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Menschen

Bertha von Suttner

Eine Schriftstellerin, die mit einem Roman gegen den Krieg eine ganze Bewegung prägte und 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt

In Zahlen

1905

Friedensnobelpreis

als erste Frau, die diesen Preis erhielt

1889

Roman „Die Waffen nieder!“

wurde rasch neu aufgelegt und übersetzt

1891

Friedensgesellschaft

Gründung der Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde

Lebensdaten
9. Juni 1843 bis 21. Juni 1914
Herkunft
Prag, Kaisertum Österreich (heute Tschechien)
Rolle
Schriftstellerin, Pazifistin und Präsidentin der Österreichischen Friedensgesellschaft
Auszeichnung
Friedensnobelpreis 1905
Schwarzweißfoto von Bertha von Suttner im dunklen Kleid mit Haube, stehend im Halbprofil
Bertha von Suttner im Jahr 1906, ein Jahr nach der Verleihung des Friedensnobelpreises.Fotografie von Carl Pietzner, 1906, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Wer war Bertha von Suttner?

Bertha von Suttner war eine österreichische Schriftstellerin und Pazifistin, die 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt. Geboren wurde sie am 9. Juni 1843 in Prag als Gräfin Kinsky, in einer Adelsfamilie mit militärischer Tradition. Ihr Vater, ein Feldmarschallleutnant, starb kurz vor ihrer Geburt, und sie wuchs bei ihrer Mutter auf. Die Nobelstiftung beschreibt, dass sie die militärischen Traditionen ihres Standes in der ersten Hälfte ihres Lebens fraglos hinnahm und in der zweiten Hälfte entschieden bekämpfte.

Als junge Frau lernte sie Sprachen und Musik und träumte zeitweise von einer Laufbahn als Opernsängerin. Mit dreißig nahm sie eine Stelle als Erzieherin der vier Töchter der Familie Suttner in Wien an und verliebte sich in den jüngsten Sohn des Hauses, Arthur. Die Familie lehnte die Verbindung ab. Bertha ging 1876 kurz als Sekretärin zu Alfred Nobel nach Paris, kehrte aber bald zurück und heiratete Arthur heimlich.

Das Paar zog in den Kaukasus und lebte dort neun Jahre lang vom Sprach- und Musikunterricht und zunehmend vom Schreiben. In dieser Zeit entstanden Romane und ihr erstes ernsthaftes Buch, das „Inventarium einer Seele“. Darin setzte sie sich mit Darwin und Spencer auseinander, die sie gemeinsam mit ihrem Mann gelesen hatte. Die Idee einer Gesellschaft, die durch Frieden Fortschritt erreicht, taucht dort bereits auf.

1885 kehrten die Suttners nach Österreich zurück, und Bertha von Suttner schrieb in den folgenden Jahren die meisten ihrer Bücher. Über Freunde erfuhren sie von Friedensgesellschaften in London und auf dem Kontinent, die Schiedsgerichte statt Waffen forderten. Aus der Schriftstellerin wurde eine der bekanntesten Stimmen dieser Bewegung. Sie starb am 21. Juni 1914 in Wien.

Wofür setzte sich Bertha von Suttner ein?

Sie setzte sich dafür ein, dass Streit zwischen Staaten vor Schiedsgerichten entschieden wird und nicht auf dem Schlachtfeld. Dieses Ziel teilte sie mit den Friedensgesellschaften ihrer Zeit: internationales Recht statt bewaffneter Gewalt und in der Folge kleinere Armeen. In ihrem Nobelvortrag nannte sie die Frage, ob zwischen Staaten Gewalt oder Recht herrschen soll, das wichtigste Problem ihrer Epoche. Der Krieg galt ihr nicht als Naturgesetz, sondern als Einrichtung, die Menschen ändern können.

Ihr wirksamstes Mittel war die Literatur. In ihrem Buch „Das Maschinenzeitalter“ warnte sie bereits vor den Folgen von übersteigertem Nationalismus und Aufrüstung. Mit dem Roman „Die Waffen nieder!“ wollte sie nach eigener Aussage der Friedensbewegung dienen, indem sie deren Ideen in einem Buch verbreitete. Die Heldin erlebt die Kriege ihrer Zeit mit all ihren Schrecken, und Suttner recherchierte diese Kriege sorgfältig.

Der Roman hatte zunächst Mühe, einen Verlag zu finden, mehrere lehnten ihn ab. Als er Ende 1889 erschien, war der Erfolg so groß, dass er schon ein Jahr später neu aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Die Nobelstiftung zählt ihn zu den einflussreichsten Büchern des 19. Jahrhunderts. Von da an verbrachte Suttner einen großen Teil ihrer Zeit mit Kongressen, Vorträgen, Briefen und dem Aufbau von Friedensgruppen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1902 setzte sie die gemeinsame Arbeit allein fort, wie er es sich gewünscht hatte. Sie warnte vor der Militarisierung Chinas und davor, die junge Luftfahrt als Waffe zu nutzen. Immer wieder betonte sie, Europa sei eins, und nur seine Einigung könne die drohende Katastrophe verhindern. Ihr Einsatz richtete sich dabei an Regierungen genauso wie an die Öffentlichkeit.

Aus ihrem Nobelvortrag vom 18. April 1906 in Kristiania, auf Deutsch gehalten; eigene Übersetzung der englischen Fassung der Nobelstiftung.

Die Frage, ob zwischen den Staaten Gewalt oder Recht herrschen soll, ist das wichtigste der Probleme unserer ereignisreichen Zeit und das folgenschwerste.
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Was erreichte Bertha von Suttner für den Frieden?

Sie machte die Friedensbewegung im deutschsprachigen Raum sichtbar und baute ihre Organisationen mit auf. 1891 gründete sie die Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde und blieb bis zu ihrem Tod deren Präsidentin. Im selben Jahr wurde sie auf dem Weltfriedenskongress in Rom zur Vizepräsidentin des Internationalen Friedensbüros gewählt und sammelte Geld für dessen Gründung in Bern. An der Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft 1892 waren sie und der Publizist Alfred Hermann Fried beteiligt.

Mit Fried gab sie ab 1892 die Zeitschrift „Die Waffen nieder!“ heraus, die sie bis Ende 1899 redigierte. Danach schrieb sie regelmäßig Kommentare für Frieds „Friedens-Warte“. Für die Haager Friedenskonferenz von 1899 warb sie mit öffentlichen Versammlungen und Vorträgen und berichtete von dort für die Neue Freie Presse. Anschließend machte sie den dort geschaffenen Ständigen Schiedshof bekannt.

Eine besondere Rolle spielte ihre Freundschaft mit Alfred Nobel. 1892 versprach sie ihm, ihn über die Fortschritte der Friedensbewegung zu unterrichten, und im Januar 1893 schrieb er ihr von einem Friedenspreis, den er stiften wolle. Die Nobelstiftung hält es für kaum zweifelhaft, dass diese Freundschaft den Inhalt seines Testaments beeinflusst hat. Den ersten Friedensnobelpreis erhielt 1901 Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, gemeinsam mit Frédéric Passy.

1905 erhielt Suttner den Preis selbst, als erste Frau, für ihren Mut, sich gegen die Schrecken des Krieges zu stellen. Damals galt sie neben Passy als führende Figur der Bewegung, auf dem Haager Kongress 1913 wurde sie als deren „Generalissimus“ geehrt. Sie reiste zweimal zu Vortragsreisen in die Vereinigten Staaten, zuletzt 1912 mit fast siebzig Jahren. Präsident Theodore Roosevelt empfing sie 1904 im Weißen Haus.

Welche Kritik gibt es an Bertha von Suttner?

Die wichtigste Grenze ihres Wirkens zeigte sich 1914: Der Weltkrieg, vor dem sie jahrzehntelang gewarnt hatte, brach zwei Monate nach ihrem Tod aus. Der für September 1914 in Wien geplante Weltfriedenskongress fand nicht mehr statt. Auch das Denkmal, das die Bewegung für sie errichten wollte, wurde durch Krieg und Nachkriegszeit verhindert. Schiedsgerichte und Konferenzen hatten die Großmächte nicht vom Krieg abgehalten.

Schon zu Lebzeiten wurde die Friedensbewegung verspottet. Pazifisten wurden nach der Darstellung des Ausstellungsprojekts „Der Erste Weltkrieg“ vor und während des Krieges als sentimental, verweichlicht oder weibisch abgetan. Ihre Konzepte galten ihren Gegnern als unrealistische Träumereien und Utopien. Im Fall ihres Mitstreiters Alfred Hermann Fried, der jüdischer Herkunft war, kamen antisemitische Anfeindungen hinzu.

Auch innerhalb der Bewegung gab es Widerspruch. Ihr engster Mitarbeiter Alfred Hermann Fried hielt Schiedsgerichte erst dann für sinnvoll, wenn es zuvor eine internationale Organisation gebe. Mit seinem „ursächlichen Pazifismus“ wollte er die Ursachen des Krieges in den gesellschaftlichen Strukturen angehen, statt vor allem auf Appelle und Verträge zu setzen. Trotz dieser Kritik arbeitete Fried eng mit ihr und den Friedensgesellschaften zusammen.

Ihr Denken war zudem von einem Fortschrittsglauben ihrer Zeit geprägt. In ihrem Nobelvortrag berief sie sich auf Gesetze der Entwicklung, die die Menschheit zu immer besseren Zuständen führen würden. Der Erste Weltkrieg stellte diese Erwartung kurz nach ihrem Tod grundlegend in Frage. Mit dem Ständigen Schiedshof in Den Haag, für den sie geworben hatte, bestand allerdings schon eine Einrichtung, die ihr Anliegen verkörperte.

Ebenfalls aus dem Nobelvortrag von 1906; eigene Übersetzung der englischen Fassung der Nobelstiftung.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Zukunft notwendig die Richtung der Vergangenheit und der Gegenwart fortsetzen muss.
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Was bleibt von Bertha von Suttner?

Von ihr bleibt vor allem der Gedanke, dass Frieden eine Aufgabe ist, die sich organisieren lässt. Sie setzte auf Bücher, Zeitschriften, Vereine und Kongresse, also auf Werkzeuge, mit denen viele Menschen sich beteiligen konnten. Ihr Roman zeigte einem breiten Publikum, was Krieg für einzelne Menschen bedeutet. Diese Verbindung von Erzählung und Engagement ist bis heute ein Weg, Menschen für Friedensarbeit zu gewinnen.

Bleibend ist auch ihr Anteil am Friedensnobelpreis. Viele schreiben ihr die Anregung zu diesem Preis zu, wie die Nobelstiftung festhält, denn sie stand jahrelang mit Alfred Nobel im Briefwechsel über den Frieden. Der Preis ehrt seither Menschen sehr unterschiedlicher Wege. Henry Dunant stand 1901 für die Hilfe an Verwundeten, Albert Schweitzer erhielt den Preis für 1952 und wurde für seine ärztliche Arbeit in Afrika und seine Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ bekannt.

Der größte Teil ihrer Papiere und Manuskripte liegt in den Friedensarchiven der Bibliothek der Vereinten Nationen in Genf. Ihre Schriften erschienen schon 1906 in einer zwölfbändigen Gesamtausgabe. 1913 wurde „Die Waffen nieder!“ verfilmt, noch zu ihren Lebzeiten. Ihr Werk war damit schon vor dem Ersten Weltkrieg weit über die Friedensbewegung hinaus bekannt.

Für heutige Friedensarbeit ist ihr Beispiel eher Anregung als Vorbild zum Kopieren. Sie zeigt, dass eine einzelne Stimme eine Debatte verschieben kann, wenn sie beharrlich bleibt und sich mit anderen verbindet. Sie zeigt aber auch, dass gute Argumente allein keinen Krieg verhindern. Zwischen diesen beiden Erfahrungen bewegt sich jedes Engagement für den Frieden bis heute.

Häufige Fragen

Wann und wo lebte Bertha von Suttner?
Bertha von Suttner wurde in Prag, Kaisertum Österreich (heute Tschechien), geboren und lebte vom 9. Juni 1843 bis 21. Juni 1914.
Wofür erhielt Bertha von Suttner den Friedensnobelpreis?
Bertha von Suttner erhielt den Friedensnobelpreis 1905 als erste Frau. Geehrt wurde sie für ihren Mut, sich gegen die Schrecken des Krieges zu stellen.
Welche Rolle hatte Bertha von Suttner?
Bertha von Suttner war Schriftstellerin, Pazifistin und Präsidentin der Österreichischen Friedensgesellschaft.
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Lebensweg

  1. 1843Geburt am 9. Juni in Prag als Gräfin Kinsky. Ihr Vater, ein Feldmarschallleutnant, war kurz vor ihrer Geburt gestorben.
  2. 1876Kurze Zeit Sekretärin bei Alfred Nobel in Paris. Nach der heimlichen Heirat mit Arthur von Suttner lebt das Paar neun Jahre im Kaukasus.
  3. 1889Der Roman „Die Waffen nieder!“ erscheint, nachdem mehrere Verlage ihn abgelehnt hatten, und macht sie in der Friedensbewegung bekannt.
  4. 1891Gründung der Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde, deren Präsidentin sie bis zu ihrem Tod bleibt.
  5. 1899Sie wirbt öffentlich für die Haager Friedenskonferenz und berichtet von dort für die Neue Freie Presse.
  6. 1905Als erste Frau erhält sie den Friedensnobelpreis, den Vortrag dazu hält sie im April 1906 in Kristiania.
  7. 1914Tod am 21. Juni in Wien, zwei Monate vor Beginn des Ersten Weltkriegs, vor dem sie gewarnt hatte.

Vom Vorbild zur eigenen Mission

Keine dieser Personen hat allein gehandelt. Was sie verbindet, ist der Schritt vom Anliegen zur Tat. Dieser Schritt ist auch im Kleinen möglich: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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