Weltkarte des Friedens
Neutrale Länder
Neutral ist nicht gleich neutral. Manche Staaten sind es per Vertrag seit über zweihundert Jahren, andere per Verfassung, Gesetz oder schlicht als Politik
Das Wichtigste in Kürze
- Dauernd neutral sind vor allem die Schweiz seit 1815, die Vatikanstadt seit 1929, Österreich seit 1955 und Turkmenistan seit 1995.
- Malta, Moldau und Costa Rica haben sich in ihrer Verfassung oder per Erklärung selbst zur Neutralität verpflichtet.
- Irland und Serbien verfolgen eine Politik der militärischen Neutralität, ohne Vertrag und ohne Verfassungsartikel.
- Neutral heißt nicht wehrlos: Nach dem Haager Abkommen von 1907 darf ein neutraler Staat seine Neutralität verteidigen.
In Zahlen
1815
Schweiz
dauernde Neutralität, in Paris anerkannt
1955
Österreich
Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober
1995
Turkmenistan
Neutralität von der UN-Generalversammlung anerkannt
Schweiz
- Art der Neutralität
- dauernd, völkerrechtlich anerkannt
- Grundlage
- Pariser Akte von 1815, Bundesverfassung
- Militärbündnisse
- keine Bindung, die in einen Krieg hineinziehen könnte
- Mitglied der Vereinten Nationen
- seit 2002
- Global Peace Index 2026
- Platz 3
Österreich
- Art der Neutralität
- immerwährend, mit Verfassungsrang
- Grundlage
- Bundesverfassungsgesetz von 1955
- Militärbündnisse
- Beitritt per Verfassungsgesetz ausgeschlossen
- Mitglied der Vereinten Nationen
- seit 1955
- Global Peace Index 2026
- Platz 6
Irland
- Art der Neutralität
- militärische Neutralität als Politik
- Grundlage
- Leitlinie der Regierung, kein Vertrag
- Militärbündnisse
- gehört keinem Militärbündnis an
- Mitglied der Vereinten Nationen
- seit 1955
- Global Peace Index 2026
- Platz 5
- Schweizseit 1815
- Vatikanstadtseit 1929
- Österreichseit 1955
- Costa Ricaseit 1983
- Maltaseit 1987
- Moldauseit 1994
- Turkmenistanseit 1995
- Serbienseit 2007
- Rechtsrahmen
- Haager Abkommen V von 1907
- Älteste dauernde Neutralität
- Schweiz, anerkannt am 20. November 1815
- In der Verfassung verankert
- Österreich, Malta, Moldau, Turkmenistan
- Stand
- Oktober 2026
Welche Länder sind neutral?
Als dauernd neutral gelten heute vor allem vier Staaten: die Schweiz seit 1815, die Vatikanstadt seit 1929, Österreich seit 1955 und Turkmenistan seit 1995. Ihre Neutralität beruht auf einem Vertrag, einem Verfassungsgesetz oder einer Resolution der Vereinten Nationen und ist damit rechtlich festgelegt.
Daneben gibt es Staaten, die sich in ihrer Verfassung oder durch eine Erklärung selbst zur Neutralität verpflichtet haben: Malta, Moldau und Costa Rica. Irland und Serbien verfolgen eine Politik der militärischen Neutralität, ohne dass sie in einem Vertrag oder in der Verfassung steht. San Marino und Liechtenstein gelten als traditionell neutral, haben aber keinen formellen Status.
Wie lang die Liste ist, hängt also davon ab, wie streng man zählt. Die Tabelle weiter unten ordnet die elf Staaten nach der Art ihrer Neutralität und nennt für jeden die Grundlage.
Was bedeutet Neutralität im Völkerrecht?
Die Regeln für neutrale Staaten stehen im Haager Abkommen V von 1907 über die Rechte und Pflichten neutraler Mächte im Landkrieg. Sein erster Artikel ist kurz: Das Gebiet neutraler Mächte ist unverletzlich. Kriegführende Staaten dürfen keine Truppen und keinen Nachschub über neutrales Gebiet bewegen.
Im Gegenzug hat der neutrale Staat Pflichten. Er darf solche Durchzüge nicht dulden, und nimmt er Truppen einer Kriegspartei auf seinem Gebiet auf, muss er sie nach Möglichkeit fern vom Kriegsschauplatz internieren. Verteidigt er seine Neutralität, notfalls auch mit Gewalt, gilt das ausdrücklich nicht als feindliche Handlung.
Wichtig ist der Unterschied zwischen gewöhnlicher und dauernder Neutralität. Gewöhnliche Neutralität gilt nur für einen bestimmten Krieg. Ein dauernd neutraler Staat verpflichtet sich dagegen schon in Friedenszeiten, an keinem Krieg teilzunehmen und keine Bindungen einzugehen, die ihn in einen Krieg hineinziehen könnten.
Seit wann ist die Schweiz neutral?
Die dauernde Neutralität der Schweiz wurde am 20. November 1815 in Paris von den europäischen Großmächten anerkannt und garantiert, im Anschluss an den Wiener Kongress. Die Schweiz ist damit der Staat mit der ältesten anerkannten dauernden Neutralität.
In der heutigen Bundesverfassung von 1999 taucht die Neutralität als Aufgabe auf: Bundesversammlung und Bundesrat sollen Maßnahmen zur Wahrung der äußeren Sicherheit, der Unabhängigkeit und der Neutralität der Schweiz treffen. Eine ausführliche Definition enthält die Verfassung nicht, ihr Inhalt ergibt sich aus dem Völkerrecht und der Praxis.
Neutral heißt dabei nicht wehrlos. Das Haager Abkommen erlaubt einem neutralen Staat ausdrücklich, Angriffe auf seine Neutralität auch mit Gewalt abzuwehren. Neutralität ist deshalb etwas anderes als der Verzicht auf eine Armee, den einige andere Staaten gewählt haben.
Wie wurde Österreich neutral?
Am 26. Oktober 1955 beschloss der österreichische Nationalrat das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs. Es ist kurz und hat Verfassungsrang. Der erste Satz lautet: Österreich erklärt aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität, um seine Unabhängigkeit nach außen und die Unverletzlichkeit seines Gebietes dauerhaft zu behaupten.
Der zweite Absatz legt zwei konkrete Pflichten fest. Österreich wird in aller Zukunft keinen militärischen Bündnissen beitreten und auf seinem Gebiet keine militärischen Stützpunkte fremder Staaten zulassen. Außerdem verpflichtet sich das Land, die Neutralität mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechtzuerhalten und zu verteidigen.
Das Gesetz ist eines der kürzesten der österreichischen Verfassung: zwei Artikel, von denen der zweite nur bestimmt, dass die Bundesregierung es vollzieht. Was Neutralität im Einzelnen bedeutet, ergibt sich wie bei der Schweiz aus dem Völkerrecht.
Welche anderen Formen der Neutralität gibt es?
Turkmenistan ist ein besonderer Fall: Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 12. Dezember 1995 in ihrer Resolution 50/80 A die dauernde Neutralität des Landes ausdrücklich anerkannt und unterstützt. Turkmenistan hat sie zudem in Artikel 2 seiner Verfassung verankert.
Malta hat 1987 in Artikel 1 seiner Verfassung festgeschrieben, dass es ein neutraler Staat ist, der sich für Frieden und Sicherheit einsetzt und eine Politik der Bündnisfreiheit verfolgt. Moldau erklärt in Artikel 11 seiner Verfassung von 1994 die dauernde Neutralität. Costa Rica, das bereits 1949 seine Armee abgeschafft hatte, erklärte am 17. November 1983 per Proklamation des Präsidenten eine dauernde, aktive und unbewaffnete Neutralität.
Irland beschreibt seine militärische Neutralität als Politik: Das Land gehört keinem Militärbündnis an. Serbien hat seine militärische Neutralität 2007 per Parlamentsresolution erklärt. Die Vatikanstadt ist nach Artikel 24 des Lateranvertrags von 1929 stets als neutrales und unverletzliches Gebiet anzusehen.
Kann ein Staat seine Neutralität aufgeben?
Ja. Wer seine Neutralität selbst erklärt hat, kann sie auch selbst wieder ändern, über eine Verfassungsänderung, ein Gesetz oder eine neue außenpolitische Leitlinie. Ist die Neutralität dagegen völkerrechtlich anerkannt oder vertraglich vereinbart, betrifft eine Änderung auch die Staaten, die sie anerkannt haben.
Zwei Beispiele aus jüngerer Zeit zeigen, dass sich auch eine lange gelebte Bündnisfreiheit ändern kann: Finnland ist am 4. April 2023 der NATO beigetreten, Schweden am 7. März 2024. Beide Länder gehörten zuvor keinem Militärbündnis an und stehen deshalb nicht mehr auf der Liste.
Umgekehrt ist Neutralität kein Zustand, der Frieden garantiert. Sie ist ein Versprechen nach außen, sich aus Kriegen anderer herauszuhalten, und sie lebt davon, dass andere Staaten dieses Versprechen respektieren.
Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs, 1955
Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität.
Quellen
- Haager Abkommen V von 1907 (Avalon Project, Yale Law School)
- Historisches Lexikon der Schweiz: Neutralität
- RIS Österreich: Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs
- Vereinte Nationen: Resolution 50/80 A, Permanent neutrality of Turkmenistan
- Lateranvertrag von 1929 (vatican.va)
- Irisches Außenministerium: Neutrality
- NATO: Finland joins NATO as 31st Ally
- NATO: Sweden officially joins NATO
- Vereinte Nationen: Member States
- Constitute Project: Bundesverfassung der Schweiz
Neutrale Staaten und ihre Grundlage
| Staat | Art der Neutralität | Grundlage |
|---|---|---|
| Schweiz | dauernd, völkerrechtlich anerkannt | Pariser Akte vom 20.11.1815; Bundesverfassung Art. 173 und 185 |
| Österreich | immerwährend, mit Verfassungsrang | Bundesverfassungsgesetz vom 26.10.1955 |
| Vatikanstadt | dauernd, vertraglich vereinbart | Lateranvertrag vom 11.02.1929, Art. 24 |
| Turkmenistan | dauernd, von der UN anerkannt | UN-Resolution 50/80 A vom 12.12.1995; Verfassung Art. 2 |
| Malta | in der Verfassung, mit Bündnisfreiheit | Verfassung Art. 1 Abs. 3, seit 1987 |
| Moldau | in der Verfassung erklärt | Verfassung von 1994, Art. 11 |
| Costa Rica | dauernd, aktiv und unbewaffnet | Proklamation des Präsidenten vom 17.11.1983 |
| Irland | militärische Neutralität als Politik | Leitlinie der Regierung, kein Vertrag |
| Serbien | militärische Neutralität | Resolution des Parlaments vom 26.12.2007 |
| San Marino | traditionell, ohne formellen Status | Freundschaftsvertrag mit Italien von 1939, Art. 1 |
| Liechtenstein | traditionell, ohne formellen Status | Neutralität im Einzelfall erklärt, zuletzt 1939 |
Quellen: die jeweils genannten Rechtstexte, abgerufen im Oktober 2026 über amtliche Seiten, die Vereinten Nationen und das Constitute Project. Die Reihenfolge folgt der Verbindlichkeit des Status, nicht einer Bewertung.
Weiter in dieser Reihe
- Länder ohne ArmeeVerfassungen, Verträge und Barbey 2020Rund zwanzig Staaten der Welt haben keine eigene Armee. Manche haben sie abgeschafft, andere nie gegründet, und jeder regelt seine Sicherheit auf eigene Weise
- Die sichersten Länder der WeltGlobal Peace Index 2026Island führt die Rangliste der friedlichsten Länder seit neunzehn Jahren an. Wer dahinter folgt und warum, zeigt der Global Peace Index 2026
Weitere Fragen zur Neutralität
Welche Länder in Europa sind neutral?
In Europa gelten heute sieben Staaten als neutral oder militärisch neutral: die Schweiz, Österreich, die Vatikanstadt, Malta, Moldau, Irland und Serbien. Dazu kommen San Marino und Liechtenstein, die traditionell als neutral gelten, aber keinen formellen Status haben.
Rechtlich am stärksten abgesichert sind die Schweiz, Österreich und die Vatikanstadt, deren Neutralität auf einem Vertrag oder einem Verfassungsgesetz beruht. Finnland und Schweden gehörten lange keinem Bündnis an, sind aber seit 2023 und 2024 Mitglieder der NATO. Außerhalb Europas sind Turkmenistan und Costa Rica die bekanntesten neutralen Staaten.
Was ist der Unterschied zwischen neutral und bündnisfrei?
Neutralität ist ein Begriff des Völkerrechts. Ein neutraler Staat nimmt an Kriegen anderer nicht teil, lässt keine Truppen von Kriegsparteien über sein Gebiet ziehen und hat dafür Anspruch darauf, dass sein Gebiet unverletzlich bleibt. Ein dauernd neutraler Staat verpflichtet sich dazu schon in Friedenszeiten.
Bündnisfreiheit ist dagegen eine politische Entscheidung: Ein Staat tritt keinem Militärbündnis bei, ohne sich völkerrechtlich auf Neutralität festzulegen. Malta verbindet beides in Artikel 1 seiner Verfassung, die das Land als neutralen Staat beschreibt, der eine Politik der Bündnisfreiheit verfolgt. Irland beschreibt seine Haltung als militärische Neutralität.
Ist Schweden noch neutral?
Nein. Schweden ist am 7. März 2024 der NATO beigetreten, Finnland bereits am 4. April 2023. Beide Länder hatten zuvor keinem Militärbündnis angehört und wurden deshalb oft zu den neutralen Staaten gezählt.
Mit dem Beitritt stehen sie nicht mehr auf der Liste der neutralen Länder. Der Fall zeigt, dass eine selbst gewählte Bündnisfreiheit leichter zu ändern ist als eine Neutralität, die in einem Vertrag oder einem Verfassungsgesetz festgeschrieben ist. Wer eine Liste neutraler Staaten liest, sollte deshalb auf ihren Stand achten. Die Tabelle auf dieser Seite nennt ihn.
Dürfen neutrale Staaten eine Armee haben?
Ja. Neutralität verpflichtet einen Staat, sich aus Kriegen anderer herauszuhalten, nicht, auf Verteidigung zu verzichten. Das Haager Abkommen V von 1907 stellt ausdrücklich klar, dass es keine feindliche Handlung ist, wenn ein neutraler Staat Angriffe auf seine Neutralität abwehrt, auch mit Gewalt.
Die Schweiz hat nach Artikel 58 ihrer Bundesverfassung eine Armee, die grundsätzlich als Miliz organisiert ist. Österreich hat sich im Neutralitätsgesetz verpflichtet, seine Neutralität mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Costa Rica ist dagegen neutral und zugleich ohne Armee. Welche Staaten ganz auf Streitkräfte verzichten, zeigt die Seite über Länder ohne Armee.
Sind neutrale Länder Mitglied der Vereinten Nationen?
Ja, die meisten. Österreich und Irland sind seit dem 14. Dezember 1955 Mitglied, Malta seit 1964, Turkmenistan und Moldau seit 1992, Serbien seit 2000. Die Schweiz ist erst am 10. September 2002 beigetreten. Die Vatikanstadt ist kein Mitglied, sondern hat als Heiliger Stuhl den Status eines Beobachterstaats.
Für Turkmenistan spielen die Vereinten Nationen eine besondere Rolle: Ihre Generalversammlung hat die dauernde Neutralität des Landes 1995 in einer eigenen Resolution anerkannt und unterstützt. Neutralität und die Mitarbeit in einer weltweiten Organisation schließen sich also nicht aus.
Frieden beginnt nicht in der Rangliste
Hinter jeder Platzierung stehen Menschen, die Streit schlichten, Nachbarschaften verbinden und Vertrauen aufbauen. Genau dort setzt W3ltfrieden an: bei Friedensmissionen, die du selbst starten oder unterstützen kannst.
Deine Friedensmission finden