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Wie Kriege endeten

Der Frieden von Tilsit

Preußen verlor die Hälfte seines Staates und behielt seine Eigenständigkeit nur, weil ein Dritter am Tisch sie erhalten wollte

In Zahlen

1/2

des Staatsgebiets verloren

dazu ein Großteil der Bevölkerung

42.000

Mann Heeresobergrenze

im Vertrag festgeschrieben

6

Jahre Bestand

1807 bis zum Aufbruch von 1813

Zeitraum
Juli 1807
Ort
Tilsit an der Memel
Beteiligte
Frankreich unter Napoleon, Russland unter Zar Alexander I. und Preußen unter Friedrich Wilhelm III.
Ergebnis
Zwei Verträge, mit Russland am 7. und mit Preußen am 9. Juli 1807, die Preußen etwa die Hälfte seines Gebiets nehmen
Floß mit zwei weißen Pavillons auf einem Fluss, umringt von Booten mit Soldaten und Gefolge
Napoleon und Zar Alexander I. treffen sich im Juni 1807 auf einem Floß auf der Memel bei Tilsit.Gemälde von Adolphe Roehn, 1808, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Was war der Frieden von Tilsit?

Im Juli 1807 endete im ostpreußischen Tilsit der Krieg zwischen Frankreich, Russland und Preußen. Geschlossen wurden zwei Verträge: am 7. Juli zwischen Frankreich und Russland, am 9. Juli zwischen Frankreich und Preußen.

Vorausgegangen war ein militärischer Zusammenbruch. Die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 hatte den Krieg für Preußen praktisch an einem Tag entschieden; die Niederlage der russischen Armee bei Friedland im Juni 1807 nahm dem letzten Verbündeten die Mittel zum Weiterkämpfen.

Was in Tilsit verhandelt wurde, betraf Preußen ohne Preußen. Napoleon und Zar Alexander I. sprachen zunächst allein, auf einem eigens verankerten Floß in der Memel. Der preußische König wartete am Ufer.

Wer verhandelte, und wer wurde verhandelt?

Verhandelt haben zwei: Napoleon und Alexander I. Beide hatten Grund, sich zu verständigen. Frankreich wollte Russland aus der Koalition lösen, Russland wollte den Krieg beenden, ohne selbst Gebiete zu verlieren.

Preußen war Gegenstand, nicht Partei. Dass das Land überhaupt als Staat bestehen blieb, ging auf den Zaren zurück, der auf dem Fortbestand bestand. Ohne diesen Einwurf wäre die preußische Monarchie 1807 vermutlich aufgeteilt worden.

Das Treffen der Königin Luise mit Napoleon am 6. Juli gehört zu den bekanntesten Szenen dieses Friedens und hat am Ergebnis nichts geändert. Es ist ein Beispiel dafür, wie wenig persönliche Fürsprache ausrichtet, wenn die Machtfrage vorher entschieden ist.

Was wurde beschlossen?

Preußen verlor etwa die Hälfte seines Staatsgebiets. Die Gebiete westlich der Elbe gingen an das neu gebildete Königreich Westphalen, die in den Teilungen erworbenen polnischen Provinzen an das Herzogtum Warschau.

Dazu kamen Lasten, die den Rest des Landes banden: hohe Kontributionen, die Besetzung der Festungen durch französische Truppen mit Ausnahme Schlesiens, eine Obergrenze von 42.000 Mann für das Heer und die Pflicht, im Kriegsfall Truppen zu stellen.

Russland dagegen verlor nichts und gewann einen Partner. Derselbe Verhandlungstag brachte den beiden übrigen Beteiligten also entgegengesetzte Ergebnisse, was weniger über die Verhandlungskunst aussagt als über die Lage davor.

Wie lange hielt der Frieden?

Sechs Jahre. 1812 scheiterte Napoleons Feldzug gegen Russland, und 1813 trat Preußen wieder in den Krieg ein. Der Vertrag von Tilsit war damit erledigt.

In diesen sechs Jahren geschah allerdings etwas, das den Vertrag überdauerte. Ab Oktober 1807 begann in Preußen eine Reihe von Reformen: Aufhebung der Erbuntertänigkeit, Städteordnung mit gewählten Vertretungen, Umbau von Verwaltung und Heer, Gründung der Berliner Universität 1810.

Die Reformen waren kein Programm aus Einsicht, sondern eine Antwort auf die Niederlage. Ein Staat, der nur 42.000 Mann unter Waffen halten durfte, musste seine Kraft woanders herholen, und die Heeresreform legte die Grundlage für das, was 1813 folgte.

Was lässt sich daraus lernen?

Der erste Satz ist der härteste dieser Reihe: Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Tagesordnung. Preußen wurde 1807 verhandelt, nicht beteiligt, und der Erhalt des eigenen Staates hing am Interesse eines Dritten.

Der zweite Befund relativiert den ersten nicht, ergänzt ihn aber. Ein Diktat legt die Bedingungen fest, nicht das, was die unterlegene Seite daraus macht. Die preußischen Reformen entstanden innerhalb der Grenzen dieses Vertrags, nicht gegen sie.

Für heute lässt sich beides zusammen lesen. Ein Ergebnis, an dem eine Seite nicht mitwirken durfte, ist kein Frieden, sondern eine Pause. Und die Zeit in dieser Pause entscheidet mit darüber, was danach kommt.

Was daraus folgt

Wer bei einer Verhandlung nicht am Tisch sitzt, steht auf der Tagesordnung. Wie günstig das ausgeht, entscheiden dann andere.
Alle Friedensschlüsse

Der Verlauf

  1. Oktober 1806Die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt entscheidet den Krieg binnen eines Tages. Der preußische Staat bricht militärisch zusammen.
  2. 14. Juni 1807Die Niederlage der russischen Armee bei Friedland nimmt auch dem letzten Verbündeten Preußens die Mittel zum Weiterkämpfen.
  3. 25. Juni 1807Napoleon und Zar Alexander I. treffen sich auf einem Floß in der Memel. Preußen ist bei diesem Gespräch nicht dabei.
  4. 6. Juli 1807Königin Luise bittet Napoleon in einem Vieraugengespräch um mildere Bedingungen. Am Ergebnis ändert das nichts.
  5. 7. Juli 1807Frankreich und Russland schließen ihren Vertrag. Der Zar setzt darin durch, dass Preußen als Staat bestehen bleibt.
  6. 9. Juli 1807Der Vertrag mit Preußen wird unterzeichnet. Das Land verliert die Gebiete westlich der Elbe und die polnischen Provinzen.
  7. Ab Oktober 1807Die preußischen Reformen beginnen: Bauernbefreiung, Städteordnung, Heeresreform. Der Umbau ist eine Antwort auf die Niederlage.

Von der Geschichte zur eigenen Mission

Jeder dieser Verträge war das Werk von Menschen, die es für machbar hielten. Dieselbe Haltung braucht es im Kleinen: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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