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Menschen

Henry Dunant

Ein Genfer Geschäftsmann, der nach einer Schlacht Verwundete versorgte und daraus die Idee des Roten Kreuzes und der Genfer Konvention entwickelte

In Zahlen

1859

Schlacht von Solferino

Dunant hilft danach Verwundeten in Castiglione

12

Staaten

unterzeichnen 1864 die erste Genfer Konvention

1901

Erster Friedensnobelpreis

gemeinsam mit dem Pazifisten Frédéric Passy

Lebensdaten
8. Mai 1828 bis 30. Oktober 1910
Herkunft
Genf, Schweiz
Rolle
Geschäftsmann, Mitbegründer des Roten Kreuzes und Anreger der Genfer Konvention
Auszeichnung
Friedensnobelpreis 1901, gemeinsam mit Frédéric Passy
Schwarzweißfoto von Henry Dunant im Alter mit langem weißem Bart und dunkler Kappe
Henry Dunant auf einer Aufnahme, die auf 1901 datiert ist, das Jahr seines Friedensnobelpreises.Fotografie um 1901, Library of Congress, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Wer war Henry Dunant?

Henry Dunant war ein Genfer Geschäftsmann, der mit seinem Buch über die Schlacht von Solferino den Anstoß zur Gründung des Roten Kreuzes und zur ersten Genfer Konvention gab. Geboren wurde er am 8. Mai 1828 in Genf, in einem Haushalt, den die Nobelstiftung als religiös, humanitär und bürgerschaftlich engagiert beschreibt. 1901 erhielt er gemeinsam mit dem französischen Pazifisten Frédéric Passy den ersten Friedensnobelpreis. Er starb am 30. Oktober 1910 im Spital des Schweizer Dorfes Heiden.

Als junger Mann engagierte er sich stark in religiösen Kreisen. Er schloss sich einer Gruppe junger Leute der Freikirche an und stand mit ähnlichen Gruppen in mehreren Ländern in Briefkontakt. Nach der Darstellung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz gründete er 1855 mit Freunden in Paris den Weltbund der Christlichen Vereine Junger Männer. Schon hier zeigte sich sein Gespür für Bewegungen, die über Landesgrenzen hinweg wirken.

Mit sechsundzwanzig Jahren ging er in die Geschäftswelt und vertrat eine Genfer Kolonialgesellschaft in Nordafrika und auf Sizilien. Später gründete er in Algerien, das Frankreich rund zwanzig Jahre zuvor erobert hatte, eine Mühlengesellschaft. Für den Betrieb brauchte er Land und Wasserrechte von den französischen Behörden. Um sein Anliegen Kaiser Napoleon III. persönlich vorzutragen, reiste er 1859 nach Norditalien, wo der Kaiser gerade Krieg führte.

Diese Reise veränderte sein Leben. In der Gegend von Solferino geriet er in die Folgen einer der blutigsten Schlachten des 19. Jahrhunderts. Aus dem, was er dort sah, entstand sein Buch und aus dem Buch eine internationale Bewegung. Sein weiteres Leben war nach den Worten der Nobelstiftung eine Studie in Gegensätzen: großer Ruhm und völlige Vergessenheit, geschäftlicher Erfolg und Konkurs.

Wofür setzte sich Henry Dunant ein?

Er setzte sich dafür ein, dass verwundete Soldaten versorgt werden, gleich auf welcher Seite sie gekämpft haben. Nach der Schlacht von Solferino im Juni 1859 half er in der Kirche von Castiglione, wo die Verwundeten auf dem Steinboden lagen. Ohne medizinische Ausbildung reinigte er Wunden, brachte Wasser und hörte die letzten Wünsche der Sterbenden an. Er überzeugte Frauen aus dem Ort, auch französische Soldaten zu pflegen, und bald wiederholten sie seine Worte „Tutti fratelli“, alle sind Brüder.

Aus dieser Erfahrung schrieb er „Un Souvenir de Solférino“, das 1862 erschien. Das Buch schildert zuerst die Schlacht, dann das Elend auf dem Schlachtfeld und in Castiglione. Am Ende steht ein Plan: Die Staaten sollten schon im Frieden Hilfsgesellschaften bilden, die Freiwillige ausbilden und im Krieg die Verwundeten pflegen. Dazu sollte ein Vertrag kommen, der die Armeen verpflichtet, alle verwundeten Soldaten zu versorgen.

Zentral war der Gedanke der Neutralität. Helfer, Lazarette und Verwundete sollten geschützt sein und an einem gemeinsamen Zeichen erkennbar werden. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz beschreibt, dass Dunant diese Ideen in ganz Europa bei Herrschern und Ministern vortrug. Auf seiner Reise 1863 empfingen ihn unter anderem der König von Preußen und der König von Sachsen.

Später weitete er seine Anliegen aus. Er setzte sich für den Schutz von Kriegsgefangenen ein und für die Ausdehnung der Konvention auf die Seestreitkräfte. 1872 berief er eine Konferenz ein, die ein Abkommen über Kriegsgefangene und die Beilegung internationaler Streitigkeiten durch Schiedsgerichte beraten sollte. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich laut dem Komitee dem Einsatz für Schiedsgerichtsbarkeit, Abrüstung und Frieden.

Die Kernfrage aus „Un Souvenir de Solférino“ von 1862; eigene Übersetzung der englischen Fassung in der Dunant-Biografie des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.

Wäre es nicht möglich, in Zeiten des Friedens und der Ruhe Hilfsgesellschaften zu gründen, deren Zweck es wäre, die Verwundeten in Kriegszeiten durch eifrige, hingebungsvolle und gründlich geschulte Freiwillige pflegen zu lassen?
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Was erreichte Henry Dunant für den Frieden?

Er gab den Anstoß zu zwei Einrichtungen, die bis heute bestehen: der Rotkreuzbewegung und dem humanitären Völkerrecht. Am 7. Februar 1863 setzte die Genfer Gemeinnützige Gesellschaft einen Ausschuss aus fünf Männern ein, darunter Dunant als Sekretär, um seinen Plan zu prüfen. Aus diesem Ausschuss ging das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hervor. Im Oktober 1863 folgte eine internationale Konferenz in Genf, die ein rotes Kreuz auf weißem Grund als Schutzzeichen festlegte.

Am 22. August 1864 unterzeichneten zwölf Staaten die erste Genfer Konvention. Sie verpflichtete die Armeen, alle verwundeten Soldaten zu versorgen, und stellte das Sanitätspersonal unter Schutz. Die Nobelstiftung fasst es so zusammen, dass Dunant eine persönliche Idee in einen internationalen Vertrag verwandelt hatte. Auf diese Konvention gehen die vier Genfer Abkommen von 1949 und ihre Zusatzprotokolle zurück.

Die Bewegung wuchs schnell. Die erste nationale Gesellschaft entstand im November 1863 in Württemberg, und schon 1864 schickte das Komitee im Deutsch-Dänischen Krieg Delegierte auf beide Seiten der Front. Als Dunant 1895 wiederentdeckt wurde, hatten nach der Darstellung des Komitees 37 Länder eigene Rotkreuzgesellschaften. 42 Staaten hatten die Genfer Konvention unterzeichnet.

1901 erhielt er den ersten Friedensnobelpreis für seine humanitären Bemühungen um verwundete Soldaten und um internationale Verständigung. Das Komitee teilte den Preis zwischen ihm und Frédéric Passy, einem Vertreter der Friedensbewegung. Vier Jahre später ging der Preis an Bertha von Suttner, die als erste Frau ausgezeichnet wurde. Dunant gab das Preisgeld nicht aus und vermachte es wohltätigen Einrichtungen in der Schweiz und in Norwegen.

Welche Kritik gibt es an Henry Dunant?

Die schwerste Kritik zu seinen Lebzeiten betraf seinen geschäftlichen Zusammenbruch. 1867 ging die Bank Crédit Genevois in Konkurs, in deren Verwaltungsrat er saß, und seine Unternehmen in Algerien waren gescheitert. Ein Zivilgericht verurteilte alle Verwaltungsräte und hielt nach der Darstellung des Komitees allein Dunant vor, seine Kollegen vorsätzlich getäuscht zu haben. Er hinterließ Schulden von fast einer Million Franken, und viele seiner Genfer Freunde waren von dem Verlust betroffen.

Der Konkurs führte zum Bruch mit dem Komitee, das er mitbegründet hatte. Schon 1864 hatte es interne Kritik an ihm gegeben, und Gustave Moynier, der später ein halbes Jahrhundert lang das Komitee führte, begegnete ihm mit Vorbehalten. 1867 reichte Dunant seinen Rücktritt als Sekretär ein. Das Komitee nahm den Rücktritt an, und zwar nicht nur als Sekretär, sondern auch als Mitglied. Seine Heimatstadt Genf sah er danach nie wieder.

Zur Einordnung gehört auch, dass das Rote Kreuz nicht das Werk eines Einzelnen war. Dunant lieferte die Idee und warb in ganz Europa dafür, doch die Umsetzung war die Arbeit eines Ausschusses. Der Jurist Moynier entwarf den Vertragstext von 1864 und leitete das Komitee später als Präsident. Die Nobelstiftung schreibt deshalb, dass der Fünferausschuss mit seinem Aufruf zur Konferenz das Rote Kreuz faktisch gegründet habe.

Schließlich gehört zu seiner Geschichte der koloniale Rahmen seiner Geschäfte. Seine Mühlengesellschaft sollte in Algerien, das Frankreich erobert hatte, Land bewirtschaften, und er brauchte dafür die Zustimmung der Kolonialbehörden. Die Dunant-Biografie des Komitees betont, dass er sich für faire Löhne der algerischen Arbeiter einsetzen wollte. Am Ende seines Lebens hinterließ er nach der Nobelstiftung ein verbittertes Testament.

Aus einem Brief an Gustave Moynier vom 29. Mai 1864, in dem er seinen Rückzug ankündigte; eigene Übersetzung der englischen Fassung des Komitees.

Das Werk ist in Gang gesetzt; ich bin nur ein Werkzeug in der Hand Gottes gewesen; nun ist es an anderen, die dazu besser befähigt sind als ich, das Unternehmen voranzubringen.
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Was bleibt von Henry Dunant?

Von ihm bleibt vor allem der Grundsatz, dass Leid keine Nationalität hat. Die Nobelstiftung nennt seinen leidenschaftlichen Einsatz für die Menschlichkeit die einzige Konstante in seinem Leben und das Rote Kreuz sein lebendiges Denkmal. Die Bewegung, die aus seiner Frage entstand, hilft heute in bewaffneten Konflikten und nach Katastrophen. Das Zeichen des roten Kreuzes auf weißem Grund ist weltweit bekannt.

Bleibend ist auch das humanitäre Völkerrecht. Die kurze Konvention von 1864 mit zehn Artikeln öffnete nach der Darstellung des Komitees den Weg zu allen späteren Regeln über den Schutz von Menschen im Krieg. Die Genfer Abkommen von 1949 bauen unmittelbar darauf auf. Damit hat eine Idee, die in einer überfüllten Kirche entstand, bis heute rechtliche Wirkung.

Sein Leben zeigt zudem, wie nah Anerkennung und Ausgrenzung beieinander liegen können. Rund zwanzig Jahre lebte er verarmt und fast vergessen, bis ein Lehrer ihn 1890 in Heiden fand und ein Journalist 1895 seine Geschichte bekannt machte. Danach erhielt er zahlreiche Ehrungen, verließ aber sein Zimmer im Spital von Heiden bis zu seinem Tod nicht mehr. Nach seinem Wunsch wurde er ohne Trauerfeier beigesetzt.

Im Friedensnobelpreis steht er am Anfang einer Linie humanitären Handelns. Neben ihm wurden Menschen ausgezeichnet, die den Krieg selbst abschaffen wollten, wie Bertha von Suttner 1905. Später erhielt Albert Schweitzer den Preis für 1952, ein Arzt, der ebenfalls die Hilfe für Leidende ins Zentrum stellte. Für heutige Friedensarbeit bleibt Dunants Frage aktuell, was Menschen schon im Frieden vorbereiten können, damit im Ernstfall geholfen wird.

Häufige Fragen

Wann und wo lebte Henry Dunant?
Henry Dunant wurde in Genf, Schweiz, geboren und lebte vom 8. Mai 1828 bis 30. Oktober 1910.
Wofür erhielt Henry Dunant den Friedensnobelpreis?
Henry Dunant erhielt 1901 den ersten Friedensnobelpreis, gemeinsam mit dem französischen Pazifisten Frédéric Passy. Ausgezeichnet wurde er für seine humanitären Bemühungen um verwundete Soldaten und um internationale Verständigung.
Welche Rolle hatte Henry Dunant?
Henry Dunant war Geschäftsmann, Mitbegründer des Roten Kreuzes und Anreger der Genfer Konvention.
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Lebensweg

  1. 1828Geburt am 8. Mai in Genf in einer religiösen und sozial engagierten Familie.
  2. 1859Auf dem Weg zu Napoleon III. erlebt er die Folgen der Schlacht von Solferino und hilft in Castiglione bei der Pflege der Verwundeten.
  3. 1862Sein Buch „Un Souvenir de Solférino“ erscheint und schlägt freiwillige Hilfsgesellschaften für verwundete Soldaten vor.
  4. 1863Ein Genfer Fünferausschuss mit Dunant als Sekretär nimmt die Arbeit auf, im Oktober folgt eine internationale Konferenz.
  5. 1864Am 22. August unterzeichnen zwölf Staaten die erste Genfer Konvention zum Schutz verwundeter Soldaten.
  6. 1867Nach dem Konkurs seiner Geschäfte verliert er sein Vermögen und scheidet aus dem Internationalen Komitee aus.
  7. 1901Er erhält den ersten Friedensnobelpreis, gemeinsam mit Frédéric Passy.
  8. 1910Tod am 30. Oktober im Spital von Heiden.

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