vor allem ein Gedanke aus seiner Nobelvorlesung: Gewaltfreiheit als Methode verdient es, in jedem Konflikt ernsthaft geprüft zu werden. Er meinte damit keine Passivität, sondern organisierten, beharrlichen Druck, der den Gegner nicht vernichten, sondern gewinnen will. Dass dieser Weg Zeit, Mut und viele Beteiligte braucht, zeigt sein eigenes Leben. Dass er gelingen kann, ebenso.

Ebenfalls aus der Nobelvorlesung vom 11. Dezember 1964, eigene Übersetzung.

Ich bin weiterhin überzeugt, dass Gewaltlosigkeit der praktisch vernünftigste und moralisch beste Weg ist, das uralte Problem der Rassenungerechtigkeit anzugehen.
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Häufige Fragen

Wann und wo lebte Martin Luther King?
Martin Luther King wurde in Atlanta, Vereinigte Staaten, geboren und lebte vom 15. Januar 1929 bis 4. April 1968.
Wofür erhielt Martin Luther King den Friedensnobelpreis?
Martin Luther King erhielt den Friedensnobelpreis 1964 und war mit 35 Jahren der bis dahin jüngste Preisträger. Das Nobelkomitee begründete den Preis mit seinem gewaltfreien Kampf für die Bürgerrechte.
Welche Rolle hatte Martin Luther King?
Martin Luther King war Baptistenpastor und Anführer der Bürgerrechtsbewegung.
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Lebensweg

  1. 1955In Montgomery, Alabama, übernimmt er die Führung des Busboykotts. Nach 382 Tagen fahren Schwarze und Weiße gleichberechtigt in den Bussen der Stadt.
  2. 1957Er wird Präsident der neu gegründeten Southern Christian Leadership Conference, die er bis zu seinem Tod leitet.
  3. 1963Nach den Protesten in Birmingham schreibt er im Gefängnis den „Letter from Birmingham Jail“. Im August spricht er beim Marsch auf Washington.
  4. 1964Der Kongress verabschiedet den Civil Rights Act. Im Dezember nimmt er in Oslo den Friedensnobelpreis entgegen.
  5. 1965Nach dem Marsch von Selma nach Montgomery folgt der Voting Rights Act, der die Hürden beim Wahlrecht abbaut.
  6. 1967In der Riverside Church in New York spricht er sich öffentlich gegen den Vietnamkrieg aus und erntet dafür viel Kritik.
  7. 1968Am 4. April wird er in Memphis, Tennessee, ermordet, wo er einen Streik der Müllarbeiter unterstützen wollte.

Vom Vorbild zur eigenen Mission

Keine dieser Personen hat allein gehandelt. Was sie verbindet, ist der Schritt vom Anliegen zur Tat. Dieser Schritt ist auch im Kleinen möglich: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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