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Wie Kriege endeten

Das Abkommen von Camp David

Dreizehn Tage ohne Öffentlichkeit, ein Vermittler, der die Beteiligten nicht gehen ließ, und am Ende der erste Frieden zwischen Israel und einem arabischen Staat

In Zahlen

13

Tage abgeschirmt verhandelt

5. bis 17. September 1978

2

Rahmenabkommen

eines wurde Vertrag, eines blieb Papier

3

Jahre bis zum Abzug

der Sinai war 1982 vollständig geräumt

Zeitraum
September 1978 bis März 1979
Ort
Camp David, Maryland, und Washington
Beteiligte
Ägypten unter Anwar as-Sadat und Israel unter Menachem Begin, vermittelt von US-Präsident Jimmy Carter
Ergebnis
Zwei Rahmenabkommen vom 17. September 1978, aus denen der Friedensvertrag vom 26. März 1979 wurde
Drei Männer in Anzügen reichen sich lächelnd die Hände vor einem Vorhang und einer Flagge
Sadat, Carter und Begin nach der Unterzeichnung im East Room des Weißen Hauses am 17. September 1978.Fotografie, 17. September 1978, gemeinfrei, U.S. National Archives, Wikimedia Commons

Was war das Abkommen von Camp David?

Vom 5. bis 17. September 1978 verhandelten der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat und der israelische Ministerpräsident Menachem Begin auf dem Landsitz des US-Präsidenten in Maryland. Vermittler war Jimmy Carter.

Am Ende standen zwei Rahmenabkommen. Das erste regelte den Frieden zwischen Ägypten und Israel. Das zweite entwarf einen Rahmen für die übrigen Fragen der Region, darunter eine Übergangsverwaltung für die palästinensischen Gebiete.

Aus dem ersten Rahmen wurde am 26. März 1979 der Friedensvertrag zwischen beiden Staaten, der erste zwischen Israel und einem arabischen Staat überhaupt. Der zweite Rahmen wurde nie umgesetzt.

Wer verhandelte, und wie lief es ab?

Die Besonderheit des Verfahrens war die Abschirmung. Dreizehn Tage lang gab es keine Presse, keine Zwischenberichte und keinen Weg, eine Position in der Heimat zu verteidigen, bevor sie fertig verhandelt war. Wer in solchen Gesprächen Zugeständnisse macht, muss sie nicht gleichzeitig öffentlich rechtfertigen.

Der Vermittler war nicht neutral im Sinne von unbeteiligt. Carter hatte ein eigenes Interesse am Ergebnis, brachte eigene Vorschläge ein und pendelte über Tage zwischen zwei Häusern, weil die beiden Beteiligten zeitweise nicht miteinander sprachen.

Vorbereitet hatte das ein einzelner Schritt: Sadats Reise nach Jerusalem im November 1977 und seine Rede vor der Knesset. Ohne diesen Tabubruch hätte es die Einladung nach Camp David nicht gegeben.

Was wurde beschlossen?

Israel sagte den vollständigen Rückzug von der Sinai-Halbinsel zu, die es seit 1967 besetzt hielt. Ägypten erkannte Israel an, beide Staaten sicherten sich die Unverletzlichkeit ihrer Grenzen zu und nahmen diplomatische Beziehungen auf. Der Sinai wurde entmilitarisiert und wird bis heute von einer internationalen Beobachtertruppe überwacht.

Der zweite Rahmen sah eine fünfjährige Übergangsphase mit Selbstverwaltung für das Westjordanland und den Gazastreifen vor, an deren Ende Verhandlungen über den endgültigen Status stehen sollten.

Der Unterschied zwischen beiden Teilen liegt in der Konkretheit. Der erste nennt ein Gebiet, eine Frist und zwei Unterschriften. Der zweite nennt ein Verfahren, dessen Beteiligte am Tisch fehlten: Die palästinensische Seite war in Camp David nicht vertreten und hat den Rahmen nicht anerkannt.

Wie lange hielt der Frieden?

Der Vertrag zwischen Ägypten und Israel gilt seit 1979 und hat seither jede Krise der Region überstanden. Gemessen an der Zeit ist er der haltbarste Friedensschluss in dieser Reihe nach dem Westfälischen Frieden.

Der Preis war hoch und wurde vor allem auf einer Seite gezahlt. Ägypten wurde aus der Arabischen Liga ausgeschlossen, der Sitz der Liga wurde aus Kairo verlegt, und Sadat wurde 1981 ermordet. Der Vertrag überstand auch das.

Der zweite Rahmen dagegen blieb wirkungslos. Die Autonomieverhandlungen kamen nicht voran, und die Fragen, die er offenließ, wurden fünfzehn Jahre später in Oslo erneut aufgenommen, ebenfalls ohne abschließendes Ergebnis.

Was lässt sich daraus lernen?

Camp David zeigt, was Abschirmung leistet. Ohne Öffentlichkeit konnten beide Seiten Positionen bewegen, ohne sie täglich zu Hause verteidigen zu müssen. Das ist bis heute eines der wenigen Verfahrensmerkmale, das in vielen gelungenen Vermittlungen wiederkehrt.

Zugleich zeigt derselbe Vorgang die Grenze. Wo die Betroffenen einer Regelung nicht am Tisch sitzen, entsteht Text ohne Bindung. Der erste Rahmen betraf zwei Staaten, die beide unterschrieben hatten. Der zweite betraf eine dritte Seite, die nicht eingeladen war.

Beide Befunde stehen in einem einzigen Dokumentenpaar, unterschrieben am selben Tag von denselben Personen. Deutlicher lässt sich kaum zeigen, dass die Haltbarkeit einer Vereinbarung weniger von ihrer Formulierung abhängt als davon, wer an sie gebunden ist.

Was daraus folgt

Zwei Vereinbarungen am selben Tag, dieselben Unterschriften: eine hielt Jahrzehnte, die andere keinen Monat. Der Unterschied lag nicht am Text.
Alle Friedensschlüsse

Der Verlauf

  1. Oktober 1973Der Krieg vom Oktober 1973 verändert die Lage zwischen Ägypten und Israel und macht Verhandlungen für beide Seiten denkbar.
  2. November 1977Sadat reist nach Jerusalem und spricht vor der Knesset. Der Besuch bricht ein Tabu und macht direkte Gespräche möglich.
  3. 5. September 1978Die Gespräche in Camp David beginnen. Die Beteiligten sind abgeschirmt, es gibt keine Presse und keine Zwischenstände.
  4. 17. September 1978Zwei Rahmenabkommen werden unterzeichnet: eines über den Frieden zwischen beiden Staaten, eines über die Regelung der weiteren Fragen.
  5. Dezember 1978Sadat und Begin erhalten den Friedensnobelpreis, noch bevor aus dem Rahmen ein Vertrag geworden ist.
  6. 26. März 1979Der Friedensvertrag wird in Washington unterzeichnet. Israel sagt den Rückzug vom Sinai zu, beide Staaten erkennen ihre Grenzen an.
  7. 1979 bis 1989Ägypten wird aus der Arabischen Liga ausgeschlossen. Der Ausschluss dauert zehn Jahre, der Vertrag überdauert ihn.
  8. April 1982Der Rückzug vom Sinai ist abgeschlossen. Der zweite Rahmen, der die Autonomiefrage regeln sollte, wird nie umgesetzt.

Von der Geschichte zur eigenen Mission

Jeder dieser Verträge war das Werk von Menschen, die es für machbar hielten. Dieselbe Haltung braucht es im Kleinen: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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