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Frieden verstehen

Friedensnobelpreis: Vergabe, Nominierung und Geschichte

Wer den Preis vergibt, wer Kandidaten vorschlagen darf, wie ausgewählt wird und wann die Entscheidung fällt, erklärt aus den Angaben der Nobelstiftung

In Zahlen

1901

erste Verleihung

an Henry Dunant und Frédéric Passy

143

Ausgezeichnete

112 Menschen und 31 Organisationen

19

Jahre ohne Preis

darunter beide Weltkriege

Gestiftet von
Alfred Nobel, Testament vom 27. November 1895
Vergeben von
Norwegisches Nobelkomitee, fünf vom Storting ernannte Mitglieder
Verkündung
Anfang Oktober in Oslo, 2026 am 9. Oktober
Verleihung
am 10. Dezember im Rathaus von Oslo

Was ist der Friedensnobelpreis?

Der Friedensnobelpreis ist einer der fünf Preise, die Alfred Nobel in seinem Testament vom 27. November 1895 gestiftet hat, neben Physik, Chemie, Medizin und Literatur. Den größten Teil seines Vermögens bestimmte er für Auszeichnungen an Menschen, die der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben. Seit 1901 wird der Preis vergeben.

Für den Friedenspreis nennt das Testament drei Maßstäbe. Er soll an die Person gehen, die am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verringerung stehender Heere und für die Abhaltung und Förderung von Friedenskongressen. Diese drei Felder haben sich über die Jahrzehnte erweitert: Ausgezeichnet wurden auch humanitäre Hilfe, Menschenrechtsarbeit und Abrüstung.

Anders als die übrigen Nobelpreise kann der Friedenspreis auch an Organisationen gehen. Nach den Zahlen der Nobelstiftung haben ihn bisher 112 Menschen und 31 Organisationen erhalten. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wurde dreimal ausgezeichnet, 1917, 1944 und 1963, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen zweimal, 1954 und 1981.

Wer vergibt den Preis, und warum in Norwegen?

Über den Friedenspreis entscheidet das Norwegische Nobelkomitee in Oslo. Es besteht aus fünf Mitgliedern, die das norwegische Parlament, der Storting, ernennt. So hat es Alfred Nobel im Testament festgelegt: Die Preise für Physik und Chemie vergibt die Schwedische Akademie der Wissenschaften, den für Medizin das Karolinska-Institut, den für Literatur die Akademie in Stockholm und den für Frieden ein Ausschuss von fünf Personen, den der Storting wählt.

Warum Nobel den Friedenspreis nach Norwegen gab, hat er selbst nicht begründet. Zu seiner Zeit waren Schweden und Norwegen in einer Union verbunden, die erst 1905 endete. Das Komitee entscheidet seit der ersten Verleihung über diesen einen Preis, die übrigen werden in Stockholm vergeben.

In den ersten Jahren gab der Storting die Entscheidung selbst bekannt. Von 1901 bis 1904 wurde sie nach Angaben der Nobelstiftung in einer Sitzung des Parlaments am 10. Dezember verkündet, danach erfuhren die Ausgezeichneten schriftlich davon. Heute verkündet das Komitee seine Entscheidung im Oktober in Oslo.

Wer darf Kandidaten vorschlagen?

Vorschlagen darf nur, wer zu einem festgelegten Kreis gehört. Dazu zählen nach den Regeln der Nobelstiftung Mitglieder nationaler Parlamente und Regierungen souveräner Staaten sowie amtierende Staatsoberhäupter, Mitglieder des Internationalen Gerichtshofs und des Ständigen Schiedshofs in Den Haag, des Institut de Droit International und des internationalen Vorstands der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit.

Hinzu kommen Professorinnen und Professoren für Geschichte, Sozialwissenschaften, Recht, Philosophie, Theologie und Religion, Rektoren von Universitäten, die Leitungen von Instituten für Friedensforschung und Außenpolitik, frühere Ausgezeichnete, die Vorstände ausgezeichneter Organisationen sowie heutige und frühere Mitglieder und Berater des Komitees. Eine Bewerbung in eigener Sache wird nicht berücksichtigt.

Ein Vorschlag muss bis zum 31. Januar um Mitternacht eingehen. Die Mitglieder des Komitees dürfen noch in seiner ersten Sitzung nach Fristende eigene Namen hinzufügen. Wer vorgeschlagen wurde und von wem, bleibt nach den Statuten der Nobelstiftung 50 Jahre lang geheim.

Wie wählt das Komitee aus?

Nach Fristende sichtet das Komitee alle gültigen Vorschläge und stellt daraus eine Kurzliste zusammen. Sie umfasst nach Angaben des Komitees meist zwanzig bis dreißig Namen. Diese Kandidaten prüfen die ständigen Berater des Norwegischen Nobelinstituts, neben dem Direktor und dem Forschungsdirektor meist eine kleine Gruppe norwegischer Professorinnen und Professoren mit Fachwissen in Feldern, die den Preis berühren.

Für ihre Gutachten haben die Berater in der Regel einige Monate Zeit. Liegen die Berichte vor, berät das Komitee die aussichtsreichsten Kandidaten ausführlich. Entschieden wird erst in einer der letzten Sitzungen vor der Verkündung, möglichst einstimmig, sonst mit Mehrheit.

Weil die Unterlagen 50 Jahre lang verschlossen bleiben, sind Meldungen über Nominierte vor der Verkündung keine Auskunft des Komitees. Wer öffentlich erklärt, jemanden vorgeschlagen zu haben, belegt damit nur den eigenen Vorschlag, nicht dessen Gewicht im Verfahren. Ein Vorschlag ist weder eine Auszeichnung noch eine Vorentscheidung.

Wann wird verkündet, wann verliehen?

Verkündet wird die Entscheidung Anfang Oktober in Oslo. 2026 gibt das Komitee den Preis nach dem Kalender der Nobelstiftung am Freitag, 9. Oktober, um 11 Uhr bekannt. Die übrigen Nobelpreise werden in den Tagen davor und danach in Stockholm verkündet.

Verliehen wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, der 1896 starb. Die Feier fand von 1905 bis 1946 im Gebäude des Nobelinstituts statt, von 1947 bis 1989 in der Aula der Universität Oslo und seit 1990 im Rathaus von Oslo. Am selben Tag werden in Stockholm die übrigen Preise überreicht.

Zum Preis gehören eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld. Für 2026 hat die Nobelstiftung 12 Millionen schwedische Kronen je vollem Preis festgelegt. Teilen sich zwei oder drei Ausgezeichnete einen Preis, wird das Geld geteilt.

Welche Deutschen haben den Preis erhalten?

Der erste Deutsche war Gustav Stresemann. Der Außenminister erhielt den Preis 1926 gemeinsam mit dem französischen Außenminister Aristide Briand, das Komitee würdigte ihre entscheidende Rolle beim Zustandekommen der Verträge von Locarno. Ein Jahr später, 1927, ging der Preis an den Historiker und Pazifisten Ludwig Quidde, gemeinsam mit dem Franzosen Ferdinand Buisson, für ihren Beitrag zu einer öffentlichen Meinung in Frankreich und Deutschland, die friedliche Zusammenarbeit befürwortet.

Der Journalist Carl von Ossietzky erhielt den Preis für 1935, überreicht wurde er ein Jahr später, 1936. Das Komitee ehrte ihn für seine brennende Liebe zur Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung und seinen Beitrag zur Sache des Friedens. Albert Schweitzer, 1875 im damals deutschen Kaysersberg im Elsass geboren, erhielt den Preis für 1952.

Willy Brandt wurde 1971 als Bundeskanzler ausgezeichnet. Das Komitee begründete den Preis damit, dass er den Weg für einen sinnvollen Dialog zwischen Ost und West geebnet habe.

Alfred Nobel, Testament vom 27. November 1895, in deutscher Übersetzung

Ein Teil an die Person, die am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verringerung stehender Heere und für die Abhaltung und Förderung von Friedenskongressen.

Häufige Fragen

Wann wird der Preis 2026 verkündet?

Das Norwegische Nobelkomitee verkündet den Preis 2026 am Freitag, 9. Oktober, um 11 Uhr in Oslo. Verliehen wird er am 10. Dezember.

Kann man vorher erfahren, wer nominiert ist?

Nein. Die Namen der Vorgeschlagenen und der Vorschlagenden bleiben 50 Jahre lang geheim. Listen, die vor der Verkündung kursieren, stammen nicht vom Komitee.

Hat schon einmal jemand den Preis abgelehnt?

Ja, ein Mal. Der vietnamesische Politiker Le Duc Tho lehnte den Preis 1973 ab, den er gemeinsam mit Henry Kissinger für die Verhandlungen über ein Friedensabkommen in Vietnam erhalten sollte.

Warum wurde der Preis manchmal nicht vergeben?

Findet das Komitee keinen Vorschlag, der dem Maßstab des Testaments entspricht, darf es auf eine Vergabe verzichten. Das geschah 19 Mal, unter anderem in beiden Weltkriegen und 1948, als das Komitee erklärte, es gebe keinen geeigneten lebenden Kandidaten.

Stationen des Preises

  1. 27. Nov. 1895Alfred Nobel unterschreibt sein Testament und stiftet fünf Preise, darunter den Friedenspreis.
  2. 10. Dez. 1896Nobel stirbt. Sein Todestag wird später zum Tag der Verleihung.
  3. 1901Erste Verleihung an Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, und den Pazifisten Frédéric Passy.
  4. 1905Bertha von Suttner erhält den Preis als erste Frau.
  5. 1914 bis 1916Im Ersten Weltkrieg wird der Preis drei Jahre lang nicht vergeben, 1917 geht er an das Rote Kreuz.
  6. 1936Carl von Ossietzky erhält den Preis für 1935 nachträglich.
  7. 1939 bis 1943Im Zweiten Weltkrieg bleibt der Preis fünf Jahre in Folge unvergeben.
  8. 1948Keine Vergabe. Es gebe keinen geeigneten lebenden Kandidaten, erklärt das Komitee in dem Jahr, in dem Mahatma Gandhi ermordet wurde.
  9. 1971Willy Brandt wird für seine Politik des Dialogs zwischen Ost und West ausgezeichnet.
  10. 1990Die Feier zieht in das Rathaus von Oslo, wo sie bis heute stattfindet.
  11. 9. Okt. 2026Verkündung des diesjährigen Preises in Oslo, die Verleihung folgt am 10. Dezember.

Vom Preis zum eigenen Schritt

Hinter jedem Namen auf dieser Liste stehen Jahre, in denen Menschen an einer Sache drangeblieben sind, oft lange bevor jemand sie auszeichnete. Frieden beginnt selten auf einer Bühne in Oslo, sondern dort, wo du selbst etwas bewegen kannst: in deiner Nachbarschaft, deiner Schule, deinem Verein.

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