Menschen
Albert Schweitzer
Ein Theologe, Organist und Arzt, der in Afrika ein Spital aufbaute und mit seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gegen Krieg und Atomwaffen sprach
In Zahlen
1913
Gründung des Spitals
in Lambaréné im heutigen Gabun
500
Patienten gleichzeitig
konnte das Spital Anfang der 1960er Jahre aufnehmen
1952
Friedensnobelpreis
zurückgestellt und am 10. Dezember 1953 verliehen
- Lebensdaten
- 14. Januar 1875 bis 4. September 1965
- Herkunft
- Kaysersberg, Elsass (damals Deutsches Reich, heute Frankreich)
- Rolle
- Theologe, Organist, Arzt und Gründer des Spitals in Lambaréné
- Auszeichnung
- Friedensnobelpreis 1952, verliehen 1953

Wer war Albert Schweitzer?
Albert Schweitzer war ein elsässischer Theologe, Organist und Arzt, der 1913 in Lambaréné im heutigen Gabun ein Spital gründete und den Friedensnobelpreis für 1952 erhielt. Geboren wurde er am 14. Januar 1875 in Kaysersberg, das damals zum Deutschen Reich gehörte. Er wuchs in Günsbach bei Colmar auf, wo sein Vater Pfarrer war. Nach der Nobelstiftung stammte er aus einer Familie, die sich seit Generationen der Religion, der Musik und der Bildung gewidmet hatte.
Ab 1893 studierte er Theologie und Philosophie an der Universität Straßburg. 1899 wurde er mit einer Arbeit über die Religionsphilosophie Kants in Philosophie promoviert, ein Jahr später folgte der theologische Abschluss. Er predigte an der Kirche St. Nicolai in Straßburg und lehrte als Professor für Neues Testament. Sein Buch über die Geschichte der Leben-Jesu-Forschung von 1906 begründete seinen Ruf als Theologe.
Daneben war er ein international bekannter Organist und Kenner Johann Sebastian Bachs. Schon mit neun Jahren spielte er in der Kirche seines Vaters, und bis ins hohe Alter gab er Konzerte. Er schrieb ein Buch über Bach, zuerst auf Französisch und später neu auf Deutsch, und ein Werk über Orgelbau. Mit den Einnahmen aus Konzerten finanzierte er später sein Medizinstudium und sein Spital.
1905 entschied er sich, als Arzt nach Afrika zu gehen, und begann mit dreißig Jahren ein Medizinstudium. Nach der Promotion reiste er 1913 mit seiner Frau Helene nach Lambaréné. 1917 wurden beide in Frankreich als Kriegsgefangene interniert; nach der Freilassung blieb er sechs Jahre in Europa und schrieb dort unter anderem „Zwischen Wasser und Urwald“. Abgesehen von Unterbrechungen verbrachte er dort den Rest seines Lebens. Er starb am 4. September 1965 in Lambaréné, wo auch sein Grab liegt.
Wofür setzte sich Albert Schweitzer ein?
Er setzte sich für eine Ethik ein, die er „Ehrfurcht vor dem Leben“ nannte und die alles Leben einschließt, nicht nur das menschliche. Ihr Ausgangspunkt ist der Satz „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. Wer das ernst nimmt, erkennt nach Schweitzer seine Verbundenheit mit allem Lebendigen. Gut ist dann, Leben zu erhalten und zu fördern, böse, Leben zu vernichten und zu hemmen.
Nach der Darstellung des Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrums sah er Anfang des 20. Jahrhunderts mit Sorge, wie das Wissen der Menschen wuchs, während ihre ethische Haltung verkümmerte. Er suchte deshalb ein Fundament der Ethik, das die Unterschiede zwischen Weltanschauungen, Religionen und Kulturen überbrückt. Die Ehrfurcht vor dem Leben sollte dieses Fundament sein. Er selbst verzichtete später zum Schutz der Tiere auf Fleisch.
Diese Ethik war für ihn kein bloßer Gedanke, sondern Grund zum Handeln. Er gab eine sichere Laufbahn als Professor auf, um in Afrika Kranke zu behandeln. In Lambaréné war er nach der Nobelstiftung Arzt und Chirurg, Pfarrer, Verwalter, Bauleiter und Gastgeber für viele Besucher. Die Mittel dafür brachte er mit Büchern, Vorträgen und Konzerten auf, ergänzt durch Spenden aus vielen Ländern.
In seinen letzten Lebensjahrzehnten setzte er sich zunehmend für Frieden und atomare Abrüstung ein. In seinem Nobelvortrag „Das Problem des Friedens“ am 4. November 1954 in Oslo forderte er, den Krieg aus einem ethischen Grund zu verwerfen, weil er die Menschen der Unmenschlichkeit schuldig werden lasse. Völkerbund und Vereinte Nationen hätten Frieden nicht herbeiführen können, weil Rechtsinstitutionen allein keinen Geist des Friedens schaffen könnten. Diesen Geist sah er als Aufgabe jedes Einzelnen und der Völker.
Der Ausgangssatz seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben, wie ihn das Deutsche Albert-Schweitzer-Zentrum wiedergibt.
Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.
Was erreichte Albert Schweitzer für den Frieden?
Er baute ein Spital auf, das Kranken über Jahrzehnte Hilfe bot, und machte humanitäre Hilfe für ein großes Publikum in Europa und Amerika sichtbar. Nach der Rückkehr 1924 erweiterte er das Spital in Lambaréné auf siebzig Gebäude. Anfang der 1960er Jahre konnte es nach der Nobelstiftung mehr als 500 Patienten gleichzeitig aufnehmen. Das Spital besteht bis heute.
Den Friedensnobelpreis für 1952 erhielt er am 10. Dezember 1953, weil der Preis im Jahr 1952 zunächst zurückgestellt worden war. Das Nobelkomitee würdigte seinen Altruismus, seine Ehrfurcht vor dem Leben und seine unermüdliche humanitäre Arbeit. Sie habe geholfen, die Idee der Brüderlichkeit zwischen Menschen und Nationen lebendig zu machen. Mit dem Preisgeld baute er in Lambaréné ein Dorf für Leprakranke auf.
Damit steht er in einer Linie mit Henry Dunant, der 1901 den ersten Friedensnobelpreis für die Hilfe an verwundeten Soldaten erhielt. In seinem Nobelvortrag erinnerte Schweitzer selbst an die Genfer Konvention von 1864, die auf den Einsatz des Roten Kreuzes zurückging. Sie habe Hunderttausenden Soldaten und Zivilisten geholfen. Angesichts der modernen Waffen könne es aber nicht mehr darum gehen, den Krieg menschlicher zu machen, sondern nur darum, ihn zu überwinden.
Seinen Ruf nutzte er für Warnungen vor Atomwaffen. 1957 sprach er über den Rundfunk zu Menschen in aller Welt und warnte vor Atomwaffentests und radioaktivem Niederschlag. 1958 folgten drei weitere Appelle aus Oslo, und nach dem Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrum wandte er sich auch an Präsident Eisenhower und 1963 an die Regierung Kennedy. 1963 erlebte er noch, wie die Atommächte ein Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre beschlossen.
Welche Kritik gibt es an Albert Schweitzer?
Die wichtigste Kritik betrifft den kolonialen Rahmen seiner Arbeit in Lambaréné. Das Spital lag in einer französischen Kolonie und galt lange als Inbegriff humanitärer Hilfe. Mit der Unabhängigkeit afrikanischer Staaten wurde es nach der Universität Bern zunehmend als Beispiel einer rückständigen, kolonial geprägten Medizin wahrgenommen. Das Institut für Medizingeschichte der Universität Bern hat 2025 erstmals eine kritische Geschichte des Spitals vorgelegt.
Die Berner Forscher beschreiben ein Hilfsprojekt, das trotz humanitärem Anspruch in kolonialen Haltungen verstrickt blieb. Es war mit dem Ziel einer „Zivilisierung“ der afrikanischen Bevölkerung verbunden. Dafür steht Schweitzers bekanntes Bild vom Europäer als dem „großen Bruder“, der seinem „kleinen Bruder“ in Afrika hilft. Auch sein Nobelvortrag spricht in der englischen Fassung von „semicivilized“ und „primitive“ Menschen.
Kritisiert wird auch, dass seine Hilfe lokal blieb. Nach der Berner Untersuchung bot das Spital einen guten medizinischen Dienst, hatte aber weder die Ausbildung von Personal noch eine grundsätzliche Verbesserung des Gesundheitswesens zum Ziel. Ziel war nach dem Medizinhistoriker Hubert Steinke nicht nur, Menschen in Afrika zu helfen, sondern auch den Geist der Menschlichkeit im Westen zu erneuern. Zugleich verfolgte das Spital als private Einrichtung keine politischen, wirtschaftlichen oder missionarischen Ziele.
Steinke warnt selbst vor einseitigen Urteilen. Man solle sich weder mit Glorifizierungen noch mit vereinfachenden Verurteilungen zufriedengeben, sagt er zu den Ergebnissen. Das Projekt zeigt nach seinen Worten, wie nötig solide historische Forschung ist, um einseitige Einschätzungen zu vermeiden. Grundlage des Buches ist reichhaltiges Archiv- und Bildmaterial aus den Jahren 1913 bis 1965.
Seine Bestimmung von Gut und Böse aus der Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben, zitiert vom Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrum.
Gut ist, Leben erhalten und Leben fördern, böse ist, Leben vernichten und Leben hemmen.
Was bleibt von Albert Schweitzer?
Von ihm bleibt vor allem die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Sie verlangt, jedes Leben ernst zu nehmen und bei jeder Handlung zu prüfen, ob sie anderem Leben unnötig schadet. Sie schließt ausdrücklich Tiere und Pflanzen ein, bis zum Regenwurm auf der Straße, den man nach dem Regen ins Gras zurücksetzt. Die Nobelstiftung nennt den Ausdruck den Schlüssel zu seiner persönlichen Philosophie.
Bleibend ist auch das Spital selbst. Es besteht bis heute und wird weiterhin wesentlich durch Spenden unterstützt, vor allem aus der Schweiz. Unter dem „Lambarene-Geist“ verstand man dort nach der Universität Bern eine einfache, aber wirkungsvolle und menschliche Medizin, die den Kranken viel Freiheit ließ. Die neuere Forschung hat gezeigt, dass es gute medizinische Hilfe leistete und zugleich in seiner Zeit befangen war. Beides gehört heute zu seiner Geschichte.
Im Friedensnobelpreis verbindet er zwei Traditionen. Wie Henry Dunant stellte er die unmittelbare Hilfe für Leidende ins Zentrum. Wie Bertha von Suttner, die den Preis 1905 erhielt, nutzte er seinen Nobelvortrag für eine Warnung: sie vor einem drohenden Weltkrieg, er vor der Atomgefahr. Während Suttner vor allem auf Schiedsgerichte setzte, hielt Schweitzer Rechtsinstitutionen allein für zu schwach und suchte den Frieden in einer ethischen Haltung.
Für heutige Friedensarbeit bleibt seine Frage wichtig, wie aus einer inneren Haltung konkretes Handeln wird. Sein Leben zeigt, dass Hilfe viele Menschen erreichen kann, wenn Überzeugung und Beharrlichkeit zusammenkommen. Die Kritik an Lambaréné zeigt aber auch, wie wichtig es ist, mit Menschen zu arbeiten und nicht nur für sie. Beides macht ihn zu einer Figur, von der man lernen kann.
Häufige Fragen
- Wann und wo lebte Albert Schweitzer?
- Albert Schweitzer wurde in Kaysersberg, Elsass (damals Deutsches Reich, heute Frankreich), geboren und lebte vom 14. Januar 1875 bis 4. September 1965.
- Wofür erhielt Albert Schweitzer den Friedensnobelpreis?
- Albert Schweitzer erhielt den Friedensnobelpreis für 1952 am 10. Dezember 1953, weil der Preis 1952 zunächst zurückgestellt worden war. Das Nobelkomitee würdigte seinen Altruismus, seine Ehrfurcht vor dem Leben und seine unermüdliche humanitäre Arbeit.
- Welche Rolle hatte Albert Schweitzer?
- Albert Schweitzer war Theologe, Organist, Arzt und Gründer des Spitals in Lambaréné.
Quellen
Lebensweg
- 1875Geburt am 14. Januar in Kaysersberg im Elsass, aufgewachsen im Pfarrhaus von Günsbach.
- 1905Nach Promotionen in Philosophie und Theologie beginnt er in Straßburg ein Medizinstudium, um als Arzt nach Afrika zu gehen.
- 1913Mit seiner Frau Helene gründet er das Spital in Lambaréné in Französisch-Äquatorialafrika.
- 1917Er und seine Frau werden als Kriegsgefangene in ein französisches Internierungslager gebracht, 1918 kommen sie frei.
- 1953Er erhält den zurückgestellten Friedensnobelpreis für 1952 und baut mit dem Preisgeld ein Lepradorf auf.
- 1957Über den Rundfunk warnt er die Welt vor Atomwaffentests und den Gefahren radioaktiven Niederschlags.
- 1965Tod am 4. September in Lambaréné, wo auch sein Grab liegt.
Weitere Porträts
- Henry Dunant8. Mai 1828 bis 30. Oktober 1910Ein Genfer Geschäftsmann, der nach einer Schlacht Verwundete versorgte und daraus die Idee des Roten Kreuzes und der Genfer Konvention entwickelte
- Bertha von Suttner9. Juni 1843 bis 21. Juni 1914Eine Schriftstellerin, die mit einem Roman gegen den Krieg eine ganze Bewegung prägte und 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt
Vom Vorbild zur eigenen Mission
Keine dieser Personen hat allein gehandelt. Was sie verbindet, ist der Schritt vom Anliegen zur Tat. Dieser Schritt ist auch im Kleinen möglich: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.
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