Wie Kriege endeten
Der Westfälische Friede
Fünf Jahre verhandelten Gesandte in zwei Städten, während der Krieg weiterging. Am Ende stand ein Frieden, der bis heute als Vorbild für Verhandlungen zwischen Gegnern gilt
In Zahlen
30
Jahre Krieg beendet
1618 bis 1648
5
Jahre Verhandlung
ab 1644, während die Kämpfe weitergingen
2
Verhandlungsorte
Münster und Osnabrück, beide für neutral erklärt
- Zeitraum
- 1644 bis 1648
- Ort
- Münster und Osnabrück
- Beteiligte
- Kaiser und Reich, Schweden, Frankreich und die Reichsstände, dazu Spanien und die Niederlande in einem eigenen Vertrag
- Ergebnis
- Zwei Friedensurkunden vom 24. Oktober 1648, das Instrumentum Pacis Osnabrugense und das Instrumentum Pacis Monasteriense

Was war der Westfälische Friede?
Der Westfälische Friede besteht aus zwei Urkunden, die am 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück unterzeichnet wurden: dem Instrumentum Pacis Osnabrugense zwischen Kaiser, Reich und Schweden und dem Instrumentum Pacis Monasteriense zwischen Kaiser, Reich und Frankreich. Zusammen beendeten sie den Dreißigjährigen Krieg.
Ein dritter Vertrag gehört in dieselbe Verhandlungsrunde: Am 30. Januar 1648 schlossen Spanien und die Niederlande in Münster Frieden und beendeten damit einen Konflikt, der noch länger gedauert hatte als der Krieg im Reich.
Ungewöhnlich war die Anlage. Es verhandelten nicht zwei Parteien über einen Streitpunkt, sondern ein ganzer Kontinent über ein Bündel von Fragen, die sich über drei Jahrzehnte verschlungen hatten: Konfession, Verfassung, Gebiete, Entschädigungen. Deshalb gilt diese Zusammenkunft als der erste europäische Friedenskongress.
Wer verhandelte, und wie war es organisiert?
Am Tisch saßen Gesandte des Kaisers, Schwedens und Frankreichs sowie der Reichsstände, also der Fürsten und Städte, die zum Reich gehörten. Dass diese Stände eigenständig verhandelten und nicht nur durch den Kaiser vertreten wurden, war selbst eine der umstrittenen Fragen und wurde am Ende im Vertrag festgeschrieben.
Die Organisation löste ein praktisches Problem. Weil sich die Gesandten der katholischen und der protestantischen Seite nicht auf eine gemeinsame Rangordnung einigen konnten, verhandelte man in zwei Städten gleichzeitig: mit Frankreich in Münster, mit Schweden in Osnabrück. Beide Städte wurden vom Kaiser für neutral erklärt und entmilitarisiert.
Vermittelt wurde durch Dritte, unter anderem durch einen Gesandten des Papstes und die Republik Venedig. Kuriere trugen Entwürfe zwischen den Städten hin und her. Fünf Jahre lang lief dieser Betrieb, während der Krieg weiterging und jede Schlacht die Verhandlungsposition der Beteiligten verschob.
Was wurde beschlossen?
In der Konfessionsfrage wurde der reformierte Glaube neben dem katholischen und dem lutherischen anerkannt. Für den Besitzstand der Konfessionen legte man ein Normaljahr fest, den 1. Januar 1624: Was an diesem Stichtag galt, sollte wieder gelten. Eine Sachfrage wurde damit in eine Rechenregel überführt, über die sich streiten ließ, ohne den Glauben selbst zu verhandeln.
Verfassungsrechtlich erhielten die Reichsstände das Recht, Bündnisse mit auswärtigen Mächten zu schließen, solange diese sich nicht gegen Kaiser und Reich richteten. Die Niederlande und die Schweizerische Eidgenossenschaft schieden aus dem Reichsverband aus. Schweden und Frankreich erhielten Gebiete und Sitze im Reichstag.
Dazu kamen zwei Bestimmungen, die den Frieden praktisch machten: eine allgemeine Amnestie für die Taten des Krieges und die Rückgabe eingezogener Güter. Wie die Heere abzogen und entlohnt wurden, klärte erst der Nürnberger Exekutionstag in den beiden Jahren danach.
Wie lange hielt der Frieden?
Die Regelungen für das Reich hielten gut anderthalb Jahrhunderte, bis zu seinem Ende 1806. Kriege gab es in Europa danach weiterhin, doch der Konfessionskrieg im Reich kehrte nicht zurück. Gemessen an der Frage, die den Krieg ausgelöst hatte, war der Frieden dauerhaft.
Ein Grund liegt in der Bauart. Der Vertrag entschied die Glaubensfrage nicht, er machte sie verhandelbar: durch das Normaljahr, durch Verfahren für Streitfälle, durch die Regel, dass in Religionsfragen im Reichstag nicht überstimmt, sondern verglichen wurde. Wer einen Streit nicht entscheiden kann, kann immerhin die Regeln für ihn festlegen.
Der Preis war hoch und wurde vor dem Frieden gezahlt. Der Krieg hatte in Teilen des Reiches ein Drittel und mehr der Bevölkerung gekostet, ganze Landstriche entvölkert und den Wiederaufbau über Generationen gestreckt. Der Vertrag beendete das Sterben, er machte es nicht rückgängig.
Was lässt sich daraus lernen?
Erstens: Man kann verhandeln, während gekämpft wird. Fünf Jahre lang liefen Gespräche und Krieg nebeneinander her. Hätte man auf ein Ende der Gewalt gewartet, wäre keine der Fragen früher geklärt gewesen.
Zweitens: Ein Verfahren kann tragen, wo eine Einigung unmöglich ist. Über den wahren Glauben ließ sich 1648 nicht entscheiden. Über einen Stichtag, nach dem sich der Besitzstand richtet, ließ sich entscheiden. Dieselbe Bewegung, einen unlösbaren Streit in eine handhabbare Frage zu übersetzen, steht am Anfang vieler gelungener Vermittlungen bis heute.
Drittens: Frieden endet nicht mit der Unterschrift. Erst der Nürnberger Exekutionstag regelte, wie die Truppen abziehen und wer sie bezahlt. Diese unspektakuläre Nacharbeit entscheidet oft darüber, ob ein Vertrag hält. In der Friedensforschung heißt dieser Teil Implementierung, und er ist der Teil, an dem Abkommen am häufigsten scheitern.
Was daraus folgt
Verhandelt wurde, während gekämpft wurde. Wer wartet, bis die Gewalt aufhört, wartet meist zu lange.
Quellen
Der Verlauf
- 23. Mai 1618Der Prager Fenstersturz steht am Anfang eines Krieges, der sich über drei Jahrzehnte auf weite Teile Europas ausdehnt.
- Dezember 1641Der Hamburger Präliminarvertrag legt fest, wo und in welchem Rahmen verhandelt werden soll. Die Orte stehen fest, bevor eine Sachfrage geklärt ist.
- 1644Die Verhandlungen beginnen. Kaiser und Reich sprechen mit Frankreich in Münster und mit Schweden in Osnabrück, um Streit um den Vorrang zu vermeiden.
- 30. Januar 1648Spanien und die Niederlande schließen in Münster ihren Frieden. Der achtzigjährige Krieg zwischen ihnen endet, die Unabhängigkeit der Niederlande wird anerkannt.
- 24. Oktober 1648Die beiden Friedensurkunden werden unterzeichnet. Sie regeln Gebiete, Konfessionen und die Rechte der Reichsstände in einem Text.
- 1649 bis 1650Auf dem Nürnberger Exekutionstag wird geregelt, wie die Truppen abziehen und wer sie entlohnt. Ohne diesen Schritt bliebe der Vertrag Papier.
- Sommer 1650Der Abzug der fremden Heere ist abgeschlossen. Erst damit ist der Krieg auch auf dem Boden beendet, auf dem er stattfand.
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