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Menschen

Jimmy Carter

Ein Präsident, der Ägypten und Israel an einen Tisch brachte und danach vier Jahrzehnte lang Wahlen beobachtete, Konflikte vermittelte und Krankheiten bekämpfte

In Zahlen

2002

Friedensnobelpreis

für jahrzehntelange Arbeit an friedlichen Lösungen internationaler Konflikte

1982

Gründung des Carter Center

gemeinsam mit Rosalynn Carter in Atlanta

100

Lebensjahre

kein Präsident der Vereinigten Staaten wurde älter

Lebensdaten
1. Oktober 1924 bis 29. Dezember 2024
Herkunft
Plains, Vereinigte Staaten
Rolle
39. Präsident der Vereinigten Staaten und Gründer des Carter Center
Auszeichnung
Friedensnobelpreis 2002
Jimmy Carter im dunklen Anzug mit gestreifter Krawatte vor einer amerikanischen Flagge
Offizielles Porträt von Jimmy Carter als Präsident der Vereinigten Staaten, aufgenommen 1977.Fotografie des Naval Photographic Center, US-Verteidigungsministerium, 1977, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Wer war Jimmy Carter?

Jimmy Carter war von 1977 bis 1981 der 39. Präsident der Vereinigten Staaten und erhielt 2002 den Friedensnobelpreis. Geboren wurde er am 1. Oktober 1924 als James Earl Carter Jr. in Plains, einer kleinen Farmgemeinde in Georgia. Sein Vater war Farmer und Geschäftsmann, seine Mutter Lillian Gordy Carter arbeitete als Krankenschwester. Er starb am 29. Dezember 2024 in Plains, im Alter von 100 Jahren.

Nach dem Abschluss an der Marineakademie der Vereinigten Staaten 1946 diente er als Offizier auf U-Booten im Atlantik und im Pazifik. Admiral Hyman Rickover holte ihn in das Programm für Atom-U-Boote, wofür er Reaktortechnik und Kernphysik studierte. Bereits im Juli 1946 hatte er Rosalynn Smith geheiratet, die ebenfalls aus Plains stammte. Als sein Vater 1953 starb, verließ er die Marine und übernahm den Familienbetrieb, einen Handel mit Saatgut und landwirtschaftlichem Bedarf.

In Plains wurde er schnell zu einer Stimme der Gemeinde und saß in Gremien für Schulen, Krankenhaus und Bibliothek. 1962 zog er in den Senat von Georgia ein. Die erste Wahl zum Gouverneur verlor er 1966, die nächste gewann er, und im Januar 1971 wurde er der 76. Gouverneur seines Bundesstaates. Ende 1974 kündigte er seine Kandidatur für das Präsidentenamt an.

Im November 1976 wurde er zum Präsidenten gewählt, die Wiederwahl 1980 verlor er. Bekannter als seine Amtszeit wurde für viele Menschen, was danach kam: das Carter Center, Wahlbeobachtung auf mehreren Kontinenten, Vermittlung in Konflikten und der Kampf gegen Tropenkrankheiten. Er schrieb 32 Bücher und unterrichtete in seiner Kirchengemeinde in Plains die Sonntagsschule. Nach dem Weißen Haus blieb er rund vier Jahrzehnte lang öffentlich tätig.

Wofür setzte sich Jimmy Carter ein?

Er setzte sich dafür ein, Konflikte durch Verhandlung statt durch Gewalt zu lösen, und stellte die Menschenrechte in den Mittelpunkt seiner Außenpolitik. Das Nobelkomitee würdigte 2002, dass er in einer Zeit, die noch vom Kalten Krieg bestimmt war, den Menschenrechten neues Gewicht in der internationalen Politik gab. Für ihn gehörten Frieden, Demokratie und Entwicklung zusammen. Diese drei Anliegen nennt auch die Begründung des Preises.

Ein zentraler Gedanke seiner Nobelvorlesung in Oslo war, dass Krieg nie etwas Gutes sei, auch wenn er manchmal als notwendig erscheine. Er sprach sich für die Vereinten Nationen als wichtigsten Weg zur Friedenssicherung aus und verwies auf internationale Abkommen gegen Landminen, Chemiewaffen und Atomtests. Als größte Herausforderung der Welt bezeichnete er die wachsende Kluft zwischen den reichsten und den ärmsten Menschen. Aus ihr erwachsen nach seiner Darstellung Hunger, Analphabetismus, Umweltzerstörung, Gewalt und vermeidbare Krankheiten.

Sein Glaube prägte diese Haltung. Er war Baptist und Diakon seiner Gemeinde in Plains und berief sich in Oslo auf Jesus als Friedensfürsten, der religiöse Grenzen überschritten habe. Zugleich betonte er, dass die unveränderlichen Grundsätze des Lebens älter seien als die moderne Zeit. Ein Satz seiner Lehrerin Julia Coleman begleitete ihn nach eigenen Worten durch die Jahre im Weißen Haus: Man müsse sich wandelnden Zeiten anpassen und dennoch an unveränderlichen Grundsätzen festhalten.

Praktisch zeigte sich dieser Anspruch in unscheinbarer Arbeit. Jimmy und Rosalynn Carter halfen über Jahrzehnte eine Woche im Jahr beim Hausbau für die Organisation Habitat for Humanity. Das Carter Center arbeitete nach Angaben von The Elders in mehr als 70 Ländern. Seine Mitarbeit bei The Elders, der Gruppe, die Nelson Mandela 2007 zusammenrief, folgte demselben Gedanken: unabhängige Stimmen, die nach eigenem Anspruch dorthin gehen, wo sie es für nötig halten, und mit allen sprechen, die sie treffen wollen.

Aus seiner Nobelvorlesung am 10. Dezember 2002 in Oslo, eigene Übersetzung.

Krieg mag manchmal ein notwendiges Übel sein. Aber wie notwendig er auch ist, er ist immer ein Übel, niemals etwas Gutes. Wir werden nicht lernen, in Frieden zusammenzuleben, indem wir einander die Kinder töten.
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Was erreichte Jimmy Carter für den Frieden?

Sein bekanntester Beitrag ist das Camp-David-Abkommen von 1978, das er zwischen dem ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat und dem israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin vermittelte. Auf dieser Grundlage schlossen Ägypten und Israel einen Friedensvertrag. Das Nobelkomitee bezeichnete seine Vermittlung als einen Beitrag, der für sich allein schon den Friedensnobelpreis gerechtfertigt hätte. Der Frieden zwischen beiden Staaten hält seit Jahrzehnten.

In seine Amtszeit fallen weitere Abkommen: die Verträge über den Panamakanal, das Abkommen SALT II mit der Sowjetunion zur Begrenzung strategischer Atomwaffen und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Volksrepublik China. SALT II wurde vom Senat nie ratifiziert, nachdem die Sowjetunion Ende 1979 in Afghanistan einmarschiert war. Beide Seiten hielten sich nach Darstellung des Miller Center dennoch an seine Bedingungen. Innenpolitisch schuf seine Regierung unter anderem ein Energie- und ein Bildungsministerium.

Nach dem Weißen Haus baute er 1982 mit Rosalynn Carter das Carter Center in Atlanta auf, eine überparteiliche, gemeinnützige Einrichtung. Er und das Zentrum vermittelten unter anderem zwischen Äthiopien und Eritrea, in Nordkorea, Liberia, Haiti, Bosnien, im Sudan und in Nepal. Unter seiner Leitung entsandte das Carter Center mehr als hundert Missionen zur Beobachtung von Wahlen in Amerika, Afrika und Asien. Im Januar 2011 leitete er die Beobachtung des Unabhängigkeitsreferendums im Südsudan gemeinsam mit Kofi Annan.

Ein weiteres Feld war die Gesundheit, die er als Voraussetzung für Frieden verstand. Das Carter Center führt die internationale Kampagne gegen den Guineawurm, dessen Fallzahlen nach Angaben von The Elders um mehr als 99 Prozent zurückgegangen sind. Damit könnte er nach den Pocken die zweite Krankheit des Menschen werden, die ausgerottet ist. 2002 erhielt Jimmy Carter den Friedensnobelpreis ausdrücklich auch für diese Arbeit an wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung.

Welche Kritik gibt es an Jimmy Carter?

Kritik richtet sich vor allem auf seine Präsidentschaft, die viele Zeitgenossen als glücklos erlebten. Das Miller Center der University of Virginia beschreibt eine Amtszeit unter schwierigen Bedingungen: Energiekrise, Misstrauen gegenüber der Politik nach dem Watergate-Skandal, die Revolution im Iran und sowjetische Machtpolitik. Genannt werden seine geringe Bereitschaft zum Ausgleich mit dem Kongress und eine gewisse Starrheit im Umgang mit Verbündeten und Gegnern. Bei der Wahl 1980 unterlag er Ronald Reagan.

Besonders schwer wog die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran ab November 1979. Er fror iranisches Vermögen ein und verhandelte, ein militärischer Befreiungsversuch scheiterte, acht Soldaten kamen dabei ums Leben. Die Geiseln kamen erst nach seiner Abwahl frei. Auch den Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau, seine Antwort auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan, bewertet das Miller Center als verfehlt.

Seine Diplomatie nach der Amtszeit bewegte sich oft außerhalb offizieller Kanäle. Das Miller Center nennt ihn einen „freiberuflichen Botschafter“, der zwischen dem amerikanischen Außenministerium und schwer berechenbaren Machthabern wie Kim Il-sung in Nordkorea und Muammar al-Gaddafi in Libyen vermittelte. 1994 half er auf diesem Weg der amerikanischen Regierung, einen Streit mit Nordkorea über Atomwaffen beizulegen. Das Miller Center hält auch fest, dass viele Entscheidungen seiner Amtszeit mit dem Abstand der Jahre mehr Anerkennung gewonnen haben.

Ebenfalls aus der Nobelvorlesung vom 10. Dezember 2002 in Oslo, eigene Übersetzung.

Das Band unserer gemeinsamen Menschlichkeit ist stärker als das Trennende unserer Ängste und Vorurteile.
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Was bleibt von Jimmy Carter?

Von ihm bleibt vor allem das Beispiel, dass ein politisches Amt nicht das Ende öffentlicher Verantwortung sein muss. Das Miller Center hält fest, dass er bei seinem Tod höher angesehen war als bei seiner Abwahl 1980. Viele sehen in seinem Leben nach dem Weißen Haus ein Vorbild für ehemalige Staatsoberhäupter. Er ist der einzige Präsident der Vereinigten Staaten, der den Friedensnobelpreis nach dem Ende seiner Amtszeit erhielt.

Der Friede zwischen Ägypten und Israel, den er 1978 mit vorbereitete, ist bis heute eines der dauerhaftesten Ergebnisse amerikanischer Vermittlung. Jeder spätere Präsident hat sich nach Einschätzung des Miller Center in unterschiedlichem Maß an dieser Rolle als Vermittler orientiert. Auch die Betonung der Menschenrechte in der Außenpolitik wirkte über seine Amtszeit hinaus. Nach Einschätzung des Miller Center ebnete sie den Weg für die Menschenrechtsinitiativen der 1980er und 1990er Jahre.

Das Carter Center arbeitet nach seinem Tod weiter, in Wahlbeobachtung, Konfliktvermittlung und Gesundheit. Die Kampagne gegen den Guineawurm zeigt, wie viel beharrliche, wenig spektakuläre Arbeit über Jahrzehnte bewirken kann. Seine Bibliothek und sein Museum in Atlanta sowie der historische Nationalpark in Plains halten die Erinnerung an ihn wach. Seine 32 Bücher reichen von politischen Erinnerungen bis zu Gedichten und Betrachtungen über das Altern.

Bei The Elders, die Nelson Mandela 2007 gründete, gehörte er zu den ersten Mitgliedern und blieb nach seinem Rückzug 2016 Ehrenmitglied. Kofi Annan, damals Vorsitzender der Gruppe, würdigte, dass Carter das Gewicht des Präsidentenamtes und die Leidenschaft eines Aktivisten mitgebracht habe. Für eine Friedensplattform wie W3ltfrieden ist daran vor allem eines lehrreich: Frieden entsteht oft in Gesprächen, die lange dauern und selten Schlagzeilen machen. Jimmy Carter hat dafür einen großen Teil seines Lebens eingesetzt.

Häufige Fragen

Wann und wo lebte Jimmy Carter?
Jimmy Carter wurde in Plains, Vereinigte Staaten, geboren und lebte vom 1. Oktober 1924 bis 29. Dezember 2024.
Wofür erhielt Jimmy Carter den Friedensnobelpreis?
Jimmy Carter erhielt den Friedensnobelpreis 2002 für jahrzehntelange Arbeit an friedlichen Lösungen internationaler Konflikte. Die Begründung nannte ausdrücklich auch seinen Einsatz für wirtschaftliche und soziale Entwicklung.
Welche Rolle hatte Jimmy Carter?
Jimmy Carter war der 39. Präsident der Vereinigten Staaten und Gründer des Carter Center.
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Lebensweg

  1. 1924Am 1. Oktober in Plains im Bundesstaat Georgia geboren. Er wächst im nahen Archery auf, sein Vater ist Farmer, seine Mutter Krankenschwester.
  2. 1977Am 20. Januar tritt er als 39. Präsident der Vereinigten Staaten sein Amt an. Zuvor war er Marineoffizier, Farmer und Gouverneur von Georgia.
  3. 1978Er vermittelt das Camp-David-Abkommen zwischen Ägypten und Israel. Es wird zur Grundlage des Friedensvertrags zwischen beiden Staaten.
  4. 1982Nach dem Ende seiner Amtszeit gründet er mit seiner Frau Rosalynn das Carter Center in Atlanta und lehrt an der Emory University.
  5. 2002Das norwegische Nobelkomitee verleiht ihm am 10. Dezember den Friedensnobelpreis.
  6. 2007Er gehört zu den Gründungsmitgliedern von The Elders, einer Gruppe unabhängiger Persönlichkeiten, die Nelson Mandela zusammenrief.
  7. 2024Am 29. Dezember stirbt er mit 100 Jahren in seinem Haus in Plains.

Vom Vorbild zur eigenen Mission

Keine dieser Personen hat allein gehandelt. Was sie verbindet, ist der Schritt vom Anliegen zur Tat. Dieser Schritt ist auch im Kleinen möglich: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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