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Menschen

Mahatma Gandhi

Ein Anwalt aus Porbandar, der den gewaltfreien Widerstand zu einer Methode für Millionen machte und damit Bewegungen weit über Indien hinaus prägte

In Zahlen

21

Jahre in Südafrika

dort entwickelte er seine Methode des gewaltfreien Widerstands

60.000

Inhaftierte beim Salzprotest

nach dem Salzmarsch von 1930 gegen das britische Salzgesetz

5

Nominierungen

für den Friedensnobelpreis, verliehen wurde er ihm nie

Lebensdaten
2. Oktober 1869 bis 30. Januar 1948
Herkunft
Porbandar, Indien
Rolle
Anwalt und Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung
Auszeichnung
Kein Friedensnobelpreis, trotz fünf Nominierungen zwischen 1937 und 1948
Schwarz-Weiß-Aufnahme von Mahatma Gandhi mit runder Brille und weißem Tuch
Mahatma Gandhi 1931 in einem Londoner Fotostudio, während seines Aufenthalts in England.Fotografie von Elliott und Fry, 1931, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Wer war Mahatma Gandhi?

Mahatma Gandhi war ein indischer Anwalt und politischer Anführer, der die Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Kolonialherrschaft mit gewaltfreiem Widerstand prägte. Er hieß mit vollem Namen Mohandas Karamchand Gandhi und wurde am 2. Oktober 1869 in Porbandar im Westen Indiens geboren, wo sein Vater oberster Minister war. „Mahatma“ ist ein Ehrenname und bedeutet nach der Erklärung der Nobelstiftung „große Seele“. Seine Mutter war eine tief religiöse Hindu, und die Familie gehörte einer Richtung des Hinduismus an, in der Gewaltlosigkeit und Toleranz zwischen den Religionen viel galten.

Mit 18 Jahren ging er nach England, um Jurist zu werden. Nach seiner Rückkehr fand er in Indien zunächst keine gut bezahlte Arbeit und nahm 1893 einen Vertrag bei einer indischen Firma in Südafrika an. Aus einem geplanten Jahr wurden 21 Jahre. Dort erlebte er zum ersten Mal staatlich verordnete Rassendiskriminierung und organisierte die indische Gemeinschaft gegen Gesetze, die sie benachteiligten.

Im Jahr 1915 kehrte er nach Indien zurück, wo sich die Nachricht von seiner Arbeit in Südafrika bereits verbreitet hatte. Innerhalb weniger Jahre machte er den Indischen Nationalkongress zu einer Massenbewegung für die Selbstregierung. Er rief zum Boykott britischer Waren und Einrichtungen auf und wurde mehrfach verhaftet. Im Jahr 1922 wurde er wegen Aufruhrs zu einer Haftstrafe verurteilt und verbrachte zwei Jahre im Gefängnis.

Im August 1947 übergab Großbritannien die Macht an zwei unabhängige Staaten, Indien und Pakistan. Die Teilung war trotz seiner Appelle von Gewalt und Unruhen begleitet, und in seinen letzten Monaten bemühte er sich, die Gewalt zwischen Hindus und Muslimen zu beenden. Am 30. Januar 1948 wurde er in Delhi auf dem Weg zu einem Gebetstreffen erschossen. Er wurde 78 Jahre alt.

Wofür setzte sich Mahatma Gandhi ein?

Er setzte sich für die Selbstregierung Indiens ein und dafür, sie ohne Gewalt zu erreichen. Nach der Darstellung der Nobelstiftung war Gewaltlosigkeit für viele indische Nationalisten vor allem eine Taktik gegen die Briten, für ihn dagegen eine Frage des Prinzips. Er wollte den Gegner nicht besiegen, sondern dazu bringen, das Unrecht seiner Gesetze selbst zu erkennen. Diese Haltung prägte alles, was er politisch unternahm.

Seine Methode nannte er Satyagraha, was sich nach der Erklärung des King Institute der Stanford University mit „Wahrheitskraft“ oder „Liebeskraft“ übersetzen lässt. Dazu gehörten öffentliches Fasten, Arbeitsniederlegungen, Boykotte und der bewusste Bruch ungerechter Gesetze. Wer daran teilnahm, sollte die Strafe dafür offen annehmen und keine Gewalt erwidern. So sollte die Ungerechtigkeit für alle sichtbar werden.

Er dachte dabei nicht nur an die Kolonialherrschaft. Anfang der 1930er Jahre fastete er im Gefängnis gegen getrennte Wahllisten für die sogenannten Unberührbaren, die unterste Gruppe im indischen Kastensystem. Nach der Darstellung des King Institute trug dieses Fasten dazu bei, dass die Diskriminierung der Unberührbaren 1947 verboten wurde. Auch die Verständigung zwischen Hindus und Muslimen war ihm ein Anliegen bis zuletzt.

Rassentrennung lehnte er auch außerhalb Indiens ab. Über die Lage der Afroamerikaner in den Vereinigten Staaten schrieb er, die Trennung sei eine „Verneinung der Zivilisation“. Afroamerikanische Besucher wie Howard Thurman 1935 und Benjamin Mays 1936 trafen ihn in Indien. So gelangten seine Gedanken in die Kreise, aus denen später die amerikanische Bürgerrechtsbewegung hervorging.

Aus seiner Wochenzeitung „Harijan“ vom 20. Juli 1935, nachgewiesen in der Sammlung „The Mind of Mahatma Gandhi“, eigene Übersetzung.

Gewaltlosigkeit ist die größte Kraft, die der Menschheit zur Verfügung steht. Sie ist mächtiger als die mächtigste Vernichtungswaffe, die der Erfindungsgeist des Menschen ersonnen hat.
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Was erreichte Mahatma Gandhi für den Frieden?

Er machte den gewaltfreien Widerstand zu einer Methode, mit der Millionen Menschen ohne Waffen gegen eine Kolonialmacht aufstehen konnten. Die Nobelstiftung nennt ihn das stärkste Symbol der Gewaltlosigkeit im 20. Jahrhundert. Seine Kampagnen zeigten, dass gemeinsame Verweigerung eine politische Kraft sein kann. Die Unabhängigkeit Indiens, die 1947 kam, war das Ziel, für das er diese Massenbewegung aufgebaut hatte.

Das bekannteste Beispiel ist der Salzmarsch von 1930. Mit 80 Freiwilligen lief er rund 200 Meilen bis ans Meer und gewann dort Salz aus Meerwasser, um das britische Salzgesetz zu brechen, das der Kolonialregierung eine Steuer auf den Verkauf von Salz sicherte. Nach der Darstellung des King Institute ließen sich im Lauf des Protests über 60.000 Inder dafür verhaften. Nach einem Jahr handelte er mit Lord Irwin, dem Vertreter der britischen Regierung, einen Waffenstillstand aus.

Seine größte Wirkung entfaltete er über Indien hinaus. Martin Luther King lernte seine Gedanken im Studium kennen und nannte die Philosophie Gandhis laut dem King Institute die einzige moralisch und praktisch vernünftige Methode für unterdrückte Menschen. Auch Nelson Mandela orientierte sich nach der Darstellung des Nobelkomitees anfangs an seinen gewaltfreien Methoden. Beide trugen seinen Ansatz in ihre eigenen Kämpfe gegen Rassentrennung.

Die Vereinten Nationen beschlossen am 15. Juni 2007, seinen Geburtstag am 2. Oktober als Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit zu begehen. Die Resolution bekräftigt nach Angaben der UN die universelle Bedeutung des Prinzips der Gewaltlosigkeit. Das Nobelkomitee nannte die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama 1989 zum Teil eine Würdigung seines Andenkens. Damit wurde sein Beitrag auch dort anerkannt, wo er selbst nie ausgezeichnet wurde.

Welche Kritik gibt es an Mahatma Gandhi?

Die deutlichste Kritik betrifft seine frühen Äußerungen über Schwarze in Südafrika. Nach einem Bericht der BBC bezeichnete er schwarze Südafrikaner in frühen Schriften mit einem rassistischen Schimpfwort und schrieb, Inder seien ihnen „unendlich überlegen“. An der University of Ghana in Accra forderten Lehrende deshalb ab 2016 per Petition die Entfernung einer Gandhi-Statue. Im Dezember 2018 wurde sie abgebaut.

Schon zu Lebzeiten wurde dieser Punkt angesprochen. Der Berater des Nobelkomitees, Jacob Worm-Müller, schrieb 1937 in seinem Gutachten, sein bekannter Kampf in Südafrika habe nur den Indern gegolten und nicht den Schwarzen, deren Lebensbedingungen noch schlechter gewesen seien. Er würdigte ihn als Person, sah ihn als politischen Anführer aber kritischer. Ob seine Ideale universell oder vor allem indisch gemeint waren, stellte er offen in Frage.

Aus der Friedensbewegung kam der Einwand, er sei kein durchgehender Pazifist gewesen. Nach der Darstellung der Nobelstiftung hielten ihm Kritiker vor, er hätte wissen müssen, dass manche seiner Kampagnen in Gewalt umschlagen würden, wie während der Kampagne der Nichtzusammenarbeit in Chauri Chaura, wo eine Menge eine Polizeistation angriff und viele Polizisten tötete. Andere sahen in ihm vor allem einen indischen Nationalisten. Er selbst brach Kampagnen ab, wenn sie gewaltsam wurden, so bereits 1919.

Im Jahr 1947 sprach sich die Mehrheit des Nobelkomitees gegen ihn aus. Er hatte kurz zuvor bei einem Gebetstreffen gesagt, er sei immer gegen jeden Krieg gewesen, doch Indien müsse gegen Pakistan in den Krieg ziehen, wenn es keinen anderen Weg zu Gerechtigkeit gebe. Einige Mitglieder sahen darin eine Abkehr von seiner Ablehnung des Krieges. Nach seinem Tod vergab das Komitee 1948 keinen Preis, weil es keinen geeigneten lebenden Kandidaten gebe; die Nobelstiftung hält es für wahrscheinlich, dass er ausgezeichnet worden wäre, hätte er ein Jahr länger gelebt.

Aus seiner Zeitschrift „Young India“ vom 8. Oktober 1925, nachgewiesen in derselben Sammlung, eigene Übersetzung.

Ich will die Schneide des Schwertes des Tyrannen ganz stumpf machen, nicht indem ich ihm eine schärfere Waffe entgegenhalte, sondern indem ich seine Erwartung enttäusche, dass ich körperlichen Widerstand leiste.
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Was bleibt von Mahatma Gandhi?

Von ihm bleibt vor allem eine Methode: der organisierte, gewaltfreie Widerstand vieler Menschen gegen Gesetze, die sie für ungerecht halten. Er zeigte, dass Fasten, Boykott und bewusster Gesetzesbruch politische Macht entfalten können, wenn genug Menschen mitmachen. Diese Werkzeuge wurden später in vielen Ländern aufgegriffen. Sie funktionieren bis heute ohne Waffen und ohne großen Apparat.

Seine Wirkung zeigt sich besonders deutlich an zwei Menschen. Martin Luther King übernahm seine Methoden für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und bezeichnete ihn nach Angabe des King Institute als den größten Christen der modernen Welt, obwohl Gandhi Hindu war. Nelson Mandela begann seinen Widerstand in Südafrika, dem Land, in dem Gandhi seine Methode entwickelt hatte, ebenfalls gewaltfrei. So verbindet eine gemeinsame Frage die drei: wie sich Unrecht beenden lässt, ohne neues zu schaffen.

Zugleich ist sein Bild vielschichtiger geworden. Seine frühen Äußerungen über Schwarze in Südafrika, die Zweifel des Nobelkomitees und die Gewalt bei der Teilung Indiens gehören ebenso zu seiner Geschichte wie seine Erfolge. Die Nobelstiftung beschreibt, dass er schon zu Lebzeiten viele Bewunderer hatte, aber auch viele Kritiker. Ein ehrlicher Blick auf ihn schließt beides ein.

Für die Friedensarbeit heute bleibt sein Grundsatz, dass Mittel und Ziel zusammenpassen müssen. Die Vereinten Nationen fassen seine Überzeugung so zusammen, dass gerechte Mittel zu gerechten Zielen führen und Gewalt kein Weg zu einer friedlichen Gesellschaft ist. Der Internationale Tag der Gewaltlosigkeit am 2. Oktober erinnert jedes Jahr daran. Die Frage, ob sich Konflikte ohne Gewalt lösen lassen, stellt sich seitdem immer wieder neu.

Häufige Fragen

Wann und wo lebte Mahatma Gandhi?
Mahatma Gandhi wurde in Porbandar, Indien, geboren und lebte vom 2. Oktober 1869 bis 30. Januar 1948.
Hat Mahatma Gandhi den Friedensnobelpreis erhalten?
Nein. Mahatma Gandhi wurde zwischen 1937 und 1948 fünfmal für den Friedensnobelpreis nominiert, verliehen wurde er ihm nie.
Welche Rolle hatte Mahatma Gandhi?
Mahatma Gandhi war Anwalt und Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung.
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Lebensweg

  1. 1893Er geht als Anwalt für eine indische Handelsfirma nach Natal in Südafrika und setzt sich dort für die indische Minderheit ein.
  2. 1915Er kehrt nach Indien zurück, wo sein Wirken in Südafrika bereits bekannt ist.
  3. 1919Gegen die Rowlatt-Gesetze ruft er zu Fasten und Arbeitsniederlegung auf. Als es zu Gewalt kommt, bricht er die Kampagne ab.
  4. 1922Er wird wegen Aufruhrs verhaftet und verbringt zwei Jahre im Gefängnis.
  5. 1930Mit 80 Freiwilligen beginnt er den Salzmarsch zum Meer, um das britische Salzgesetz bewusst zu brechen.
  6. 1947Großbritannien übergibt die Macht an zwei unabhängige Staaten, Indien und Pakistan. Die Teilung wird von schwerer Gewalt begleitet.
  7. 1948Am 30. Januar wird er in Delhi auf dem Weg zu einem Gebetstreffen ermordet.

Vom Vorbild zur eigenen Mission

Keine dieser Personen hat allein gehandelt. Was sie verbindet, ist der Schritt vom Anliegen zur Tat. Dieser Schritt ist auch im Kleinen möglich: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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