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Menschen

Kofi Annan

Der erste Generalsekretär aus den eigenen Reihen der Vereinten Nationen, der Menschenrechte über staatliche Souveränität stellte und aus den Fehlern der Organisation Lehren zog

In Zahlen

2001

Friedensnobelpreis

zu gleichen Teilen mit den Vereinten Nationen

7

Generalsekretär der Vereinten Nationen

als erster aus dem eigenen Personal der Organisation

10

Jahre im Amt

zwei Amtszeiten vom 1. Januar 1997 bis 31. Dezember 2006

Lebensdaten
8. April 1938 bis 18. August 2018
Herkunft
Kumasi, Ghana
Rolle
Siebter Generalsekretär der Vereinten Nationen
Auszeichnung
Friedensnobelpreis 2001
Kofi Annan mit grauem Bart spricht vor dem blauen Emblem der Vereinten Nationen
Kofi Annan vor der Presse im Büro der Vereinten Nationen in Genf am 30. Juni 2012.Fotografie der US-Mission in Genf, 2012, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Wer war Kofi Annan?

Kofi Annan war von 1997 bis 2006 Generalsekretär der Vereinten Nationen und erhielt 2001 gemeinsam mit der Organisation den Friedensnobelpreis. Er wurde am 8. April 1938 in Kumasi geboren, in der damaligen britischen Kolonie Goldküste. Sein Vater war ein traditionelles Oberhaupt und Gouverneur der Provinz Ashanti. Annan starb am 18. August 2018 nach kurzer Krankheit in Bern.

Er besuchte eine methodistische Schule, die Mfantsipim School, und schloss sie 1957 ab, im Jahr, in dem die Goldküste unabhängig wurde und den Namen Ghana annahm. Danach studierte er an einer technischen Hochschule in Ghana und setzte seine Ausbildung in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten fort. In Genf besuchte er das Graduate Institute, 1972 schloss er ein Managementstudium an der Sloan School des Massachusetts Institute of Technology ab.

Seine Laufbahn bei den Vereinten Nationen begann 1962 als Haushaltsreferent bei der Weltgesundheitsorganisation. Er arbeitete danach unter anderem als Personalchef beim Hohen Flüchtlingskommissar in Genf und wurde 1987 Beigeordneter Generalsekretär. 1993 übernahm er als Untergeneralsekretär die Abteilung für Friedenssicherungseinsätze. In diese Zeit fallen der Völkermord in Ruanda und das Massaker von Srebrenica, deren Aufarbeitung ihn später als Generalsekretär beschäftigte.

Ab dem 1. Januar 1997 führte er die Vereinten Nationen als siebter Generalsekretär, zwei Amtszeiten lang bis Ende 2006. Er war der erste in diesem Amt, der aus dem eigenen Personal der Organisation kam. Nach seiner Amtszeit gründete er 2007 die Kofi Annan Foundation in Genf und blieb als Vermittler gefragt. Bis zu seinem Tod leitete er zudem The Elders, die Gruppe unabhängiger Persönlichkeiten, die Nelson Mandela gegründet hatte.

Wofür setzte sich Kofi Annan ein?

Er setzte sich dafür ein, den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt der internationalen Politik zu stellen, nicht allein den Staat. In seiner Nobelvorlesung sagte er, er habe in seiner Amtszeit versucht, den Menschen ins Zentrum aller Arbeit zu rücken, von der Konfliktverhütung über die Entwicklung bis zu den Menschenrechten. Der Frieden gehöre nicht nur Staaten oder Völkern, sondern jedem einzelnen Mitglied dieser Gemeinschaften. Daraus leitete er drei Prioritäten ab: Armut beseitigen, Konflikte verhüten, Demokratie fördern.

Besonders deutlich wurde diese Haltung in der Frage der Souveränität. Das Nobelkomitee hob 2001 hervor, er habe klargemacht, dass Souveränität kein Schild sein dürfe, hinter dem Staaten ihre Verbrechen verbergen. Unter seiner Führung erkannten die Mitgliedstaaten 2005 die Schutzverantwortung an. Sie besagt, dass die internationale Gemeinschaft Menschen vor Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schützen muss, wenn ihr eigener Staat es nicht tut.

Ein zweites Anliegen war der Kampf gegen Armut und Krankheit. Unter seiner Leitung verabschiedeten die Mitgliedstaaten im Jahr 2000 die Millenniums-Entwicklungsziele, den ersten weltweiten Plan zur Bekämpfung der Armut. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Gründung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Mit dem Global Compact lud er 1999 Unternehmen ein, sich zu sozialer Verantwortung zu verpflichten.

Er glaubte an Gespräche mit allen Beteiligten, auch mit Unternehmen, Kommunen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Die Kofi Annan Foundation erinnert an diesen Ansatz mit dem Satz, dass Regierungen allein die Zukunft nicht gestalten können. In der Nobelvorlesung verband er diese Überzeugung mit dem Bild eines Mädchens, das an diesem Tag in Afghanistan geboren werde. Ihr Schicksal sei ein Prüfstein für die gemeinsame Menschlichkeit und die Verantwortung jedes Einzelnen.

Aus seiner Nobelvorlesung am 10. Dezember 2001 in Oslo, eigene Übersetzung.

Die wirklichen Grenzen verlaufen heute nicht zwischen Nationen, sondern zwischen Mächtigen und Machtlosen, Freien und Gefesselten, Privilegierten und Gedemütigten.
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Was erreichte Kofi Annan für den Frieden?

Er erneuerte die Vereinten Nationen nach dem Ende des Kalten Krieges und stärkte ihre Rolle bei Friedenssicherung und Menschenrechten. Das Nobelkomitee würdigte 2001, er habe der Organisation neues Leben eingehaucht und ihre begrenzten Mittel wirksamer eingesetzt. Unter seiner Führung wurden die Friedenseinsätze ausgebaut, um mit der stark gestiegenen Zahl an Missionen und Personal Schritt zu halten. Zudem entstanden zwei neue Gremien: die Kommission für Friedenskonsolidierung und der Menschenrechtsrat.

Als Generalsekretär vermittelte er in zahlreichen Krisen. Nach Angaben von The Elders half er 1998, den Übergang Nigerias zu einer zivilen Regierung zu erleichtern, und trug im selben Jahr dazu bei, eine militärische Eskalation im Streit um Waffeninspektionen im Irak abzuwenden. 1999 war er eng in den Prozess eingebunden, durch den Timor-Leste von Indonesien unabhängig wurde. Diese Beispiele zeigen, wie er das Amt als Vermittler zwischen Konfliktparteien nutzte.

Auch nach seiner Amtszeit blieb er Vermittler. Anfang 2008 leitete er im Auftrag der Afrikanischen Union ein Gremium angesehener afrikanischer Persönlichkeiten, das nach der Gewalt im Anschluss an die Wahl in Kenia eine friedliche Lösung suchte. 2012 war er für einige Monate Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien. 2016 übernahm er den Vorsitz einer Beratungskommission zum Rakhine-Staat in Myanmar.

Bei The Elders arbeitete er eng mit Jimmy Carter zusammen. Beide gehörten 2007 zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe, die Nelson Mandela zusammenrief. 2008 lenkten sie gemeinsam mit Graça Machel die Aufmerksamkeit auf die humanitäre Krise in Simbabwe, und im Januar 2011 leiteten Carter und Annan zusammen die Beobachtung des Unabhängigkeitsreferendums im Südsudan. Später wurde Annan Vorsitzender der Elders und blieb es bis zu seinem Tod.

Welche Kritik gibt es an Kofi Annan?

Die schwerste Kritik betrifft seine Zeit als Leiter der Abteilung für Friedenssicherung, als die Vereinten Nationen weder den Völkermord in Ruanda 1994 noch das Massaker von Srebrenica 1995 verhinderten. Zu beiden Fällen legten die Vereinten Nationen 1999 Berichte vor: zu Ruanda eine von ihm eingesetzte unabhängige Untersuchung, zu Srebrenica einen Bericht, den er im Auftrag der Generalversammlung selbst vorlegte. Die Berichte beschreiben ein Versagen des gesamten Systems: der Mitgliedstaaten, des Sicherheitsrats und des Sekretariats. Sie benennen aber auch Fehler der Abteilung, die er damals leitete.

Der unabhängige Untersuchungsbericht zu Ruanda vom Dezember 1999 kommt zu dem Schluss, dass die Vereinten Nationen den Völkermord an rund 800.000 Menschen weder verhindert noch gestoppt haben. Als grundlegende Ursache nennt er fehlende Mittel und fehlenden politischen Willen der Mitgliedstaaten, aber auch schwere Fehler mit den vorhandenen Mitteln. Kritisiert wird insbesondere der Umgang mit einer Warnung des Kommandeurs der Blauhelme vom 11. Januar 1994, die auf Pläne zur Vernichtung der Tutsi hinwies. Nach dem Bericht unterrichtete die Leitung der Friedensabteilung den damaligen Generalsekretär nicht über dieses Telegramm, und auch der Sicherheitsrat wurde nicht informiert.

Zu Srebrenica legte er als Generalsekretär im November 1999 selbst einen Bericht vor. Darin schreibt er, dass er als früherer Untergeneralsekretär für Friedenssicherung die Versäumnisse der Organisation schmerzlich kenne und Kritik am Sekretariat nicht abwehren wolle. Der Bericht räumt Fehleinschätzungen ein, die in einer für diesen Krieg ungeeigneten Haltung der Unparteilichkeit und Gewaltlosigkeit wurzelten. Zugleich hält er fest, dass der Sicherheitsrat die Schutzzonen ohne glaubwürdige militärische Abschreckung eingerichtet hatte.

Der Ruanda-Bericht verlangt, dass jeder Teil des Systems seinen Anteil an der Verantwortung anerkennt, ausdrücklich auch der Generalsekretär und das Sekretariat. Im Srebrenica-Bericht heißt es, die Vereinten Nationen trügen ihren Teil der Verantwortung und hätten ihr eigenes Handeln mit tiefstem Bedauern überprüft. Die primäre und unmittelbarste Verantwortung liegt nach diesem Bericht bei denen, die die Verbrechen planten und ausführten. Als zentrale Lehre hält er fest, dass einem planmäßigen Versuch, ein ganzes Volk zu terrorisieren, zu vertreiben oder zu ermorden, entschlossen begegnet werden müsse.

Ebenfalls aus der Nobelvorlesung vom 10. Dezember 2001 in Oslo, eigene Übersetzung.

Die Souveränität von Staaten darf nicht länger als Schutzschild für schwere Menschenrechtsverletzungen dienen.
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Was bleibt von Kofi Annan?

Von ihm bleibt vor allem der Gedanke, dass Staaten ihre Bürger schützen müssen und die Welt nicht wegsehen darf, wenn sie es nicht tun. Die Schutzverantwortung, die die Mitgliedstaaten 2005 anerkannten, ist eng mit seinem Namen verbunden. Auch die Millenniums-Entwicklungsziele, der Menschenrechtsrat und die Kommission für Friedenskonsolidierung gehen auf seine Amtszeit zurück. Der Menschenrechtsrat und die Kommission arbeiten bis heute.

Die Kofi Annan Foundation in Genf führt seine Arbeit fort. Sie will politischen Willen mobilisieren, um Bedrohungen für Frieden, Entwicklung und Menschenrechte zu überwinden, und wacht über die Verwendung seines Namens. Seine Reden und Berichte aus zehn Jahren als Generalsekretär sind in einer fünfbändigen Sammlung veröffentlicht. So bleibt nachvollziehbar, wie er seine Entscheidungen begründete.

Nach seinem Tod würdigten ihn Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Sein Nachfolger Ban Ki-moon nannte ihn einen engagierten Humanisten und eine herausragende Führungspersönlichkeit. UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete sein Erbe als weltweiter Fürsprecher des Friedens als Inspiration. Beigesetzt wurde er in seinem Heimatland Ghana.

Für eine Friedensplattform wie W3ltfrieden ist sein Umgang mit Fehlern vielleicht das Lehrreichste. Er ließ untersuchen, wo die eigene Organisation versagt hatte, und zog daraus Lehren für die Zukunft. Wie Jimmy Carter, mit dem er bei The Elders zusammenarbeitete, und wie Nelson Mandela, dessen Gruppe er später leitete, setzte er auf Gespräche, auch mit schwierigen Partnern. Kofi Annan zeigt, dass Frieden nicht nur Erfolge braucht, sondern auch die Bereitschaft, aus Scheitern zu lernen.

Aus seinem Bericht als Generalsekretär über den Fall von Srebrenica an die Generalversammlung vom 15. November 1999, eigene Übersetzung.

Die Tragödie von Srebrenica wird unsere Geschichte für immer verfolgen.
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Häufige Fragen

Wann und wo lebte Kofi Annan?
Kofi Annan wurde in Kumasi, Ghana, geboren und lebte vom 8. April 1938 bis 18. August 2018.
Wofür erhielt Kofi Annan den Friedensnobelpreis?
Kofi Annan erhielt den Friedensnobelpreis 2001 zu gleichen Teilen mit den Vereinten Nationen. Das Nobelkomitee würdigte, er habe der Organisation neues Leben eingehaucht und ihre begrenzten Mittel wirksamer eingesetzt.
Welche Rolle hatte Kofi Annan?
Kofi Annan war der siebte Generalsekretär der Vereinten Nationen.
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Lebensweg

  1. 1938Am 8. April in Kumasi geboren, in der damaligen Goldküste, dem heutigen Ghana.
  2. 1962Nach dem Studium in Genf beginnt er als Haushaltsreferent bei der Weltgesundheitsorganisation. Es ist sein erster Posten im System der Vereinten Nationen.
  3. 1993Er wird Untergeneralsekretär für Friedenssicherungseinsätze und ist damit für die Blauhelmmissionen der Vereinten Nationen zuständig.
  4. 1997Am 1. Januar tritt er als siebter Generalsekretär der Vereinten Nationen sein Amt an.
  5. 2001Er und die Vereinten Nationen erhalten gemeinsam den Friedensnobelpreis.
  6. 2007Er gründet die Kofi Annan Foundation in Genf und gehört zu den Gründungsmitgliedern von The Elders.
  7. 2018Am 18. August stirbt er nach kurzer Krankheit in Bern, im Alter von 80 Jahren.

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Keine dieser Personen hat allein gehandelt. Was sie verbindet, ist der Schritt vom Anliegen zur Tat. Dieser Schritt ist auch im Kleinen möglich: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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